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  • The Mutants - Ulenspiegel in Gießen, 14. April 2010

    15. Apr. 2010, 9:17

    Steht in einer Konzertankündigung „Einlass 20.30 Uhr, Beginn 21 Uhr“ ist klar, dass sich das alles nach hinten verschiebt. Trotzdem machte ich mich so auf den Weg, dass ich gegen 20.45 Uhr dort sein würde, da der Ulenspiegel eine gemütliche Kneipe und der Geschäftsführer ein alter Kumpel aus Jugendzentrums-Tagen von mir ist. Der Ulenspiegel ist ein Unikum in Gießen. In einer Hintergasse hinter der farblosen Fußgängerzone wirkt er wie ein Fremdkörper. Er ist dem Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges entkommen, drumherum lag aber alles in Trümmern und wurde mit typischer 50/60-Zweckdienlichkeit wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist eine der farblosesten Fußgängerzonen Hessens, an deren Beginn das legendäre „Elefantenklo“ steht, eine nüchterne Fußgängerbrücke über einen Verkehrsknotenpunkt mit großen Löchern in der Mitte. Ausgerechnet das wollte man schon mehrfach abreißen, was am Widerstand der Gießener Bevölkerung scheiterte, die zumindest das einzig besondere dieser Fußgängerzone erhalten wollte, was aber nur am Namen liegt.

    Keine drei Minuten Fußweg von dem „Elefantenklo“ geht von der nüchternen Fußgängerzone ein kleines unscheinbares Gässchen ab, und plötzlich ist man in einer anderen Welt. Ein verwinkeltes Gässchen, Fachwerk, Biertische und Fotos eines Fotostudios in den Schaufenstern lassen einen gleich sich wohlfühlen. Zum Ulenspiegel geht es dann ein kleines Treppchen nach unten in einen Gewölbekeller, und hier muss irgendwann die Zeit stehengeblieben sein. Steinfußboden, alte Kneipenmöbel, alte Bilder an den Wänden und eine riesengroße Registrierkasse auf der Theke, die gut und gerne 100 Jahre alt ist. Kurzum: Man fühlt sich gleich wohl.

    Nur: Außer der Bedienung, die Gläser spülte und der Band, die sich mit ihren Pizzakartons beschäftigte, war niemand zu sehen. Der Veranstaltungsraum selber war noch geschlossen, die Theke steht nämlich im kleinen Vorraum des Ulenspiegels. Mein Kumpel war auch noch nicht da, so nahm ich erst mal ein alkoholfreies Getränk an der Theke zur Einstimmung und wartete ab. Mein Kumpel freute sich dann, dass ich tatsächlich gekommen war, musste sich aber der Theke im Veranstaltungsraum widmen. Dieser ist das eigentlich besondere des Ulenspiegels. Ein Gewölbe-Rundkeller mit kleiner Bühne, die Steinwände sind blutrot gestrichen, eine Diskokugel verbreitet 70er-Charme, alles in allem ist das Retro-Feeling Programm.
    Aber: Ich saß auch um 21.15 Uhr noch alleine dort (ich war inzwischen zum Pils übergegangen). Als immerhin das Verhältnis Besucher-Band 1-zu-1 war, fingen The Mutants auch an, was dann auch noch 3-4 andere Leute in den Raum lockte, also 10 Besucher dürften es dann doch gewesen sein. Aber auch die können ziemlichen Lärm machen.

    The Mutants: Junge Finnen, die auf Instrumenten, die vom Alter her durchaus ihre Eltern sein konnten, eine rein instrumentale Mischung aus Surf, Punk, Rock’n’Roll und 70-Psychedelic-Jam-Rock spielten. Es gab noch nicht mal ein Mikrophon für die Ansagen, was nicht hieß, dass sie nicht kommunizierten, sie riefen einfach in gebrochenem Deutsch in den Raum. Es war ja sowieso eine sehr persönliche und fast familiäre Atmosphäre. Der Charme, den sie versprühten, war durchaus finnisch: verschroben, aber sympathisch. Manchmal kam eine 60ies-Quietsch-Orgel zum Einsatz, der Sound war generell härter, temporeich und trotz des fehlenden Gesanges sehr abwechslungsreich. Der Applaus klang jedenfalls nach wesentlich mehr Leuten als dem anwesenden Dutzend (jubelndes Personal mitgerechnet). So wurde sogar noch eine Zugabe erklatscht, und auch nach dieser gab es noch lange anhaltenden Applaus, als die Band sich schon längst Richtung Theke bewegt hatte.

    Fazit: Ein unterhaltsamer Abend, der auf jeden Fall mehr Besucher verdient hätte.
    http://koti.mbnet.fi/mutants/
    http://www.youtube.com/watch?v=vjXCukZiwnI - hier iss mehr los
    http://www.myspace.com/themutants
  • Jello Biafra goes Underground (Köln, 3. September 2009)

    4. Sep. 2009, 10:34

    Es gibt Berufe, die möchte man nicht ausüben. Stage-Security-Guard bei Jello Biafra zum Beispiel. Aber dazu später mehr.

    Also irgendwie hatte ich den Eindruck, dass eine Dunkle Macht am wirken war, die verhindern wollte, dass ich Jello Biafra live erleben kann. Um Frankfurt machte er (außer dem Frankfurter Flughafen) einen großen Bogen, die nächste Möglichkeit war das Konzert in Köln. Naja, … 200 Kilometer, … eigentlich noch zu bewältigen, die Karte wurde bestellt. Zum Glück schaute ich einen Tag vorher noch mal auf die Veranstalter-Page, denn das Konzert wurde von der „Live Music Hall“ ins „Underground“ verlegt, was aber nur um die Ecke und sogar näher an der S-Bahn-Haltestelle war. Da waren die Dunklen Mächte etwas nachlässig, das hätte man besser verstecken können.

    Prompt fing mein Auto an zu Zicken. Vor vier Wochen das Radlager, dann eine kaputte Schiebedachdichtung mit mehreren Litern Wassereintritt, schließlich blinkten Warnlampen auf, ohne dass ein Fehler gefunden wurde, dann ging der Scheibenwischer nicht mehr aus, seit letzter Woche ging er nur noch auf schnellster Stufe, sonst gar nicht mehr. Trotzdem, ich ließ mich nicht beirren und fuhr los. Bis zur Grenze nach NRW war ja noch alles OK, doch 5 Kilometer hinter dem Schild „Herzlich Willkommen in NRW“ fing es an leicht zu regnen. Der Scheibenwischer raste auf höchster Stufe, und in dem Moment, als es heftig zu schütten begann, mitten im engen Baustellenbereich, um mich herum schwere LKW: Da fiel der Scheibenwischer komplett aus. Sicht Null. Kein Standstreifen. Ob schwerer Verkehrsunfall oder Herzinfarkt, aber wie ich lebend aus dieser Nummer rausgekommen bin, ist mir jetzt noch ein Rätsel. Die dunklen Mächte gaben sich alle Mühe, mit noch mehreren Regengüssen und Baustellen meine Fahrt nach Köln zu verhindern, trotzdem kam ich einigermaßen zeitig am gebuchten Hotel an.

    Ich wollte erst mal was futtern und machte mich gleich auf den Weg zur S-Bahn-Haltestelle. Im Portemonnaie aber nur 50-€-Scheine und kein Kleingeld und keine Möglichkeit zum Wechseln in Sicht. Sch… -egal, Ihr Dunklen Mächte, ihr könnt mich mal, ich ließ es drauf ankommen und stieg ein. An der Umsteigstation konnte ich Geld wechseln, was der Automat aber nicht nahm; Mensch Meier, was soll‘s, schließlich will ich auf ein Punkkonzert und stieg wieder ein. Aber kontrolliert wurde ich nicht, ich stieg aus der S-Bahn, dass „Underground“ schon in Sichtweite … , da bemerkte ich, meine Konzertkarte war noch im Hotel *grummelgrummelgrummel*. (Ich glaube seit gestern ganz fest an die Existenz von Dunklen Mächten).

    Jetzt mach ich es kurz: Karte holen klappte problemlos, zum Glück hatte ich sie mit nach Köln genommen.

    Das „Underground“. Der Name passt. Alte Industrie/Gewerbelagerhallen, übersät mit Grafitti. Punks, Lederjackenfreaks und junge Männer mit „Herr-Meve-Kappe“, jawoll, da fühlte ich mich wohl.
    Der Saal war nicht sehr groß, die Bühne an der Längsseite, was nicht gerade günstige Bedingungen sind, aber ich sicherte mir einen leicht erhöhten Platz vor dem Mischpult und wartete auf die Vorband.

    Denen habe ich ja Unrecht getan.
    "brauch man glaube ich nicht anzuhören, geschweige denn morgen anschauen"
    hatte ich über „Tendencia“ gesagt. Nun, ich gebe zu, überhaupt nicht meine Musik. Aber sie haben mir einfach richtig Spaß gemacht.
    Death/Trash-Metal mit Latin-Percussion, sind ja schließlich Cubaner. Haben mit einer technischen Perfektion synchron auf ihre Instrumente eingedroschen und dabei mit ihren langen Haaren den Boden gefegt, dass es einfach Spaß gemacht hat, zuzuschauen. Sympathisch waren sie, hatten Sinn für Humor (Death-Metal Version von „Guantatamera“, das Cuba-Klischee dabei durch den Kakao ziehend) und machten politisch korrekte Ansagen über die Gleichheit der Menschen, egal ob Mann oder Frau, Schwarz oder Weiß, Arm oder Reich – man war ja schließlich Support von Jello Biafra.
    Mit sehr wohlwollenden Applaus (auch von mir) wurden sie in die Garderobe verabschiedet.

    War der Platz vor der Bühne bei „Tendencia“ noch eher luftig, wurde es nun immer enger, gedrängter und stickiger. Was mir aber von meinem leicht erhöhten Platz vor dem Mischpult nichts ausmachte, ich hatte beste Sicht und dort auch sicher den besten Sound, als Jello Biafra mit Band die Bühne betrat. Trockener, brettharter Punkrock, der die Menge im Saal in ein Gewusel verwandelte. Die ersten Stage-Diver enterten die Bühne, wurden sofort von den kahlrasierten Stage-Security-Guards wieder in die Menge befördert, was eigentlich gar nicht nötig war, meistens waren diese mit einem Köpper vorher von selber in die Menge eingetaucht. Wenn es sich ergab, schubste Jello die Leute auch selber von der Bühne, aber noch war es im Rahmen. Bis zu „California Über Alles“. Das Gewusel wechselte in den Schleudergang, die Menge rastete völlig aus, sang mit, pogte, stage-divte, die ersten Körper wurden über den Köpfen auf den Händen getragen durch den Saal gereicht – und Jello Biafra (ich tipp mal auf mindestens 120 Kilo) nahm Anlauf und köppte selbst in die Menge. Ich glaub in diesem Moment haben die Stage-Security-Guards ihren Job verflucht, hypernervös waren sie bemüht, Biafra wieder auf die Bühne zu hieven. Ob sie da allerdings eher um Biafras Gesundheit besorgt waren oder aufgrund der deutlich sichtbaren Wampe von Biafra um ihre eigenen Bandscheiben, kann ich nicht sagen.
    Das Programm waren hauptsächlich Stücke seiner neuen Band „Guantanamo School Of Medicine“. Punkrock im Stil der Dead Kennedys, wie immer mit politischem Anspruch. Zeitweilig hatte man den Eindruck, nicht auf einem Punkkonzert, sondern im Sozialkundeunterricht zu sein. Biafra dozierte über die Schlechtigkeit der amerikanischen und vor allem der schwarzenegger-kalifornischen Politik, forderte die Freilassung aller Drogen-User, aber die Inhaftierung der Guantanoma- und Abu-Gharaib-Folterer. „We shouldn’t close Guantanamo, we should leave Guantananmo, it’s not our country“. Doch auch wenn die neuen Stücke durchaus einen hohen Wiedererkennungswert besitzen, so richtig getobt hat die Menge hauptsächlich bei den Dead Kennedys-Klassikern: California Über Alles, Police Truck, Lynch The Landlord und als Zugabe natürlich “Holiday In Cambodia”. Was in diesem Moment abging, lies unsere Security-Guard-Bademeister wahrscheinlich über Kündigung nachdenken. Soviel Leute konnte man gar nicht von der Bühne schubsen, die hinauf kletterten und gleich wieder mit einem Köpper oder auf den Händen im Saal schwimmend in die Menge eintauchten. Auch Jello Biafra hatte nochmal Bock auf ein Bad, nahm Anlauf, und wurde wirklich bis hinten hin durch den Saal getragen, dabei immer noch singend. Die Menge tobte und hatte vor Freude leuchtende Augen, und endlich konnten sich auch die Bademeister das Grinsen nicht mehr verkneifen. Auch wenn ich das Ganze von meinem leicht erhöhten Logenplatz nur beobachtete, aber Pogotänzern und Stagedivern muß man einfach ein hohes Maß an sozialer Verantwortung bescheinigen, sie sind wirklich sehr darauf bedacht, dass keinem was passiert.
    Schade, auch das hammergeilste Konzert geht mal zu Ende, obwohl ich fast nur stand war ich naßgeschwitzt, aber zufrieden und froh, dass ich die Dunklen Mächte besiegt hatte und das Konzert erleben durfte.

    Heute morgen dann die Heimfahrt. Sonnenschein, Slim Cessnas Auto Club im CD-Player (jene fabelhafte Band, die ich im April live sah und die auf dem Jello-Biafra-Label „Alternative Tentacles“ veröffentlichen) und gut gelaunt, als auf einmal „krck“ … (sie kennen das Geräusch aus der Werbung) ein Steinschlag meiner Frontscheibe einen deutlich sichtbaren Schaden zufügt. Naja, noch ist die Scheibe nicht komplett hinüber, ich konnte noch problemlos weiterfahren.

    Aber die Dunklen Mächte wollten mir nochmal „Tschüß“ sagen.
  • People Have The Power - Patti Smith, 20. Juli in der Jahrhunderthalle Frankfurt

    21. Jul. 2009, 13:40

    Es gibt Künstler, da wartet man ein ganzes Leben darauf, sie endlich live zu sehen. Patti Smith ist eine meiner absoluten Heroinnen (wass’n Wort), da sie für ihr einziges Konzert ausgerechnet nach Frankfurt kam, war es Pflicht, dort hinzufahren. Etwas verwundert verfolgte man dann die Shoutbox-Einträge auf lastfm, da es einigen zu teuer war, dort hinzugehen. Ein Nutzer brachte es kurz auf den Punkt: „das ist fuckin patti smith und wahrscheinlich eine der letzten chancen, sie live zu sehen. also: hingehen. lohnt sich.“ Recht hatte er.

    Wir fuhren rechtzeitig los, auf der A5 kann ja immer mal Stau sein. War es aber nicht, so kamen wir viel zu früh auf dem noch ziemlich leeren Parkplatz an. Trotzdem hatten sich vor der Halle in der Sonne liegend schon einige bunte Gestalten zusammen gefunden. Da sonnten sich Hippies und Blumenkinder, entweder bunt oder ganz in schwarz angezogen in der Sonne. Beim genauen Hinblicken war allerdings etwas anders: Die Blumenkinder waren keine Kinder mehr, sondern konnten durchaus das Großeltern-Alter erreicht haben, die langen Haare waren grau (ich gebe zu, rein rechnerisch und bedingt durch beginnende Ergrauung könnte ich auch dazu zählen). An den Gesprächen konnte man entnehmen, dass sie am Wochenende auf dem Burg-Herzberg-Hippiefestival waren, der Zustand der Klamotten und Haare ließ vermuten, dass sie seitdem auch noch nicht zuhause waren, sondern einfach von Nordhessen nach Frankfurt gekommen sind. Richtige Hippies eben. Aber solch eine Ansammlung von skurrilen Freaks habe ich schon lange nicht mehr gesehen. (Am Wochenende konnte ich ja nicht nach Burg Herzberg fahren, da ich Dienst hatte, aber da gibt es ja noch viel mehr davon).

    Für solch eine Großveranstaltung ungewöhnlich: Absolut keine Security, eher lasche Kartenkontrollen. Wir hatten Spitzenplätze in der sechsten Reihe, durch die Platzkarten auch keinen Stress. Ich freute mich schon: Die Halle füllte sich, doch der Platz neben mir und vor mir blieb leer. Dann endlich ging das Licht aus, und dann passierte das, was in solchen Momenten immer passiert: Der Platz vor mir wurde von einem Lulatsch von 1.90 Meter besetzt. Der Platz neben mir blieb frei. Naja, ich konnte an dem Kerl vorbeischauen, wie noch im Dunkeln die Band die Bühne betrat:

    Lenny Kaye (Gitarre) und J. D. Daugherty (Drums) aus der Urbesetzung, Tony Shanahan (Bass) und ihr Sohn Jackson Smith (Gitarre). Und natürlich Patti, in Jeans, Schlabberhemd und ihrer Löwenfrisur. Noch bevor sie einen Ton gesagt oder gesungen hatte, machte sie klar, dass sie die Urmutter des Punk ist, indem sie erst mal einen dicken Placken auf die Bühne rotzte. Aber es war einer der Gänsehautmomente in dem Leben eines Menschen, der endlich seiner größten musikalischen Heldin ins Angesicht schauen darf. Für ihre 63 Jahre kam sie daher wie eine junge Frau, die schon viel zu viel erlebt hat. Komisches Paradoxon.
    Der Sound war klar, zum Glück nicht zu laut (nicht wie bei Grace Jones zuvor an gleichem Orte), die Stücke alle eher etwas getragener. Als endlich „Dancin‘ Barefoot“ kam, brach der Damm und die etwas verhaltene Stimmung, das Publikum stürmte nach vorne, tanzte, Patti schüttelte Hände, winkte und lachte ins Publikum, hielt die „Free-Tibet“-Flagge in die Luft - und rotzte zwischendurch auf die Bühne. Auch der Rest der Halle erhob sich von seinen Sesseln, man saß ja schließlich nicht zuhause vor der Glotze. Doch wer nun dachte, jetzt geht die Party los, hatte sich getäuscht, Patti fuhr mit einer (durchaus schönen) Ballade erst mal die Stimmung wieder einen Gang zurück, viele die standen, setzten sich wieder (auch ich). Natürlich bekam man auch die tranceartigen Beschwörungsstücke zu hören, die Patti das Etikett „die Schamanin des Rock“ einbrachten. Während die Band einen wie improvisiert wirkenden Jam spielte, rezitierte sie wie in Trance den dazugehörigen Text, nahm sich eine Klarinette und improvisierte schwebende Töne dazu.
    Später kamen noch „Because The Night“ , „People Have The Power" und "Gloria", immer wieder wurden Hände geschüttelt (und auf die Bühne gerotzt), sogar einen Blumenstrauß aus Sonnenblumen bekam sie gereicht.
    Doch der dramaturgische Höhepunkt war die letzte Zugabe „Rock’n’Roll Nigger“. Hier krachte es richtig, Patti ließ noch ein letztes Mal den Johnny-Rotten raushängen und rotze in hohem Bogen auf die Bühne, ließ sich eine Gitarre bringen, um den Krachsound zu verstärken und machte klar, Punk hat mit ihr begonnen. Danach war Schluss, unter frenetischem Jubel verabschiedete sie sich in die Nacht.

    Vielen Dank Patti, dass Du da warst.
  • Jimi Tenor + Kabu Kabu - Marburg, 10. Mai 2009 im KFZ

    12. Mai. 2009, 15:36

    Nachdem ich einen relativ stressfreien 24-Stunden-Dienst hinter mir hatte, haben wir uns dann doch kurzfristig entschieden, den Weg nach Marburg anzutreten, um das Konzert von Jimi Tenor mit Kabu Kabu zu besuchen. Den Weg zum KFZ kenne ich, da konnte also nix schief gehen.

    Dort angekommen war erst mal das gleiche Fiasko wie kurz zuvor bei Slim Cessna’s Auto Club im Marburger Café Trauma: Kaum Besucher, das Karten vorbestellen hätte man sich getrost sparen können. Im Raum selber wurde man vor dem Konzert mit Fela Kuti aus der Konserve beschallt. Leider war davon kaum was zu verstehen, weil direkt neben uns ein in einer Zeitschleife stehengebliebener langhaariger Alt-Hippie äußerst lautstark im wichtigem, ahnungsinhabendem Unterton mit seinem Nebenmann über 40 Jahre Rockgeschichte in deutschen Live-Clubs monologisierte. Das Gesagte richtete sich weniger an seinen Nebenmann, vielmehr sollten ALLE im Raum mitbekommen, welche Konzerterfahrungen ER hat, dass die ersten 4 Scheiben von King Crimson die wahren King Crimson-Scheiben sind und ER wahrscheinlich fast ALLE Live-Clubs in Deutschland kennt.

    Das KFZ hat einen typisch deutschen Streit mit seinen Nachbarn um die gesetzlich vorgeschriebene Nachtruhe (um 22 Uhr muss Ruhe sein), was bedeutet, dass wir auf den Konzertbeginn nicht lange warten mussten. Noch weit vor 20.30 Uhr sah man die Band aus der Kellergarderobe emporsteigen (übrigens der gleiche Weg wie zu den Besucherklos, so kann es dort passieren, dass man beim Austreten den auftretenden Künstlern begegnet). Da mangels Besucher der Raum per Vorhang halbiert wurde, suchten auch wir uns einen Platz vor dem Vorhang, freuten uns auf den Konzertbeginn, doch … oh nein: „… damals, als ICH 1974 John Mc Laughlin …“ . Die allwissende Quasselstrippe stand genau neben uns und war immer noch seinem bemüht zuhörend wirkenden Opfer das Ohr am Abkauen, genau darauf achtend, dass auch alle nebenstehenden Personen mitbekommen, was ER erlebt hat.

    Zu der nun folgenden Konzertkritik folgendes: Ich bin kein Jimi-Tenor-Experte. Freunde seiner Musik werden sagen: „Aber genau das ist es doch, was ihn ausmacht“. Ich schreibe diesen Bericht aber als das unwissende Kind, dass zum ersten Mal mit Jimi Tenor konfrontiert wird.

    Prinzipiell muss man sagen: sehr geiler und tanzbarer Afro-Jazz-Funk. Die dreiköpfige westafrikanische Drum- und Percussion-Section sorgte für den richtigen Groove, wobei der eine Percussionist auch hervorragend Trompete spielte. Zusammen mit dem Posaunisten sorgte er für das nötige Gebläse. Aber wer war diese merkwürdige Gestalt da in der Mitte? Längere Spaghettihaare, hässliche Hornbrille, ein gehäkelter bis zum Boden reichender mit blauen Pailletten besetzter Spaceumhang, merkwürdige Apparaturen bedienend, die Töne erzeugten und ein etwas der Welt entrückt wirkendes Verhalten, welches sich zu den bodenständigen Afrikanern zuweilen befremdlich verhielt. Das war Jimi Tenor. Musikalisch spielte er hervorragend Tenorsaxophon (und Querflöte), wie man es bei Afro-Funk erwartet. Doch auf seine Spielereien mit dem Umhänge-Synthesizer hätte ich verzichten können. Von Zeit zu Zeit warf er mit diesem Synthesizer schräge bis schrille Spaceklänge in das Geschehen ein, bei Solos klang das wie Jimi Hendrix auf LSD, wenn dieser statt Gitarre eben dieses Tastenspielzeug gehabt hätte. Das störte eher als dass es der Musik dienlich war. Ich weiß, ich weiß, dass macht Jimi Tenor aus und war seine Hommage an den großen Sun Ra. Doch ich gebe hier meinen subjektiven Bericht, und mich hat es halt gestört.

    Die Afrikaner, vor allem der Schlagzeuger, waren derweil sehr bemüht, Stimmung in das Publikum zu bringen. Diesen Job mussten sie übernehmen, denn Jimi Tenor scheint zu sehr in seiner eigenen Welt zu schweben. Bevor das Publikum in Stimmung gebracht werden sollte, hätten sie aber erst mal bei der eigenen Band anfangen sollen. Denn das Gesicht, was sowohl der Bassist als auch der Gitarrist machten, war an Bocklosigkeit und Lustlosigkeit kaum noch zu überbieten. Ich hab selten gelangweiltere Gesichter auf der Bühne gesehen als diese beiden. Musikalisch erste Sahne, was die zwei ablieferten, aber selbst bei seinen Solos wirkte der Gitarrist, als wäre er gerade am liebsten an jedem anderen Platz auf dieser Welt, nur nicht auf dieser Bühne. Man sah ihm die Seufzer regelrecht an; es wirkte, als ob er zur Strafe über irgendein Vergehen nun dieses Konzert spielen muss. Da konnten die Afrikaner noch so viel: „Do you feel alright?“ rufen, er hätte bestimmt nicht geantwortet.

    Trotzdem, die Musik war einfach klasse, die Stimmung zwar nicht ausgelassen, aber auch nicht unterkühlt und es machte Spaß. Das Konzert hat sich auf jeden Fall gelohnt, und wir können den Besuch im S!nkkasten (oder in einer anderen Location) durchaus empfehlen.
  • Slim Cessna's Auto Club, Marburg, 28. April 2009

    29. Apr. 2009, 22:14

    Slim Cessna’s Auto Club

    Nachdem ich meine Umgebung nun lange genug genervt hatte, ob jemand mitkommt, war der Termin des Slim Cessna’s Auto Club-Konzert in Marburg endlich da. Das ganze Nerven hatte nichts genutzt, ich musste alleine hin fahren. Eigentlich kenne ich mich ganz gut aus in Marburg, doch im Café Trauma war ich noch nie. „Schwierig zu finden“ warnte mich schon mein Arbeitskollege mrzipmann, „kein Problem“ sagte ich mir, „ich hab ja mein Straßenatlas“ .
    Ich fand sogar die richtige Autobahnabfahrt, aber … der Straßenatlas … Mist, der lag zuhause auf dem Schreibtisch. In dem Gewerbegebiet, in dem landete, war zwar ein riesiger Rummelplatz, aber von einem autonomen Kulturzentrum keine Spur. Das Gothic-Freak-Pärchen, welches ich nach dem Weg zum Café Trauma fragte, wusste immerhin, wo dieses vor seinem Umzug war, nämlich ganz woanders. Schon etwas entnervt fuhr ich hin und her, bis ich die rettende Lokalität entdeckte: einen Pizza-Lieferservice. Klar, natürlich wussten die, wo das Café Trauma ist, jede Menge Pizzen wurden dort bestimmt schon hin geliefert. Die Erklärung der Jungs liesen mich zumindest nicht an meinem Orientierungssinn zweifeln: Schwierig zu finden, den richtigen kleinen Feldweg vor der Autobahnauffahrt finden, aber Vorsicht, sonst ist man wieder auf der Autobahn. In der Tat, der Weg war klein und gewunden, man erwartete schon gar nichts mehr, doch auf einmal war ich auf einem brach liegenden Industriegelände, Graffitis und schräge Vögel ließen vermuten, man sei richtig. Vor dem größten Gebäude standen ein paar schräge Vögel vor einer Eingangstür, so dachte ich mir, das muss es sein. Zielstrebig nahm ich den Weg zur Eingangstür, durchaus bemerkend, dass die Gestalten mich etwas verwirrt ansahen. Fast wäre ich schon drin gewesen, als ich auf einmal sah: Hoppla, das ist ja die Band, wegen der ich hier bin. Da wollte ich doch tatsächlich den direkten Weg durch den Backstage-Eingang nehmen. Doch ein sehr freundlicher Mr. Slim Cessna wies mir dann doch den richtigen Weg.
    Das Café Trauma. Ein alternativ-autonomes Kulturzentrum in einer alten Industrieanlage, die wohl von engagierten jungen Menschen vor dem Abriss bewahrt wurde. Mehrere Gebäude, überall wuselten „ich-pass-mich-nicht-an“-Gestalten herum, aus einem Raum hörte man eine Sambatrommelgruppe üben, wahrscheinlich die Frauenselbsterfahrungsgruppe bei ihrer Probe für den Weltfrauentag. Der Name Café Trauma rührt wohl aus einer Zeit, als ehemalige Psychiatriepatienten sich zusammen schlossen, um gemeinsam mit linken Psychiatriekritikern ein Kulturzentrum aufzubauen. Das Engagement der Aktiven geht jedenfalls weit über das Organisieren von Konzerten hinaus, neben Kulturarbeit ist antifaschistische Politik ein Hauptschwerpunkt.
    Doch zurück zur Musik. Als erstes fiel auf: ganz mies besucht. Eigentlich ein Fiasko. Der Veranstaltungsraum war klein, was nichts nutzte, er war so gut wie leer. Fast pünktlich um 21.15 Uhr begann die Vorband. „The Former Cellmates“, 4 Männer in Flanell-Holzfällerhemden und Baseballkappen, die wirkten, als hätten sie Jahre im Knast gesessen, die jetzt zur Resozialisierung als Holzfäller in den kanadischen Wäldern arbeiteten, um schließlich zum Feierabend einen bodenständigen Punk’n’Roll zu spielen. Am auffallendsten war der Schlagzeuger. Mit Rauschebart, wuseliger Frisur und Wampe sah er aus, als hätte er als einziger nicht im Knast gesessen, sondern hätte solange die Hütte in den kanadischen Wäldern beheizt. Vielleicht war er aber auch nur der Bewährungshilfe-Sozialarbeiter des Restes der Band. Wie gesagt, die Mucke war bodenständig, so hätten Thin Lizzy als Punkband geklungen.
    Die zweite Vorband, die noch angekündigt war, fiel aus.
    Slim Cessna’s Auto Club.
    Tja, mir fehlen die Worte. Ein so intensives Konzert hatte ich bisher noch nicht gesehen.
    Fangen wir also mit den nüchternen Fakten an. Sechs Musiker, alle in schwarzen Jeans und schwarzen Hemden gekleidet, die beiden Sänger Slim Cessna und Jay Munly als einzige mit weißen Cowboy-Hüten. Eine Pedal-Steel-Guitar, die verfremdet durch diverse Effektgeräte wie ein Instrument aus der Hölle klang. Ein Drummer, gegen den Rufus Wainwright wie ein harter Macho wirkt, der aber einen unglaublichen Drive erzeugte. Der Gitarrist mit einem Schnauzbärtchen wie ein Kolonialwarenhändler aus dem Wilden Westen, auch sein Gitarrenspiel war nicht auf reinem Wohlklang festgelegt. Der Kontrabassist fiel eigentlich nicht auf.
    Die Musik kann man als Country aus der Hölle bezeichnen, gewürzt mit einer Prise Punk. OK, so was gab es schon. Doch die Art des Vortrages war es, welche faszinierte. Die beiden Sänger Slim Cessna und Jay Munly zelebrierten eine Messe, bei der man nicht sicher war, ob sie ihre Schäfchen für den Himmel oder die Hölle rekrutieren wollen. Auf das Aussehen von Jay Munly wies ich ja schon mal hin. Ein Gesicht, welches wie ein Totenkopf mit Haut aussieht, dazu eine Gestalt, gegen die ich wie ein Bodybuilder wirke. Eine tiefe Stimme, die wie eine Teufelsbeschwörung klingt. Doch die Art und Weise, wie diese beiden nicht nur über die Bühne, sondern auch immer wieder in direktem Kontakt mit dem Publikum - als ob sie es segnen wollten - durch den Saal tobten, kann man nicht anders als eine Messe bezeichnen. So kennt man es eigentlich nur von schwarzen Baptistengemeinden. Immer wieder reckten sie die Arme in die Luft wie Lobpreisungen, um sich im nächsten Moment voller Verzweiflung in Demutshaltung zwischen das Publikum fallen zu lassen und sich auf dem Boden zu wälzen. Dazu halt eben dieser Countrypunk. Unbeschreiblich. So etwas Intensives hatte ich noch nicht erlebt. Auch mich packte dieser Wahn, zusammen mit den wenigen anderen in diesem Saal flippte ich wild tanzend durch den Raum, man musste einfach mitmachen.
    Nach dem Konzert nutzte ich die Chance, am CD-Stand ein paar Takte mit der unnahbaren Erscheinung Jay Munly zu reden und ihm per Hand-Shake für das tolle Konzert zu danken; Munly bedankte sich im Gegenzug sehr höflich für den Besuch. Es waren ja nicht viele Besucher da, also freute sich die Band auf diesen Small-Talk. Ob er demnächst mit eigenem Programm zu uns reisen wird, konnte er mir allerdings noch nicht sagen. Doch dieser Gestalt, die ich vor ca. 4 Wochen per Zufall auf lastfm.de entdeckte, deren Aussehen mich so nachhaltig beeindruckte, nun auf einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, war durchaus beeindruckend. Ja, er sieht wirklich so aus, und er gibt sich durchaus höflich, aber unnahbar.
    Slim Cessna war allerdings alles andere als unnahbar. Als ich dem am Eingang stehenden Slim Cessna „good bye“ sagen wollte, packte dieser mich am Arm, umarmte mich herzlich und dankte für den Konzertbesuch.
    Nein, so etwas hat Herr Meve wirklich noch nicht erlebt.
  • Heliocentrics & Mulatu Astatke im Frankfurter Sinkkasten, 30.03.2009

    31. Mär. 2009, 19:46

    Eigentlich war es ja gar nicht so geplant, doch es sah kurzzeitig so aus, als ob aus einem einfachen Konzertabend doch ein Treffen der Kakaduianer wurde. Wie immer wurde vorher ein Tisch bestellt, was nötig war, denn im besagtem Klosterhof saß alles voll mit völlernden Bankern, die schnell noch ihre Prämie verfuttern mussten, bevor sie zähneknirschend auf diese wieder verzichten müssen.
    Lediglich in der Anzahl der bestellten Tischplätze hätte es ruhig bescheidener sein dürfen, denn neben einigen kurzfristigen Absagen kam auch die beunruhigende Nachricht, dass die Würzburg-Fraktion erst gegen acht Uhr eintreffen würde. Sollte letztendlich der Ampelmann doch nur ein Phantom sein? Was ist dann mit Herrn Zimmermann passiert, der gemeinsam mit unserem geheimnisvollen Gruppenmitglied anreisen wollte?
    So gaben sich das Hofmädchen, Herr Geyer und Herr Meve (diesmal mit olivfarbener Kappe) der klösterlichen Hausmannskost der Gaststätte hin. Herr Geyer hatte da etwas mit der sehr gehaltvollen Sahnesoße zu kämpfen und war froh, den Kampf letztendlich zu gewinnen.
    Herr Meve achtete diesmal darauf, seine Kappe nicht in der Lokalität zu vergessen, was nicht verhindern konnte, dass er doch noch mal zurück und unter die Eckbank klettern musste, da es diesmal das indische Halstuch war, was er zurücklies.
    Doch es war immer noch viel Zeit bis zum Konzertbeginn, also wechselte man noch mal die Lokalität und fand Platz in der altehrwürdigen Frankfurter Hauptwache. Inzwischen kam per Mobiltelefon die Nachricht, der Ampelmann und Herr Zimmermann hätten einen Parkplatz gefunden und seien auf dem Weg zur Hauptwache. Die Spannung stieg, galt es, ein weiteres Gruppenmitglied als eine reale Person zu verifizieren. Zuerst wurde Herr Zimmermann erblickt, ihm im Gefolge kam der Ampelmann, der sich als der sehr sympathische und gar nicht geheimnisvolle Herr Jochen Schreiner entpuppte, der sich sofort in der Runde wohl und hoffentlich gut angenommen fühlte.
    Schließlich ging es Richtung S!nkkasten, der schon gut gefüllt und kräftig mit groovendem Afro-Jazz aus der Konserve beschallt wurde. Auffallend war der hohe Anteil an Besuchern ostafrikanischer Herkunft, kam doch mit Mulatu Astatke (Äthiopien) einer der musikalischen Helden ihres Heimatlandes. Eine freudige Erwartung war den Gesichtern deutlich anzumerken.
    Doch es dauerte bis 21.30 Uhr, als schließlich die Heliocentrics die Bühne betraten. Die Heliocentrics sind eine relativ junge britische Funkjazz-Band, die einen psychedelischen Funk spielten, der vom Sound und vom Groove in drogenumnebelte Früh-70er-Jahre gepasst hätte. Ein Cellist mit mächtiger Rastafrisur und ein sonnenbebrillter schwarzer Gitarrist mit Eierwärmer auf dem Kopf (O-Ton Hofmädchen) gaben dem Ganzen die nötige optische Coolness. Hypnotische, eher lässige Funkgrooves untermalten Improvisationen, die weniger der Spieltechnik als der Absicht verpfichtet waren, die Zuhörer in einen transzendentalen Zustand zu versetzen.
    Eine kleine Enttäuschung war der großartig angekündigte Mulatu Astatke, der ab der zweiten Nummer zu der Band stieß. Sein Vibraphon ging völlig unter, hätte man nicht gesehen, dass er spielt, man hätte annehmen können, er ist gar nicht da. Dies lag weniger an der Abmischung als in der Natur dieses Instruments, dass von Astatke sehr weich gespielt wird. So waren seine Improvisationen keine Solos, sondern fügten sich nur in einen Gesamtklang hinein. Zuweilen spielte er gar nicht Vibraphon, sondern beschränkte sich auf Cowbell und gelegentliche Akkorde auf seinem E-Piano.
    Er (wie die gesamte Band) wurde trotzdem frenetisch gefeiert, dass Konzert gewann zum Schluss immer mehr an Tempo, das recht plötzlich beendet war und auch nur durch eine Zugabe verlängert wurde.
    Fazit: Gutes Konzert, aber man hatte vielleicht mehr erwartet.
    Da man nicht einfach so ohne würdigen Abschluss auseinander gehen wollte, suchte man noch nach einer Absacker-Kneipe, was in einem Dorf wie Frankfurt schwierig zu sein scheint, denn als das Lokal betreten wurde, bekam man ein etwas zerknirschtes „aber nur noch was ganz Kurzes, gelle!“ zu hören. Ein Glück, dass Herr Remigius und Herr Schumacher nicht in unserer Runde waren, die helle Empörung wäre vermutlich wieder aus Ihnen heraus gebrochen. Doch mit einem lächelnden „keine Sorge, wir wollen auch nur was Kurzes“ entspannte sich die Situation und die Bedienung, die dann mit der Bestellung („also, ihr bekommt 3 Bier und 2 Apfelschorle, oder“?) doch etwas überfordert war, denn Bier wollten nur noch Herr Zimmermann und Herr Geyer.
    So ging ein schöner Abend gemütlich zu Ende, ein weiteres Kakadu-Mitglied wird von nun an ungeduldig auf den nächsten Termin warten, wann man sich im realen Leben treffen könnte, denn wer einmal bei einem Treffen war, will immer wieder hin.
    Anzumerken wäre noch, dass der Herr Meve am Ende des Abends noch im Besitz sämtlicher ihm typischer Kleidungsstücke war.
  • 17 Hippies im Schlachthof Wiesbaden, 25. Februar 2009 oder: Wo ist Herr Meves Kappe?

    26. Feb. 2009, 21:23

    Gestern war wieder mal eines dieser Miniaturtreffen der Kakaduianer, außerhalb der Xinglichkeit, die da reales Leben heißt. Es waren Frau Köstler, das Hofmädchen und Herr Meve, die sich zu dem Konzert der 17 Hippies im Wiesbadener Schlachthof verabredet hatten. Vor dem Konzert galt es, in der Schlachthof-eigenen Kneipe schon mal einen Snack und eine Apfelsaft-Schorle zu sich zu nehmen. Mit verabredet war auch Herr Geyer, der leider unpässlich war und dem wir auf diesem Wege die allerbesten Genesungswünsche übersenden. Dafür war Herr Meve mit mrzipmann nebst Gemahlin aus der lastfm-Welt verabredet, den er aus irgendwelchen Gründen ebenfalls aus dem First Life kennt.
    Nun, beim Betreten der Kneipe war für Herrn Meve die Welt noch in Ordnung, trug er doch seine ihm festgewachsen wirkende Kappe. Von da an verdunkeln sich die Erinnerungen.
    Schon bald ging es in den benachbarten Konzertsaal, und die 17 Hippes (die eigentlich nur 13 waren) betraten die Bühne. Es folgten zweieinhalb unterhaltsame Stunden mit ausgelassenem Folkklezmercajunchansonjazzbalkanfolk, jeder der Musiker durfte mal nach vorne, sei es nun beim Gesang oder mit seiner Quetschkommode, Geige, Posaune oder was auch immer. Man erfuhr, dass auch Kontrabassisten vergessliche Menschen sind, vor allem wenn man im Schneesturm unterwegs ist und das in Südstaaten-Cajunclubs ein zwanghaft-autistischer Ablauf des Abends gewährleistet sein muss, sonst kommen die über 75-jährigen Standardtänzer aus dem Takt.
    Die zweieinhalb Stunden gingen schnell vorüber, immerhin wurde das Publikum mehrfach zum mitsingen aufgefordet, was aufgrund der hervorragenden Dirigentenleistung des Sängers und Gitarristen genau so hervorragend klappte. Das Publikum tobte, die Zugaben mussten nicht erkämpft werden, sondern ergaben sich von selbst, so hatten alle ihren Spass. Ob das für das Kleinkind, dass sich auf der Bühne mit überdimensionalen Lärmschutzkopfhörern auf einer Wolldecke räkelte, ebenfalls galt, kann ich allerdings nicht sagen.
    An der Garderobe dann der Schock: Herr Meve vermisste seine Kappe! Die Garderobiers fanden sie nicht, in der Kneipe war sie nicht, auch im Auto war sie nicht zu finden. So müssen Sie sich nun an ein anderes Antlitz des Herrn Meve gewöhnen, sollten Sie ihn außerhalb der Profilbildwelt sehen.

    Aber noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dieses wertvolle Stück wiederzuerlangen.