talking to turtles - oh, good life (2011)

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27. Aug. 2011, 10:56



als einstieg in das neue album "oh, the good life" verweisen wir zunächst auf den auftritt von Talking To Turtles auf dem obs 15 in beverungen an pfingsten sowie das video prelistening zur aktuellen veröffentlichung von vor drei tagen. bevor Ihr also weiterlest, gibt es die möglichkeit, sich mit den beiden protagonisten vertraut zu machen, die 2010 mit "monologue" ihren erstling noch in lofi produktion vorlegten.

nun, zwei auffälligkeiten: der feingliedrigen musikalie tut das zum bandoutfit aufgepeppte ambiente gut. die dichtere soundlandschaft lässt dabei dennoch zu, dass verschwiegene bäume, filigran gewachsene grashalme, ein vogelschwarm, eine spitze sonnenstrahl, reflektiert von ungeputzten fenstern, zu identifizieren sind. nicht "in the future" (mit keckerndem banjo und gestampftem beat), ganz gegenwärtig. und: eine solche stimme, die sich so noch nicht durch salbungsvollen folk gebuttert hat, tut dem genre außerdem sehr gut. florians an windmill geschulter gesang hat einen gequälten grundton, der den songs von talking to turtles etwas anrührend magisches verleiht. als läge über der produktion ein mit geheimnissen vollgestopfter schleier. in "wonky cradle" etwa schlüpft das angegriffene organ in den von der harmonika erzeugten sog und schafft eine ausgesprochen sehnsüchtige stimmung.

doch es fehlt "oh, the good life", dem neuen album der aus rostock stammenden gemeinschaft, nicht an dynamik. eine kunst, die die beiden protagonisten claudia göhler und florian sievers ausgewiesen beherrschen: tempiwechsel, rhythmische betonungen, das wertlegen auf memorables, ob im refrain oder das anlegen einer gekonnten bridge, das songwriting ist schlüssig, rund und dabei nie vorhersehbar. überraschungen warten an jeder ecke. zum beispiel die satte rockkombi in "men in trees", nachdem man vorab noch das glockenspiel bemühte und ohne zögern den übergang wagte.

seattle, die stadt in der die band aufgenommen hatte, hinterließ spuren. die komponente eines forcierten auftritts, und hier macht der nordamerikanischen metropole mit blick in die jüngere vergangenheit so schnell keiner was vor, greift mit scharfen krallen nach dem sympathischen duo. doch dingfest hat man sie damit noch lange nicht gemacht. das album bietet projektionsflächen zu vielfach mutigem abheben. "short stories long" maßt sich tradition an, ist auf das notwendigste reduziert und punktet mit wechselgesang an straßenszene. "a car a beer cigarettes" qualifiziert sich dank seines flagellantentums, seines an- und abschwellenden charakters gar zur heimlichen mitte des albums. den rang wollen aber auch andere tracks ablaufen. "fingers crossed" wird aufgrund eines flächigen stringthemas graduiert, "crumbs" hebt den arm zum gruß, einen groove zur hilfe nehmend, den zunächst lediglich eine gitarre inszeniert, doch gegenüber dem dringlichen aufbegehen in formation ist kein kraut gewachsen und jeglicher unwillen gebrochen, "i am in numbers" ist stilisierte schlenderei und "grizzly hugging" eine spenstige zauberei mit banjoplucking, harmoniegesang und getriebener gitarre nebst perkussionseinschlägen.

mehr: http://dasklienicum.blogspot.com/2011/08/talking-to-turtles-oh-good-life-2011.html

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