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  • Die Welt ist eine Scheibe

    22. Dez. 2012, 15:23

    Ein auf Eis gelegtes Medium erlebt seinen zweiten Frühling

    Die Welt ist eine Scheibe

    Der Zustand der Musikindustrie gleicht einem Scherbenbild. Zerbrochene CD-Hüllen, zerkratzte und zersplitterte CDs liegen regungslos am Wegrand. Wohin der Weg führt weiß keiner. Mp3 Dateien tönen friedlich durch die Lüfte. Weiter abseits dieses Weges liegt ein Friedhof. Auf diesem Friedhof steigt eine Party. Eine Retro-Party. Totgesagte leben bekanntlich länger. Ca. 20 Jahre ist es her, da wurde sie für tot erklärt, die Produktion großteils eingestellt. Ich spreche von der Schallplatte.

    Während die CD-Verkaufszahlen kontinuierlich sinken feiert dieses lange totgeglaubte Medium sein Comeback. In Deutschland wurden 2011 so viele Platten verkauft, wie seit über 17 Jahren nicht mehr. Und laut Marktforschungsunternehmen Nielsen stiegen die Verkäufe 2012 in den USA um 16,3% auf 4,7 Millionen Platten und damit zum sechsten Mal in Folge. Doch woran liegt das?

    Haptisches Erlebnis

    Der Leiter der Popakademie Baden-Württemberg, Hubert Wandjo, sprach im Focus von einem zunehmenden Überdruss am Digitalen. "Viele Menschen haben wieder mehr Freude am haptischen Erlebnis, also an Dingen, die sie anfassen und wirklich besitzen können". Dieses Erlebnis ist im Downloadzeitalter verloren gegangen. Dem Gang zum Musikgeschäft und zurück, voller Vorfreude das Album in Händen zu halten und zu Hause endlich entpacken zu können, stehen ein paar mickrige Klicks im Internet gegenüber.

    Auch ein CD-Kauf mag schön sein, jedoch bietet hier die Schallplatte eindeutige Vorteile. Es fühlt sich an als hätte man mehr gekauft, man bekäme mehr für sein Geld. Denn der Unterschied zur CD ist spür- und greifbar. Ein Schallplattencover ist mehr als doppelt so groß wie ein CD-Cover, was dem Cover-Artwork mehr Bedeutung verleiht. Der Unterschied fällt besonders bei imposanten Covern wie London Calling von The Clash oder Daydream Nation von Sonic Youth ins Gewicht. Andere Cover wie Sgt.Peppers Lonely Heartsclubband von den Beatles sind etwas Spezielles und wären als CD Cover so nie designt worden, man könnte schlicht die Gesichter nicht richtig deutlich genug erkennen.

    Bewusstes Musikhören

    Natürlich ist die CD kleiner und daher praktischer zu handhaben, man solle aber ohnehin in unserer fortgeschrittenen Gesellschaft in der alles schneller und praktischer ablaufen muss, Musik als ein bewusstes Hören und Erleben praktizieren, nicht nebenbei im Auto hören und schon gar nicht nebenbei “Nasenbohrn oder Sudoku machen”, bringt es Herr Professor Rosner in seiner typischen Art auf den Punkt.
    Zu diesem bewussten Erleben der Musik gehört auch die „Auflegezeremonie“ der Schallplatte. Während bei der CD simpel auf Knöpfe gedrückt wird, welche dann die Arbeit erledigen, ist der Ablauf bei der Schallplatte manueller. Sie wird vorsichtig aus der Hülle gezogen, die Seite identifiziert, sachte aufgelegt, der grazile Tonarm langsam an die richtige Stelle geschwenkt, die filigrane Abtastnadel vorsichtig in die Einlaufrille abgesenkt. Und dann wird aufgeregt erwartet wann die Musik einsetzt.

    Klang

    Und die Musik, die dann aus den Boxen schallt und einen freudigen Seufzer auslöst, klingt, ein guter Plattenspieler vorrausgesetzt, wärmer und weicher als die einer CD. Die CD hat eine „kalte Präzision“, ist „frontal“ und „klescht“, meint „Onkel Poldi“ Rosner. Der Grund: Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Wiedergabe. Während digital (CD) lediglich punktuelle Samplings einer Frequenzwelle aufnimmt, bietet analog (Schallplatte) die gesamte ununterbrochene Wiedergabe der Frequenz. Hierauf fußen die Streitereien unter den Audiophilen. Eine CD klingt in der Regel klar, eine Schallplatte jedoch voller und wärmer. Was wiederum die Frage aufwirft, warum, neben dem Aspekt der schlechteren Handhabbarkeit, die Produktion der Schallplatte zurückgeschraubt worden war. Mit dem technischen Fortschritt sei die Weichheit im Klang verloren gegangen, meint Herr Prof. Rosner und meinen viele andere auch.

    Geldmacherei

    Die Art wie mit diesem technischem Fortschritt umgegangen wurde, sei pure Geldmacherei gewesen, findet er, meines Erachtens nach richtigerweise. Man hat die Schallplatte auszurotten versucht, Anfang der 90er den Tod der Schallplatte ausgerufen. Die Einsicht, dass dies ein kapitaler kapitalistischer Schnellschuss war kommt spät. Heute stehen sogar in einer der größten Elektronikhandelsketten Österreichs wieder Schallplatten. Spezialisierte kleine Geschäfte wie Recordbag, Substance und Rave Up Records verzeichnen steigende Umsätze. Und es werden täglich neue gepresst.

    Zukunftsmusik

    Die Situation lässt sich sehr gut mit der der E-Books und Bücher vergleichen. Während der technische Fortschritt weiter und weiter vorangeht werden Schallplatten, genauso wie Bücher nie aussterben, zu groß ist die Kraft der Musikliebhaber und die der DJs, die das Medium über die 90er-Jahre hinweg erhalten haben, bzw. der Leser, die beim Lesen noch das Papier zwischen den Fingern spüren wollen.

    Ein erfolgreiches Verkaufsmodell, das beweist, dass man trotzdem die Zeichen der Zeit erkannt hat, sind Schallplatten mit beigelegtem Coupon zum kostenlosen digitalen Download in der höchsten Mp3-Qualität oder auch im FLAC-Format (Free Lossless Audio Codec). Dieses Modell hat langfristig gesehen sicherlich große Überlebenschancen. Doch kann man das von der CD behaupten? Viele Fragen brennen auf der Zunge. Wie werden sich Streamingdienste wie Spotify entwickeln? Und wie sieht im Allgemeinen das Musikhören, -kaufen und -erleben der Zukunft aus?

    Vor rund 50 Jahren bekam unser Musikprofessor seine erste Schallplatte, Klavierkonzert #1 in B-Moll von P.I.Tschaikovski. Diese funktioniere immer noch, erzählt er stolz. Wohin der anfangs beschriebene Weg der Industrie auch führt, eine Nachfrage wird es immer geben. Denn Schallplatten sind unsterblich, todesstill wird es um sie nie.
  • Ein Interview mit The Sleep Twitch

    19. Mai. 2012, 11:30

    Ein Interview mit The Sleep Twitch
    Alexander Hoffmann (Sänger/Gitarrist) und Thomas Böck (Bassist) der Band The Sleep Twitch maturierten 2011 an unserer Schule. Die beiden standen dem Albert Rede und Antwort.

    (Auf den Stiegen sitzen - Bild von fb-seite)


    Der Albert: Euer Album “Behind Your Back” kam im April 2011 heraus, hat es sich zufriedenstellend verkauft? Und was sind eure schönsten Erinnerungen an die Zeit?


    Thomas: Grundsätzlich verkauft sich ein Album in Österreich niemals zufriedenstellend. Das Schönste war die CD-Präsentation im B72. Es war mit Abstand der stimmungsvollste Auftritt. Sowohl auf der Bühne als auch unten war es ein anderes Spielgefühl als gewohnt, es war sehr energetisch. Ansonsten waren die beiden Videodrehs sehr schön.

    Was war das Kurioseste, das euch bei euren Auftritten passiert ist?

    Alex: Viel Kurioses gab es nicht. Als wir am Stadtfest unser letztes Lied “Behind Your Back” spielen wollten, meinten die Veranstalter uns gegenüber “Nein. Ihr dürft nicht mehr. Ihr seit über der Zeit”, was überhaupt nicht stimmte, und wir wurden abgebrochen... aber so ist das Leben (lacht)

    Welche Location ist euch als Lieblingslocation in Erinnerung geblieben?

    Thomas: Aufgrund der Professionalität und der Größe vom Saal usw. War die Szene Wien sehr aufregend.

    Alex: Wobei ich fast sagen würde, dass mir das B72 besser gefällt, weil einfach diese Kleinclubatmosphäre doch sehr imposant war, dadurch dass sehr viele Leute da waren.

    Thomas: Open Air am Stadtfest zu spielen war natürlich auch eine tolle Erfahrung.

    Ihr hattet viel Zeit neue Lieder zu schreiben, sie wurden auch immer wieder bei neulichen Auftritten präsentiert. Wie geht ihr an das Liederschreiben heran? Hat sich etwas gegenüber dem ersten Album im Songwriting-Prozess geändert?


    Thomas: Wir haben mehr als Band gearbeitet. Es gibt weniger reine “Mastermind-Songs”, welche gänzlich aus der Feder von Alex stammen, als früher.

    Alex: Ich möchte natürlich immer meine Vorstellungen von einem Song zu 100 Prozent umsetzen. Bei den neuen Songs hat sich aber auch unser zweiter Gitarrist Julian verstärkt eingebracht, und es kommen auch immer wieder Anregungen von Drummer Raphi und Bassist Thomas, die wir dann in die Songs einfließen lassen.

    Welche Einflüsse haben die neuen Lieder geprägt? Inwiefern unterscheiden sie sich von den bisherigen?

    Alex: Bei den neuen Songs haben viel mehr verschiedene Bands als Einflüsse fungiert. Früher habe ich mir sehr viel von den Red Hot Chili Peppers und den Beatles abgeschaut, jetzt, glaube ich, hört man auch Einflüsse von den Editors, The National, oder auch von ein bisschen rockigeren Bands wie Pearl Jam. Generell sind die neuen Songs, Hand in Hand mit den Texten, etwas wehmütiger geworden.

    Welche Bands und Musiker hört ihr privat; auch welche die sich nicht oder nur kaum in eurem Sound niederschlagen?


    Alex: Ich und Thomas haben in etwa den gleichen Musikgeschmack. Ich bin ein Riesen-Beatles-Fan. Über die Beatles geht meiner Meinung nach nichts. Sonst bin ich ein großer Editors-Fan The National-Fan und die ganzen typischen Indie-Bands wie die Strokes, Arctic Monkeys, Arcade Fire höre ich auch. Was mir auch sehr taugt sind klassische Stücke. Das können wir, als Gitarren-Band, natürlich nicht so ‘rüberbringen.

    Thomas: Ich höre sonst ziemlich viel Jazz, auch recht viel Soul, Funk und auch Rap-Musik. Es gibt wenig, was ich nicht mag… … außer Speed-Metal (lacht).

    Hast du in deinen Texten eine Veränderung gemerkt?


    Alex: Früher habe ich viel mehr Klischee/Moral –Texte geschrieben, weil ich damals als Jugendlicher nicht so weit war, mich für die emotionalen Dinge nicht so interessiert habe. Jetzt schreibe ich wehmütigere, nachdenklichere, ehrlichere und persönlichere Texte.

    Was sind eure Lieblingslieder, nur auf die Texte bezogen?

    Alex: Bob Dylan ist wirklich ein Meister seines Fachs. Jeder Text von ihm ist, meiner Meinung nach, eine Klasse über allen anderen.

    Thomas: Ich habe Frank Turner textlich sehr gern, weil er sehr ehrlich und direkt ist und obwohl er sehr direkt formuliert das Ganze lyrisch sehr schön macht. Ein gutes Beispiel ist das Lied “Better Half”. Ansonsten finde ich das neue Album von John Frusciante textlich sehr cool.

    Ihr habt jetzt schon recht viel erreicht, hat euch Herr Prof. Rosner inspiriert, geholfen euren Weg zu gehen, Tipps gegeben?


    Alex: Herr Prof. Rosner kannte unsere Musik natürlich nicht so im Detail. Aber was ich an ihm sehr schätze ist, dass er ein Musiker ist, der die Musik wirklich fühlt und dass ihm die Musik einfach eine irrsinnige Freude macht. Das macht ihn für mich einfach sehr sympathisch.

    Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus, wann wird man bezüglich Konzerten und dem 2. Album wieder von euch hören und wollt ihr den Lesern sonst noch etwas mitteilen?

    Alex: Derzeit geistert das neue Album natürlich ständig in unseren Köpfen und wir tun alles, damit es so gut wird, wie es nur geht – aber auch in Punkto Livegigs stehen wir nicht auf der Stelle und sind schon wieder am Planen. Am leichtesten nachverfolgbar ist alles über unsere Facebook-Seite, wenn man ganz besonders tagesaktuell bleiben will. Ansonsten bleibt nicht viel zu sagen, außer: Unsere beiden Videos findet ihr auf Youtube, und falls sie Anklang finden, schaut bei einem Konzert vorbei, wir freuen uns über jeden Zuhörer!
  • Seen live

    28. Mär. 2011, 17:13