• Soulsavers, Depeche Mode - Bremen, AWD Dome.

    2. Nov. 2009, 2:03

    01.11.09 Soulsavers, Depeche Mode - Bremen, AWD Dome

    Ich war trotz sich anbahnender Erkältung, aber dank Medikamentencocktail letztlich doch bei Soulsavers und Depeche Mode in Bremen.

    Als wir eine Stunde vor Einlass ankamen, waren schon drei ziemlich lange Schlangen am AWD Dome. So viel hatte ich nicht erwartet, auch wenn ich im Vorfeld schon gelesen hatte, daß DM-Fans ähnlich fanatisch wie die ärzte-Fans seien. Zum Glück konnten wir uns kurz vor Einlass recht unauffällig in den bereits seit vermutlich weit vor unserer Ankunft abgetrennten vorderen Wartebereich mogeln. Wäre aber, wie sich später herausstellte, nicht nötig gewesen, da man noch bis ca. 19 Uhr in den vorderen Bereich kam. Leider gab es dafür keine Bändchen, sondern nur Stempel, was zum einen dazu führte, daß man mit dem Rausgehen warten musste, bis der Bereich voll war, weil erst dann Stempel ausgegeben wurden und außerdem die Anzahl der Menschen im vorderen Bereich nur geschätzt, aber nicht explizit abgezählt war. Das führte dann dazu, daß es da vorne während Depeche Mode ungewohnt voll war.

    Zuerst waren aber Soulsavers dran. Der Sänger klang ein bißchen wie Rod Stewart oder Joe Cocker. Damit ist auch schon das Interessanteste gesagt. Musikalisch war das ziemlich öde. Die Band kam nicht sehr gut an, hat einfach nicht zum Hauptact gepasst. Auch der Sound war ziemlich mies, zumindest das Schlagzeug habe ich immer mindestens zwei Mal gehört, weil es von der Rückwand der Halle zurück nach vorne schallte. Damit hatte sich der AWD Dome für alle Folgeveranstaltungen disqualifiziert - auch wenn es durchaus möglich ist, hier einen vernünftigen Sound hinzukriegen. Dazu kam aber noch das unmögliche Foyer, das ständig überlaufen war und die Tatsache, daß es im gesamten Gebäude nur einen Toilettenkomplex gibt, der natürlich gaaaanz hinten ist. Dazu dann die nicht vorhandenen Bändchen. Positiv war lediglich, daß es gefühlt 30 kleine Garderoben gab, die immer leerer wurden, je tiefer sie in der Halle positioniert waren und wo man größtenteils nicht anstehen musste - außer natürlich an denen im Foyer.

    Kurz nach 21 Uhr begannen dann Depeche Mode und ich kann absolut nichts Positives zu diesem Konzert sagen. Okay, die Stimmung war gut, mit dem Publikum hatten wir diesmal ausnahmsweise Glück. Auch die Setlist liest sich im Nachhinein ganz okay. Trotzdem: DM haben mich auf ganzer Linie enttäuscht. Der Sound war matschig, die Songs bestanden oft scheinbar aus einem einzigen Synthesizer-Anschlag, der während des Songverlaufs einfach nur die Tonlage änderte. Einzelne Anschläge waren nicht zu unterscheiden. Von Martin L. Gore's Gitarre habe ich meistens gar nichts mitgekriegt. Dave Gahan habe ich auch überhaupt nicht verstanden. Der Gesang war streckenweise ganz okay, von den oberhalligen Zwischenrufen kam gar nix an. Das hatte meiner Meinung nach aber wenig mit der Hallenakustik zu tun, bei der Masse an Fehlern muss das schon am Mischer oder der P.A. liegen. Mr. Gahan ging mir allerdings sowieso nach zwei Songs schon ziemlich auf den Sack. Wenn er keinen Bock hat, zu singen, dann soll er doch gefälligst aufhören, Musik zu machen und nicht andauernd das Publikum einbeziehen ohne zu merken, daß viele den Text gar nicht kennen bzw. ihn lieber von ihm hören wollen. Sein andauerndes "That's right!" während der Songs (auch nach gefühlt einer Hand voll eigens gesungenen Zeilen) hat auch tierisch genervt.
    Die Lightshow hat mich ebenso enttäuscht. Die projizierten Liveaufnahmen waren nicht synchron, die Beleuchtung war ein Witz. "Woohoo, schaut her, wir können unsere Traversen mit weißem Licht auf und ab fahren!" Wow, geil! Nicht. Die Animationen während einiger der Songs waren meist unpassend oder unglaublich langweilig bzw. amateurhaft. Lediglich das simple, aber geniale Video zu Enjoy the Silence hat mich diesbezüglich etwas milde gestimmt. Zusätzlich gab es einen Steg vor der Bühne. Wozu? Dave Gahan ist in den 90 Minuten, die wir gesehen haben, ganze drei Mal für nichtmal eine Minute darauf aufgetaucht. Ein reiner Platzverschwender. Noch vor den Zugaben sind wir gegangen, um den Zug zu kriegen. Seltene und zweifelhafte Ehre für Depeche Mode.
    Ansonsten: Tour of the Universe. Universe of what? Schrottism?! Über 70 EUR (zum Glück haben wir nicht so viel (aber immer noch genug) bezahlt) hat man hier wohl einzig und allein für den Namen - und das, wofür er früher vielleicht mal stand - gezahlt.
  • The Horrors, MUSE - Hamburg, Color Line Arena.

    29. Okt. 2009, 1:23

    28.10.09 The Horrors, Muse - Hamburg, Color Line Arena

    In der Hoffnung auf einen geschlossenen Wellenbrecher war ich bereits gegen 16:45 vor der Halle, um im Fall des Falles dann auch vorne rein zu kommen. Es war erstaunlich wenig los, vielleicht 100 bis 150 Leute waren erst da. Es wurden lange Zeit auch nicht viel mehr. Erst als gegen 17:40 ein paar Meter hinter den letzten Wartenden ein Gitter aufgestellt wurde, das unkontrolliertes Schieben von hinten verhindern sollte, wurde es mehr. Der Einlass verschob sich leider um mehr als eine halbe Stunde auf ca. 18:35, was ich gar nicht gut fand, da ich so wenig wie nötig anhatte.

    In der CoLinA musste ich feststellen, daß es gar keinen Wellenbrecher gab. Der Innenraum erschien mir ob des doch relativ weit in den Raum ragenden Bühnenaufbaus jedoch sowieso wesentlich kleiner als sonst. Der Aufbau erwarb insbesondere auch deshalb viel Aufsehen, weil er im Grunde aus drei mit Stoff behangenen Säulen bestand, die bis unter die Decke reichten. Davor stand das Equipment der Horrors, an dem bis kurz vor dem Auftritt noch eifrig gearbeitet wurde.
    In der Wartezeit habe ich mir meine erste gute Currywurst seit langer Zeit gekauft. Das Brötchen dazu war dann auch dringend nötig.

    The Horrors begannen bereits um 19:30. Ich kann nicht sagen, daß ich das schlecht fand, es war jedoch ungeheuer belanglos. Die einzelnen Elemente sagen mir in anderen Konstellationen zur Zeit sehr zu, in der Mischung der Horrors fand ich das aber nicht so gut. Immerhin vergingen ihre 35 Minuten ziemlich flott. Direkt im Anschluss gab es die CoLinA-typischen Sicherheitsanweisungen. Ich liebe die Color Line Arena, habe ich das schonmal erwähnt?

    Als ich danach durch den Innenraum gegangen bin, habe ich festgestellt, daß dieser gerade mal zu zwei Dritteln gefüllt war, ein Wellenbrecher war hier also unnötig. Wenig später ist mir dann auch aufgefallen, daß der zweite Rang komplett abgehangen war. Ich bin gespannt, ob das in der Kölnarena auch so sein wird.

    5 Minuten vor MUSE-Beginn war es mir dann ein leichtes, einen guten Platz in einer der locker gestellten vorderen Reihen einzunehmen. Ich sollte sehr bald merken, warum das so einfach war. Aber erst mal zu Muse. Ich hatte wegen der hohen Säulen alles mögliche vermutet, was das Erscheinen und die Positionierung der Bandmitglieder anging. Dazu kam, daß ein paar Meter vor zwei der Säulen Mikrofone standen, während von einem Schlagzeug nirgendwo was zu sehen war.
    Das Intro erstreckte sich eeewig lang, auf die Vorhänge wurden derweil Animationen projiziert. Während dem Intro zu Uprising fielen die Vorhänge und bei mir machte sich großes Erstaunen breit, denn die drei Säulen waren zu riesigen LED-Säulen geworden, in deren Mitte jeweils einer der drei Herren stand bzw. saß. Über den Köpfen und unter den Füßen gab es jeweils einen auf allen vier Seiten mit unterschiedlichen Kamera- und Animationsbildern bespielten Videowürfel. Vermutlich um die Vorhänge gerade fallen zu lassen, waren um die drei Bandmitglieder grobmaschige Käfiggitter gezogen. Matt hatte derweil eine abgefahrene Brille auf, mit der er Laserstrahlen durch die Luft schicken konnte. Vielleicht hat sich das auch nur gespiegelt, ich weiß es nicht. Ich weiß sowieso gar nicht, wie man das alles am besten beschreiben soll, eigentlich muss man das selbst gesehen haben.

    Ich wusste dann auch nicht so richtig, wo ich hingucken soll. Während ich zu Beginn von New Born als drittem Song noch vergeblich nach dem Klavier gesucht habe, das Matt nicht gespielt hat, waren die Käfige, in denen die drei gerade noch standen, auf einmal auf dem Boden, die unteren Videowände wie vom Erdboden verschluckt. Tatsächlich hingen nur die oberen Videoelemente an der Decke, die unteren beiden (LED + Podest) waren bis zur Ebenerdigkeit mit dem Bühnenboden einziehbar.
    Nach dem Song wurden die Gitter in einer doch recht langwierigen Prozedur abgebaut. Zeit genug, um über das senile Publikum nachzudenken. Haben die sich tatsächlich bis jetzt noch GAR NICHT bewegt? Zu "New Born" entstand sowas wie Euphorie - aber Bewegung? Fehlanzeige. Auch Textkenntnisse suchte man im Umkreis von mindestens 10 Metern vergebens. Ich kam mir teilweise schon ein bißchen blöd vor. Ich hatte den schon im Voraus befürchteten Eindruck, das ein gewisses Supermassive Black Hole in einem gewissen "Twilight"-Film für die Horden an kleinen Mädchen in den ersten vier und mindestens genau so viele 40- bis 50-Jährige in den Reihen dahinter verantwortlich war. Auch dieser Song wurde frenetisch bejubelt, beim Jubel blieb es dann aber auch. Gedrängel & Geschubse gab es nur von hinten von scheinbar empörten Menschen, wenn man zur Musik auf und ab gesprungen ist. Ich hatte das Gefühl, das die wenigstens überhaupt etwas mit dem Who Knows Who-Riff am Ende irgendeines der ersten Songs anfangen konnten, dabei gab es den Song für die Download-Generation doch sogar umsonst. Insgesamt beschlich mich der Verdacht, daß die alle zu viel Zeit und vor allem zu viel Geld übrig hatten. Und die, die Ahnung hatten - oder zumindest so taten, wie sich sich im Verlauf des Abends kristallisierte -, haben sich zwischen den Songs ständig über die Setlist oder das ach so geile letzte/nächste Lied unterhalten - und zwar an einer Stelle der Halle und unabhängig davon 10 Meter weiter standen nochmal so welche - das war beim Mini-Gig in Berlin auch schon nicht anders. Das hat meine Stimmung ein wenig gedrückt, konnte aber nicht über die gewaltige Bühnenperformance hinweg täuschen.

    Rauf auf die Plattform, zwei Meter hoch, Schlagzeug dreht sich, dann wieder nach vorne, Flügel auf die Bühne, Mikrofon auf dem seitlichen Steg und immer munter weiter. Dazu abseits der alles einnehmenden Videobilder auch sonst eine gigantische Lightshow mit Massen an Strobo und grünem Streulicht.
    Über die Setlist muss ich ein bißchen meckern, Guiding Light muss nicht unbedingt sein, mit Unnatural Selecion habe ich mich auch noch nicht so ganz angefreundet. Die Reihenfolge kann man auch besser hinkriegen, da waren ein, zwei Hänger. Matt hatte gegen Ende des Hauptsets ("Unnatural Selection") Probleme mit seinem Standardmikrofon (das, was auf dem Boden vor dem Podest stand), bekam auf die Schnelle während des Songs ein Ersatzmikro daneben gestellt und pfefferte dieses nach dem letzten Song ins Publikum. Keine Ahnung, ob er das immer so macht.

    Es hätte ein GIGANTISCHES Konzert werden können, aber dem stand - wieder einmal (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!11111111111111) - das beschissene Publikum im Wege, sodaß es insgesamt nur eine 1+ mit Sternchen gibt (+ Eintrag in die Halle der Unvergesslichen (wenn auch nicht durchweg positiv)).
  • Kontainer, muff potter. - Bremen, Schlachthof.

    14. Sep. 2009, 0:26

    12.09.09 kontainer, muff potter. - Bremen, Schlachthof

    Um das Wochenende abzurunden, war ich noch bei Kontainer und muff potter. im Schlachthof in Bremen. Den Tower hätte ich viel zu klein gefunden, der Schlachthof dagegen schien mir im Voraus a.) zu groß zu sein und b.) die Tribünen zu nah an der Bühne zu haben (wenig Platz zum Stehen vor der Bühne). Beides erübrigte sich aber, da sich durch die Größe die Menschen gut verteilten und sich der Andrang auf den relativ knapp bemessenen Innenraum in Grenzen hielt.
    Kontainer mag ich ja nicht so, finde aber trotzdem, daß sie ganz gute Musik machen. Leider empfand das das Bremer Publikum nicht so, es wurde viel geredet, Aku schien zwischen den Songs teilweise recht hilflos. Sie haben nur gefühlte 5 Songs gespielt, was ein bißchen schade war.

    Dem muff potter.-Auftritt hatte ich heute keinerlei Traurigkeit anzubieten. Vielleicht weil mich mit Bremen und muff potter. nicht so viel verbindet wie in Bielefeld und Dortmund. Man muss ja aber auch nicht immer heulen.
    Allesnurgeklaut finde ich jenseits von Festivalauftritten - wo ich es sehr mag, wenn Bands ihre Hits am Anfang verbraten - als Opener nicht so umwerfend, zumal das immer mit dem unguten Gefühl einher geht, aller Voraussicht nach im weiteren Verlauf auf Born blöd verzichten zu müssen. Das Set war ähnich aufgebaut wie in Dortmund, es gab am Ende aber wieder Steady Fremdkörper.
    Als erste Zugabe gab es das erste Mal in den drei Tagen Ich und so, direkt gefolgt von "Born blöd". Weil es mir an meinem Platz etwas zu dicht gedrängt, aber gleichzeitig zu ruhig wurde, nutzte ich die Gelenheit, während der ersten halben Strophe die Seite zu wechseln. Abschließend gab es wieder das Elend #16 und 100 Kilo.
    Nach dem Konzert entschied ich mich entgegen jedweder finanzieller Vernunft - aber pro Gesundheit -, den IC zurück nach Hause zu nehmen, in dem ich noch einer illustren Runde HSV-Rückkrehren lauschen konnte.
  • FZW Opening Party - Dortmund, FZW.

    14. Sep. 2009, 0:24

    11.09.09 Fake Problems, Chuck Ragan, muff potter., Art Brut - FZW Opening Party - Dortmund, FZW

    Vermutlich, weil hochrangige Leute da waren, wurde streng auf den Jugendschutz geachtet, weshalb ich am Einlass erstmal nach meinem Ausweis gefragt wurde.

    Fake Problems spielten bereits, klangen aber recht uninteressant, sodaß sich ein erster FZW-Rundgang anbot. Der Balkon ist ja ganz nett, die zweite Stufe aber entweder viel zu niedrig oder wahlweise viel zu weit hinten, um von dort halbwegs ordentlich auf die Bühne zu gucken. Außerdem stören die hinteren Betrahlungsboxen den Blick von den seitlichen Balkonrändern, aber vielleicht hingen die auch nur wegen der anschließenden Party da.

    Nachdem Fake Problems ihr belangloses Set beendet hatten, brauchten Chuck Ragan und Band gefühlte 40 Minuten für den Soundcheck, was allem Anschein nach an einem unfähigen oder begriffsstutzigen Tontechniker auf der Bühne zu schulden ist, der es auch auf mehrmalige Zurufe nicht hinbekam, alle Instrumente auf die Monitorboxen zu verteilen. Sympathisch fand ich, daß Chuck es letztlich zu bunt wurde und er einfach entschied, anzufangen. Alleine nur mit Gitarre kommt seine Stimme zwar besser zum Vorschein, das klang mir damals aber alles zu gleich. Mit Band-Arrangement kann man die Songs wenigstens auseinander halten. Ich hatte erwartet, mich wieder einigermaßen zu langweilen, wurde aber eines besseren belehrt. Mit Band gerne wieder. Lediglich die Dame neben mir, die ständig peinlich berührt einen Zettel mit einem Liedwunsch hochhielt - den sie später noch auf die Bühne warf - war mir etwas zu penetrant und suspekt. Fremdschämen galore.

    Deswegen wechselten wir zu muff potter. auch die Bühnenseite, zumal da weniger los war. Sie spielten erwartetermaßen ein anderes, weil kürzeres Set als in Bielefeld. Leider ist Born blöd geflogen, auf Elend #16, Die Party ist vorbei und Steady Fremdkörper konnte ich schon eher ohne Beschwerde verzichten. Ein allerletztes Mal The Boat mit Chuck Ragan war aber ein sehr guter Ausgleich. Sehr gefreut habe ich mich über die durch Chuck wiederauferstandene Revenge-Tradition von 2007. Obwohl ich das FZW allgemein als sehr kühl empfand und trotz des großen Platzangebotes und der noch bevorstehenden (scheinbaren) Hauptband mit (vermeintlich) vielen muff potter. nicht mögenden Fans, wurde es schönerweise ein recht warmes Konzert. Und ein recht langes, insgesamt waren es nur drei Songs weniger als in Bielefeld.

    Es war dann aber doch ziemlich klar, daß die meisten tatsächlich wegen der gerade spielenden Band da waren, weswegen sich die Reihen in der Umbaupause zu [track artist=muff potter]Art Brut
    arg lichteten und auch nicht wieder füllten. Schade.
    Hatte ich Art Brut letzten Monat noch ziemlich verrissen, standen diesmal die Vorzeichen sehr gut, denn ich hatte große Lust und war bereit, der Band eine zweite Chance zu geben. Recht schnell kristallisierte sich, daß mich dieser Auftritt mitreißt und ich Art Brut doch wieder mag. Es gab keine überflüssigen Witze, dafür Hits, Hits, Hits - auch wenn ich vielleicht gerade mal vier oder fünf davon kannte. Spätestens mit der Textänderung "I learned my English from a muff potter record" hatte mich Eddie Argos um den Finger gewickelt, auch wenn er da was falsch verstanden haben muss, weil er der Überzeugung war, das letzte muff potter.-Konzert überhaupt gesehen zu haben.
    Wenn einem Art Brut musikalisch nicht gefallen, kann man den gleichen Rat geben, den man Leuten geben kann, die Element of Crime musikalisch nicht mögen: Auf die Texte achten.
    Das nachfolgende DJ-Set von The Futureheads kündigte sich schon in den ersten 10 Minuten als 70s/80s-Schweinerock-Revival-Party an und nach zweimal Teenage Kicks und einmal Suffragette City sind wir auch schon gegangen, weil es eh nicht mehr hätte besser werden können.
  • Übergangsregierung, muff potter. - Bielefeld, JZ Kamp.

    14. Sep. 2009, 0:22

    10.09.09 - Übergangsregierung, muff potter. - Bielefeld, JZ Kamp

    Übergangsregierung spielten einen abartigen Mix aus Synthie-Samples und 80er-Bass gemischt mit Indie-Schrammelgitarren und wahnsinnig dämlichen Texten. Offensichtlich fand sie fast niemand gut, geklatscht wurde trotzdem ausgiebig. Für gute Vorbands standen muff potter. bei mir sowieso nie.

    Alles war schön und Nichts tat weh in der langsamen Version als Opener von muff potter. sorgte bei mir für den ersten emotionalen Höhe- bzw. Tiefpunkt, den ich aber heute und auch in Folge eher als Intro denn als ersten Song wahrgenommen habe. Born blöd schien mir dann schon der geeignetetere Gehirnhaken als erstes Lied.
    Zum ersten Mal seit etwas längerer Zeit hatte ich an dem Set nichts auszusetzen, aber wahrscheinlich in erster Linie, weil ich der Band auf den letzten Metern nichts Böses mehr nachsagen will und es bei jedem Song theoretisch das letzte Mal gewesen sein könnte, das man ihn live hört.
    Das Kamp war im Vergleich zu 2007 mit seinen damals maximal 150 Leuten diesmal gerammelt voll, wobei man den Eindruck gewinnen konnte, daß jeder Depp nochmal die Gelegenheit eines muff potter.-Konzertbesuches nutzen wollte. Es hielt sich trotzdem in annehmbaren Grenzen und für ein bißchen Pöbel bin ich auch immer zu haben.
    Besonders gefreut habe ich mich über Die Party ist vorbei und Unkaputtbar.
  • BootBooHook-Festival 2009.

    23. Aug. 2009, 21:26

    21.-22.08.09 BootBooHook-Festival.

    Der erste Eindruck war sehr gut, es waren genug saubere sanitäre Anlagen vorhanden und die Wege waren kurz. Aber dann der genaue Blick: Essensstände gibt es zwar in ausreichender Variation, für Fleischfresser bleibt aber faktisch nur der Hot Dog-Stand oder der Pizzastand mit der ständig ewig langen Schlange (von Geflügel-Bio-Bratwurst mal abgesehen, denn Geflügel ist ekelhaft). Schlange ist ein gutes Stichwort, wenn man von den beiden Indoor-Bühnen spricht. Die Clubs hatten eine dem Programm durchaus angemessen Größe, jedoch war das Gelände spätestens ab 18 Uhr einfach viel, viel, viel, viel, viel, viel, viel... zu voll (abgesehen von den Backofentemperaturen, die ein Verweilen über den Zeitraum von mehr als einer halben Stunde zu einer Kräfte zehrenden Angelegenheit machten). Man konnte also nicht mal so eben von der einen zur anderen Bühne schlendern, sondern musste sich das schon genau überlegen, ob man dafür den großen Platz verlässt, denn: Auch der Platz vor der großen Bühne war zu fortgeschrittener Stunde brechend voll. Man hatte also - wenn man nicht schon zum Ende der vorangehenden Band da war - die Wahl zwischen außen stehen und wenig bis nichts sehen oder sich in die unbewegliche, unkooperative Menge zu schieben und dort mit Glück ab und zu etwas zu sehen, sich aber nicht bewegen zu können - und da, wo sich bewegt wird, ist die Bewegung ein einziges Geschiebe. 25 bis 50% weniger Publikumsmenge und es wäre sehr gut geworden. So war es okay, aber wegen der totalen Überlaufenheit absolut nicht empfehlenswert.

    Zu den Bands, jeweils angesagt durch den großartigen Carsten Friedrichs. Ein Großteil des Publikums wusste das nicht zu schätzen und zerstörte seine Ansagen spätestens Samstag mit Rufen, Pfiffen oder lautem Gemurmel.

    Los ging's dann mit The Blue Sinners. 2008 hatten wir die mal in Halle als Home of the Lame-Vorband gesehen und trotz übermäßiger Arroganz und derber Zeitüberziehung damals in guten Erinnerungen behalten. Diesmal waren sie - bis auf eine kleine, aber lustige Entgleisung in Richtung eines lärmenden Besuchers - brav und hörten sogar 10 Minuten zu früh auf. Sie klangen irgendwie poppiger als damals und erinnerten auch optisch zeitweise an Mando Diao. Nur in besser.

    Danach folgten schon The Robocop Kraus, die streckenweise unter PA-Ausfällen zu leiden hatten, was sie aber nicht daran hinderte, weiter zu spielen, denn die Monitorboxen funktionierten ja noch. Einige neue Songs haben sie gespielt, die allesamt ziemlich gut klangen. Trotzdem haben sie mich diesmal nicht so richtig rumgekriegt.

    Auf den kommenden Auftritt der Fehlfarben freute ich mich so richtig erst, als The Robocop Kraus die Bühne verließen. Der Platz war - verglichen mit den zeitgleich spielenden Tele am nächsten Tag - recht leer und recht alt. Konsequent und letztlich gut fand ich, daß sie Ein Jahr (Es geht voran) nicht gespielt haben. Peter Hein ist aber ein komischer Kauz, irgendwie. Sympathisch, aber komisch.

    Von Tocotronic habe ich letztlich vielleicht 10 Minuten netto gesehen, weil der Platz besagterweise brechend voll und stock-im-arschig war, daß ich quasi keine Sekunde lang auch nur den geringsten Funken Freude hatte. Außerdem haben sie auch kein allzu gutes Set gespielt.

    Von der Mediengruppe Telekommander habe ich dann nur den letzten Song (Panzer) gesehen. War besser als der gesamte Tocotronic-Auftritt. Die darauf folgenden Veto sollten laut Programmheft wie eine Mischung aus Radiohead und Pink Floyd klingen. Taten sie aber nicht, weshalb wir nach anderthalb Songs gegangen sind. War eh viel zu warm. Bei Kolkhorst war es leider auch nicht viel kühler, dafür war das Programm besser. In seine Songs baute er immer mal wieder bekannte '70er- und '80er-Songs ein (The Passenger, Sweet Dreams etc.), allerdings war ich wegen der Tocotronic-Sache immer noch so angepisst, daß ich keine Lust zum Tanzen hatte, sodass wir nach ein paar Minuten wegen zusätzlich fortgeschrittener Müdigkeit auch schon gegangen sind.

    Vom zweiten Tag erwartete ich dementsprechend nicht viel. Montag und Dirk Darmstaedter haben wir uns aus dem Zelt aus angehört. Montag klangen ganz gut, bei Dirk Darmstaedter bin ich eingeschlafen. Zum letzten Song von Fotos waren wir dann auf dem Gelände. Mehr hätte auch nicht sein müssen.

    Telehatte ich bisher erst einmal gesehen und sie damals als gut, aber zu weich beurteilt. Gut waren sie diesmal auch - mehr als das sogar! -, zu weich aber glücklicherweise nicht. Bis auf Falschrum haben sie nur einen Song gespielt, der nicht auf den letzten beiden Alben ist. Fand ich gut. Viele der Jedes Tier-Songs kamen dann live auch endlich mal bei mir an.

    Auf Kettcar hatte ich keine Lust, wollte sie mir dann aber doch angucken, wenn ich eh schon mal da bin. Der Auftritt war ganz gut, aber das Publikum - vor allem der Teil, der wohl nicht mehr zu Bonaparte in die Halle gekommen war und sich nun dachte, den Kettcar-Auftritt aufmischen zu müssen - nervte mich dann doch ziemlich. Immerhin wussten sie, daß es Kettcar-Lied namens Balu gibt und daß es eine unangenehme Angewohnheit ist, diesen Songnamen so laut und so oft es geht zu brüllen. Kettcar sollten sich mal angewöhnen, das relativ am Anfang des Sets zu spielen, gibt eh viel bessere Rausschmeißer.
    Amüsant fand ich dann die Dame, die meinte, sich, in der dritten bis vierten Reihe stehend, am Gitter festhalten zu müssen, weil sie sonst nach hinten (!) umfällt (!!).
  • Lokpop-Festival 2009.

    3. Aug. 2009, 15:45

    01.08.09 Ghost of Tom Joad, Neimo, Gisbert zu Knyphausen, Art Brut - lokpop-Festival

    Ghost of Tom Joad erschienen mir etwas uninspiriert, da sie quasi die halbe Tracklist von Matterhorn runter spielten, bis sie dann zum Ende nochmal einigermaßen überrascht haben (na ja, eigentlich auch nicht). The End of Everything hätte nicht sein müssen, das ist für mich der schwächste Song vom neuen Album.

    Danach waren Neimo dran und ich war ob der angekündigten Vergleiche mit New Order, The Smiths und The Strokes sehr gespannt. Für meinen Geschmack war die Stimme im Vergleich zu den Instrumenten (vor allen den Keyboards) etwas zu laut abgemischt und es hätte ruhig ein paar mehr Passagen ohne Gesang und mit mehr Synthies geben können, aber an sich hat mich die Band schwer begeistert.

    Auf dem Gelände herrscht zumindest im Bühnenbereich eine ziemliche Wespenplage, ein Zuschauer wurde während Neimo auf der Zunge gestochen.
    Die Wespen waren gegen Abend dann zum Glück alle weg und auch vom Regen blieben wir bis auf ein paar Tropfen verschont, was immerhin eine kleine Abkühlung brachte, bevor Gisbert zu Knyphausen anfing.

    Statt den Wespen erwies sich nun einmal mehr das Publikum als Nervgarant. Neben uns standen ein paar anscheinend recht egomanische Menschen, die zu allen möglichen und - vor allem! - unmöglichen Situationen dämliche Tänze aufgeführt und zu allem Überfluss auch noch gegen den Takt geklatscht und gesungen haben. Immerhin waren sie ganz offensichtlich der Musik wegen da, weshalb ich da einigermaßen Verständnis für habe. Kein Verständnis zeige ich aber nach wie vor Leuten, die sich nach vorne stellen, um dann am laufenden Band dumm rumzulabern.

    Aber Gisbert hat das alles vergessen gemacht. Ich glaube, das war der intensivste Auftritt, den ich bisher von ihm gesehen habe, wozu sicher auch die traurigen Ereignisse der laufenden Woche beigetragen haben. Während Gute Nachrichten musste ich quasi weinen.
    Leider gab's ein Problem irgendwo zwischen seiner Gitarre und dem Mischpult, was erst nach mehreren Anläufen gelöst werden konnte, sodaß sicher ein oder zwei Songs gestrichen werden mussten. Da er aber eine Spielzeit von 75 Minuten hatte, hat er trotzdem ziemlich viel gespielt, fast alles Songs vom Album und ganz viele neue. Zum Abschluss gab's dann den buckligen Winter.

    Philpp Poisel danach haben wir uns nicht angesehen. Das, was ich von weitem gehört habe, klang schon gräßlich genug. Eigentlich war ich auch kurz davor, frühzeitig nach Hause zu gehen und mir Art Brut nicht anzuschauen, denn in Stimmung dazu war ich nach Gisbert nicht.
    Na wenigstens weiß ich jetzt, daß ich Art Brut nicht nochmal live sehen muss (auch wenn ich es nächsten Monat schon tun werde, wenn ich nach dem vorangehenden Muff Potter-Auftritt noch gucken kann). Bis auf die paar textlichen Finessen inklusive der Reminiszensen an Iggy Pop, die Smiths, Brian Eno und R.E.M. fand ich das sehr, sehr langweilig. Aufgeheitert wurde das kurzzeitig dadurch, daß Eddie den Bühnenmischer, der mit seinem Pult ungefähr ein Drittel der Bühne einnahm, als neuen Keyboarder "Nigel" vorstellte. Nach zwei oder drei Wiederholungen dieses Spaßes war es dann aber nicht mehr witzig und das Interesse wieder verloren. Einzig den Zugabenblock fand ich auch musikalisch quasi durchweg stark.
  • Fest van Cleef 2008 - My Car Is A Traveller - Ein Reisetagebuch

    8. Jul. 2009, 13:30

    Als feststeht, daß das Fest van Cleef 2008 mit Großefehn eine Station besucht, die über keinerlei zumutbare Zugverbindung verfügt, ist relativ schnell klar, daß dieses Jahr alles anders ist. Statt mit dem geliebten Zug, reist die Reisegruppe dieses Mal mit einem Automobil. Die Frage, ob es sich dabei um einen Leihwagen oder das eigene, altersschwache Auto handeln sollte, ist auch recht schnell geklärt: Es geht mit dem alten Kahn auf die Reise.
    Im Vorfeld muss jedoch geklärt werden, ob durch die anstehenden Fahrtzeiten überhaupt genug Schlafzeiten übrig bleiben. Es sollten genug Schlafgelegenheiten bestehen. Dazu später mehr.
    Da dieses Jahr damit sowieso schon eine Ausnahme darstellt, laden wir uns zu allem Überfluss noch zwei Gastreisende ein, um die Spritpreise und die Hinterachse niedrig zu halten und somit das Auto längerfristig zu überlasten.

    Da der männliche der beiden Gastreisenden uns den Luxus gönnt, Schlafplätze in Koblenz zu bieten, startet die erste Etappe in Richtung Mannheim bereits Donnerstag Mittag, nachdem wir die weibliche der beiden Gastreisenden am Osnabrücker Bahnhof abholen. Weil die Mitreisende meint, daß ich für die lebenswichtige, da Kaffee tragende, Thermoskanne zuständig bin und ich meine, daß die Mitreisende für die lebenswichtige, weil Kaffee tragende Thermoskannte zuständig bin, müssen wir nach der Abholung der erwähnten Gastreisenden direkt nochmal nach Hause fahren, um die lebenswichtige, weil Kaffe tragende, Thermoskanne zu holen. Immerhin haben wir es rechtzeitig gemerkt und nicht erst irgendwann auf dem späteren Weg.

    Wir machen uns auf den Weg nach Koblenz, wo wir heute und morgen beim Gastreisenden nächtigen werden. Auf dem langen Weg in den Süden kommen wir an Städten vorbei, von denen ich eigentlich dachte, daß es sie nur in Frankreich gibt. St. Sebastian zum Beispiel. Zumindest das Wetter kommt ja in etwa hin. Die rollende Bratpfanne schafft in irgendeinem kleinen Kaff Mitteldeutschlands während der Ortsdurchfahrt ihren 125.000. Kilometer. Zur Feier des Tages halten wir eine halbe Minute inne und schießen ein Beweisfoto.
    Koblenz stellt sich bergiger heraus als ich vermutet hatte und ich parke schätzungsweise im 70°-Winkel. Vertikal, wohl gemerkt. Vorher muss jedoch ein Hund ausgehalten werden, der mitten auf der zweieinhalb Meter schlanken Straße inmitten dieser Häuserschlucht steht und anfangs nicht so aussieht, als ob er vorhat, jemals dort weg zu gehen.
    Unser Quartier hat grob geschätzte neun Quadratmeter, das sollte für vier Personen reichen, zwei davon werden die Nächte sowieso eher über- als nebeneinander verbringen. Im Internetfernsehen spricht Barrack Obama zu Berlin und als er damit fertig ist, ist es auch bald schon Zeit, schlafen zu gehen.

    Da durch fehlende Bahntickets und -verbindungen nicht nachzuvollziehen ist, wann wir losgefahren oder angekommen sind, mangelt es bei Fahrtbeschreibungen leider an genauen Zeitangaben. Es ist jedenfalls nicht ganz so früh wie sonst, denn nach Mannheim sind es nur ungefähr 117km, also rund 1 1/2 Stunden. An diesem Freitagmorgen dürfte es also so gegen 11 Uhr los gegangen sein. Den Gastreisenden werden für die Fahrtstrecken strenge Regeln auferlegt:

    Punkt 1: Es werden keinerlei Körperflüssigkeiten ausgetauscht.
    Punkt 2: Es wird nicht gefurzt und nicht gerülpst.
    Punkt 3: Das Auto ist keine Sauna. Geschwitzt wird woanders.
    Punkt 4: Der Fahrer hat das letzte Wort bei der Musikauswahl. Erst wenn es brrrizzelt, ist es richtig gut.
    Punkt 5: Gleiches gilt für Pausen jeder Art.
    Punkt 6: 15 bis 20 Min. vor Ankunft wird zum Pinkeln angehalten.
    Punkt 7: Es wird nicht in süd- und ostdeutschem Dialekt gesprochen. Auch kein Platt.
    Punkt 8: Diese Regeln gelten ausschließlich für die Rückbank.
    Punkt 9: Schnauze.

    Ich glaube, die meisten davon werden das ganze Wochenende über recht diszipliniert eingehalten. Als die Gastreisenden die Rückbank das erste Mal gemeinschaftlich einnehmen, muss ich meinen Blick senken, um wieder die Straße und nicht das Dach des Hauses zu sehen. Nachdem wir noch schnell ein Spiegelei auf der Motorhaube braten, rollen wir bergab aus Koblenz hinaus in Richtung Mannheim.

    Wir fahren. Es sieht gleich aus. Stille. Wir sind in Mannheim. Wir fahren einmal um das Festivalgelände, ehe wir uns einen Parkplatz in einer Nebenstraße suchen und finden. Wir steigen aus. Es ist heiß. Wir gehen auf Sand. Es ist heiß. Ein paar kleine Bäume spenden ungenügend Schatten. Ein kleines Stück Wüste mitten in der Mannheimer Innenstadt. Man fühlt sich wie auf dem Präsentierteller, denn das Gelände steht auf dem zentralen Platz und drum herum führt die Straße, auf der wir gerade auch fuhren und die in alle Richtungen abzweigt. Direkt gegenüber dem Eingang ist die Alte Feuerwache, wo die Aftershowparty stattfindet. Äußerst praktisch, dann haben wir es heute Abend nicht so weit.

    Um 15 Uhr ist Einlass. Getränke sind trotz Affenhitze nicht erlaubt, aber wie das immer so ist, habe ich nach der Kontrolle noch drei oder vier Tetrapacks. Ich setze mich auf den Boden vor der Bühne und verbrenne mit erstmal ordentlich die Finger am glühend heißen Aluminium. Kein Wunder, die Sonne knallt seit Stunden ungehindert von hinten drauf. Am Merchandise-Stand gibt es schwarze Buttons mit goldenem Hansen Band-Aufdruck. Ich entscheide mich, später einen zu kaufen. Bevor die erste Band überhaupt gespielt hat, habe ich gefühlte 5 Liter Flüssigkeit verloren. Immerhin gibt es Toilettenhäuschen mit fließend Wasser und einen kleinen Springbrunnen am Platz. Die erste Band des Tages sind die "Ghosiiiiies", deren Streetteam heute ordentlich viele Sticker verteilt. Leider scheint die Sonne mittlerweile von der Seite und damit ziemlich doll in die Augen. Mindestens genau so doll in die Augen knallt auch die übermäßige Red Bull-Werbung von der Bühne herab. Leider ist es noch recht leer, aber das scheint die Band recht wenig zu interessieren. Vielleicht haben sie auch gerade eine Fatamorgana und sehen vor sich 10.000 Menschen. Bei diesem Wetter ist alles möglich. Christoph schafft es, in der knappen Dreiviertelstunde, das Bassdrumfell zu zerdeppern. Everywhere you go, you always take the weather with you.

    Es folgt Niels Frevert, dessen ersten Song Baukran irre peinlich klingt und auch irgendwie nicht zum aktuell herrschenden Klima passt. Einer seiner Songs klingt textlich so, als ob er auch von Muff Potter stammen könnte. Musikalisch liegen aber Welten dazwischen. Obwohl ich es nicht als störend empfinde, bin ich dann doch ganz froh, als es vorbei ist.

    Es folgen die bisher ebenso unbekannten I Am Kloot. Die Band gelangt recht schnell in Verruf, weil von hinten "der größte I Am Kloot-Fan der Welt" nervt. "Is there a storm coming?" fragt John Bramwell beim Soundcheck. Scherzkeks, guck mal nach oben: wolkenlos. Trotz alledem keine unberechtigte Frage, wie sich später heraus stellt. Die eher rumpelnde Musik der eher unsympathischen Herrschaften wird geduldig bis zum Schluss ausgehalten, schließlich folgt das schon im Voraus fest stehende Highlight:

    The Robocop Kraus. Natürlich habe ich im Nachhinein nicht die geringste Ahnung, welchen Song sie wann spielen, aber das ist auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, daß der gute Tobi für dieses Wochenende zurück in die Band und an den Bass gekehrt ist. Bei einem der ersten Songs machen wir uns derbe zum Horst, als wir unsere beim My.Festival 2007 von dieser Band verteilten Stirnbänder aufsetzen. Da das gerade nicht unbedingt das Wetter ist, bei dem man auch noch vor Peinlichkeit schwitzen will, brechen wir diesen optischen Augenschmaus ziemlich schnell wieder ab. Eigentlich wollen wir das jeden Tag machen, entscheiden uns aber relativ einstimmig dagegen. Gegen Ende verirrt sich die halbe Band mit einer Trommel im Publikum.

    Mit Tomte folgt bereits die vorletzte Band dieser Hitzeschlacht. Ungewohnt ist, daß Die Schönheit der Chance nicht als letztes Lied, sondern schon kurz davor gespielt wird. Schlecht ist das aber nicht. Mit Der Letzte Große Wal feiert die erste Single aus dem späteren Album Heureka ihre Weltpremiere. Thees fordert dazu einen Zuschauer mit Mütze auf, das Lied mitzufilmen und später bei MySpace hochzuladen. Der Mann mit der Mütze ist nicht der einzige, der das später tun wird. Als weitere neue Songs gibt es Küss mich wach Gloria und Wie Ein Planet zu hören. "Ich lebte so lange am Fluss und ich lebte da sehr gern. Es gibt Dinge, die kann man nicht übersteigern. Küss mich wach, Gloria." - will da etwa jemand zurück nach Hamburg? Zum Abschluss gibt es das sperrige, aber nicht mehr ganz so neue Nichts ist so schön auf der Welt wie betrunken traurige Musik zu hören!. Kettcar danach sind auch ganz gut, zu Am Tisch kommt sogar Niels Frevert mit auf die Bühne, weil es sich gerade so gut anbietet.

    Auf dem kurzen Weg zur Aftershowparty müssen wir aufpassen, daß wir nicht in eine große Kotzepfütze treten. Die alte Feuerwache.scheint voll zu sein, denn wir müssen ziemlich lange anstehen, um rein zu kommen. In der Schlange posen einige Leute mit ihren coolen Handies und ihrer noch cooleren Musik. Wir posen mit den obercoolen Beatsteaks dagegen, haha. Drinnen wundert man sich - wie so oft - mal wieder, denn es gibt Platz ohne Ende. Nachdem wir uns ein schönes Plätzchen zum Sitzen sichern, den uns die Gastreisenden freundlicherweise frei halten, schmeißen sich die Mitreisende und ich auf die Tanzfläche. Größtenteils läuft hier Mainstream-Indie-Rock à la The Killers, The Strokes, Mando Diao, aber das ist heute okay. Nachdem ich im Vorjahr mehr oder minder lautstark immer wieder nach The White Stripes gerufen habe, erkenne ich heute nichtmal, daß ein Lied von ihnen gespielt wird. Upsala. Um kurz vor zwei machen wir uns schon auf den Weg nach draußen, immerhin müssen wir nochmal knapp 120km zurück nach Koblenz fahren. Auf dem Weg durch das Foyer decken wir uns noch mit Klinkenschildern und Flyern ein. Es gibt leider keinen interessanten Promiklatsch von der Aftershowparty zu berichten, außer vielleicht, daß die jüngste Band des Tages als erste im Bett zu sein scheint.
    Wir kommen - oh welch Überraschung - staufrei durch die Nacht und nachdem das Auto wieder in der Vertikalen geparkt ist, fallen wir in unsere provisorischen Betten, können aber - zumindest für mich gesprochen - stundenlang nicht schlafen, weil die Gastreisenden vehement gegen Punkt 1 verstoßen. Irgendwann geht es dann doch. Ich werde sicher schlecht träumen.

    Am nächsten Tag geht es gegen halb zehn unter die Dusche, damit wir rund eine Stunde später starten können. Koblenz lassen wir damit für den Rest des Wochenendes hinter uns und reisen weiter in Richtung Köln. Dank Navigationsgerät und einer recht abgelegenen Location verfahren wir uns in dieser verkehrstechnisch vielmals gehassten Stadt nicht, müssen nur fix zwischen Bordell und Bordell-Frisör wenden, um dann unauffällig zwischen den brummenden Bussen zu parken. Das Gelände sieht unscheinbar aus. Ich kann mir vorstellen, daß es viele gibt, die mehrmals dran vorbei fahren - vor allem, wenn sie vom gegenüber liegenden Pascha abgelenkt sind.
    Es ist wie am Vortag bereits am späten Vormittag wahnsinnig heiß, aber da es im Laufe des Tages regnen soll und eine Jacke auch als Getränkewirt sehr gut geeignet ist, muss ich da jetzt durch und will mich nicht beschweren. Der Einlass verschiebt sich um eine Stunde nach hinten. Währenddessen hält ein oder zwei Mal ein Großraumtaxi am Straßenrand, das die willigen Musiker zu einem Ort mit Dusche und zurück fährt.

    Vor der Bühne kann man auch heute wieder Eier ausbrüten. Henrik und Christoph von Ghost of Tom Joad haben sich daher extra in Schale geschmissen und präsentieren die neuesten sexy Sportdresse. The Ending wird von Johannes Mayer aus Münster lediglich auf der Akustikgitarre dargeboten und geht in der Hitze unter. Everywhere you go, you always take the weather with you. Christoph zerhämmert wieder das Bassdrumfell.
    In der folgenden Umbaupause läuft Rainer G. Ott nervös mit einer CD in der Hand zum Mischpult und betont, daß die auf keinen Fall weg kommen dürfe, weil da die neue Tomte-Single drauf sei. Ein paar Minuten später läuft "Der letzte große Wal" tatsächlich im Rahmen der Umbaumusik, aber kaum ein Dutzend Besucher bekommt es mit.

    Niels Frevert gefällt mir heute sehr viel besser als gestern, er scheint selbst auch aufgetaut zu sein. Ein Zug, der auf dem anliegenden Bahndamm vorbei fährt, passt irgendwie gerade in das Programm, aber ich habe vergessen, wie genau da der Zusammenhang ist. Ist sowieso immer noch zu warm. In der anschließenden Pause will ich mir eigentlich was zu trinken kaufen, aber der einzige Getränkestand ist so dermaßen überfüllt, daß ich mich dagegen entscheide. Kann man nur sparen.

    The Robocop Kraus spielen heute zur Abwechslung vor I Am Kloot. Während des Auftritts fängt es endlich an zu regnen. Die Band ist besorgt um ihre Technik und bittet einige Zuschauer mit Regenschirmen auf die Bühne. Davon gibt es ausreichend, sodaß sich schnell welche finden. Jan Schwarzkamp gehört zum Beispiel dazu. Diese Band macht auch aus dem bescheidensten Wetter eine große Party. Zwischen den Bands turnt Thees Uhlmann mit Simon den Hartog zu Ansagen auf die Bühne, während Marcus Wiebusch sich ein Grinsen nicht verkneifen kann, als er den Besuchern anbietet, bei aufziehendem Unwetter vorübergehend in die umliegenden Hotels und sonstige Gewerbe zu flüchten.

    Zu I Am Kloot trocknet es jedoch vorerst wieder ab - passend zum Humor. "Is there a storm coming?" Ich habe, denke ich, meine Ansprüche weit genug herunter gefahren, um das heute sogar ziemlich gut zu finden, obwohl oder gerade weil John Bramwell buchstäblich mit seinem Equipment und dem Roadie zu kämpfen hat. Ein schöner Auftritt mit etwas drinking und noch viel mehr disaster. Der Mitreisenden gefällt es heute auch ausgesprochen gut. There's blood on your legs - I love you.

    Schon bevor danach Tomte auf der Bühne stehen, kommt ordentlich viel Wasser vom Himmel, was mich aber nicht sehr stört, weil ich gut gerüstet bin. Mehr stört mich, daß es wieder so normal ist, daß ich nichts darüber zu erzählen habe. Kettcar danach sind auch ganz gut.

    Die Aftershowparty findet auf dem Gelände statt. Unter freiem Himmel ist es durch den vielen Regen natürlich recht frisch geworden und die Bänke sind noch feucht. Es steht zwar auch ein höhlenartiges Gewölbe zur Verfügung, darin ist es aber alles andere als gemütlich und nach ein, zwei kurzen Rundgängen beschließen wir, den Heimweg anzutreten, zumal wir alle miteinander ziemlich durchnässt sind. Schade, denn hier wäre es - nach allem, was sich in den paar Minuten Umschauen angedeutet hatte - sicherlich interessant geworden. Auf dem Weg zum Auto will ich mir den gestern gesehenen Hansen-Button kaufen, bin aber zu spät, denn die Anfrage schien groß gewesen zu sein. Als Trost kaufe ich mir einen schwarzen Ghost of Tom Joad-Beutel. Ich glaube, davon habe ich letztlich sogar mehr. Nach kurzem Smalltalk mit Erik machen wir uns auf den mit rund 175 Kilometern verhältnismäßig weiten Weg zu meinen Eltern, wo wir heute schlafen werden, da es etwa auf halber Strecke nach Großefehn liegt. Obwohl ich eigentlich geplant hatte, ausschließlich lokale Radiosender zu hören, bin ich davon - nicht zuletzt wegen der ausgefallenen Aftershowparty - ziemlich genervt und möchte während der Fahrt bitte Musik von meinem Handy hören. Zur unbändigen Freude der Mitreisenden spuckt die neuerdings so genannte Snuffle-Funktion im stetigen Wechsel Songs der Red Hot Chili Peppers und muff potter. aus. Nach angenehmen zwei Stunden Fahrt auf gewohnter Strecke kommen wir nicht allzu weit nach Mitternacht am nächsten Wegepunkt an.

    Ich weiß nicht mehr, wann genau, aber auf jeden Fall um einiges früher als an den Vortagen müssen wir aufstehen, um den Weg nach Großefehn anzutreten, denn immerhin spielen heute zwei Bands mehr und das Ganze geht bereits um 11:30 Uhr los. Da ich generell gegen Parkplätze auf Rasen oder anderen, durch Regen zerstörbaren Untergründen bin, parken wir ein paar Meter weiter in einer Nebenstraße - gibt es hier nicht eigentlich nur Nebenstraßen? -, was uns zwar vorerst einen etwas weiteren Fußweg, später aber ein garantiert problem- und wartefreies Wegkommen beschert. Weil das Fest van Cleef dieses Jahr auch ein bißchen anders plant und heute zu Gast beim Omas Teich-Festival ist, müssen wir uns an der Kasse grüne Papiertagesbändchen holen. Währenddessen läuft Niels Frevert, nur mit einer Wildtierzahnkette bekleidet, dicht an uns vorbei, was bei der Gastreisenden scheinbar bleibenden Eindruck hinterlässt. Mit den Bändchen ausgestattet, gehen wir über den - im Gegensatz zum Vorjahr - recht ordentlichen Campingplatz in Richtung Eingang, um dort zu erfahren, daß sich der Einlassbeginn schon wieder verzögert. Zeit genug also, Schatten zu suchen und die in der prallen Sonne stehenden Dixiklos zu besichtigen, die sich wider jeder Erwartung als gepflegt , gesäubert und wohlriechend heraus stellen. Mit Hells Bells wird der Einlass angekündigt. Erik Langer findet das anscheinend gut, sonst würde er vermutlich nicht mit erhobener Hand vor dem Mischpult stehen. Wir lassen das jedoch links liegen, denn vor der Bühne ist das, was wir im Moment am meisten suchen: Schatten.

    So kommt es dann auch, daß bereits bei Computer verhältnismäßig viele Menschen dicht vor der Bühne stehen. Die meisten finden das progressive Gedudel augenscheinlich aber eher dröge. Ich bin für sowas jedoch immer recht schnell zu begeistern - vor allem, wenn die Band dem Publikum dann auch noch Kaffee anbietet und zum späteren gemeinsamen Kochen an einem Stand auf dem Gelände einlädt.

    Die folgenden Home of the Lame kommen merklich besser an, auch wenn Felix den Text zu For the most Part vergisst und leider niemand aus dem Publikum helfen kann - ich verwechsle die erste mit der zweiten Strophe und die wissende Mitreisende traut sich nicht. Macht ja nix, war trotzdem gut.

    Pünktlich zu den danach spielenden Ghost of Tom Joad hat sich die Sonne mittlerweile so gedreht, daß sie - wie immer bei dieser Band - von rechts oben scheinend in den Augen brennt. Everywhere you go, you always take the weather with you. Wenigstens die Körper stehen noch halbwegs im Schatten. Ich glaube, das ist heute der beste Auftritt der drei am ganzen Wochenende. Christoph schafft es sogar, das Bassdrumfell ganz zu lassen. Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist.

    Niels Frevert's Auftritt wird zur Kraftprobe, denn die Sonne brennt wie nie in dem hier erfassten Zeitraum. Mir wird zeitweise schummrig vor Augen und auch die Mitreisende klagt über Kopfschmerzen und Schweißausbrüche. Sogar die Schallplatten am Merchandise-Stand werden kurzfristig aus der Auslage genommen, weil sie in der Sonne zu schmelzen drohen. Einzig die in der vorangehenden Umbaupause gesehenen, näher kommenden Gewitterwolken lassen auf Besserung hoffen. Gegen Ende fängt ein laues Lüftchen an zu wehen. Zum letzten Song hebt sich die Plane am vorderen Bühnenrand quasi in die Horizontale, die Banner vor den Boxentürmen spannen sich ordentlich. Rigger klettern panisch die Traversen hoch, um die Kabelbinder loszuschneiden. Einer von ihnen pfeift dem immer noch spieldenen Niels Frevert auf dem Weg nach oben zu und deutet ihm, aufzuhören, aber der bekommt es nicht mit. Seelenruhig spielt er seinen letzten Song zu Ende, um dann die Bühne zu verlassen. Im Publikum herrscht derweil Unruhe ob des offensichtlich gerade aufkommenden Unwetters. Es spricht sich langsam rum, auch über die PA wird es wenige Minuten später verkündet: Das Gelände wird evakuiert, eine Fortsetzung des Festivals zu diesem Zeitpunkt ungewiss. Wir rennen zum Auto, während der Regen immer stärker auf uns nieder prasselt.

    In der Nähe des Autos steht ein gefährlich klapperndes Fahrrad, weswegen wir uns entschließen, das Gefährt umzuparken. Warum auch immer wird beschlossen, erstmal ins nächste Dorf zu fahren, bis der Sturm vorbei gezogen ist. Auf dem Weg dorthin kommt uns neben der örtlichen Feuerwehr auch Lars Wiebusch entgegen, zu Fuß, nur mit einem T-Shirt bekleidet und noch ziemlich weit vom Festivalgelände entfernt. Fünf Kilometer weiter an - beziehungsweise unter - der nächsten Tankstelle sieht es vor dem Fenster gar nicht mehr so schlimm aus. Der Regen wird auch schon weniger. Allerdings wurde in kürzester Zeit die Bühne abgebaut, sodaß nicht klar ist, ob es überhaupt weiter geht. Zum Glück hat die Gastreisende Kontakte zu Dagebliebenen, sodaß wir rechtzeitig erfahren, daß es weiter geht und nach einer halben Stunde oder so zurück zum Geschehen kehren. Die Bühne sieht nackt aus, sämtliche Seiten- und Rückseitenplanen wurden entfernt und werden nun nicht wieder angebracht. Lediglich das GHvC-Banner prangt stolz von der Traverse herab. Nach ein paar weiteren Minuten Verharrens in neuer Parkposition, schlendern wir zurück zum Eingang. Auf dem Weg dorthin hören wir zum zweiten Mal "Hells Bells" und legen einen Zahn zu. Als wir auf dem Gelände ankommen, ist der Platz schon wieder verhältnismäßig gut gefüllt, unsere guten Plätzen bekommen wir trotzdem zurück. Viele Besucher sind jedoch in alle Ewigkeit verschwunden.

    Da durch das Unwetter eine große zeitliche Verzögerung enstanden ist, muss zur Freude der Gastreisenden der Auftritt von I Am Kloot gestrichen werden. John Bramwell werden aber immerhin gute 15 Minuten zugestanden, um drei Songs alleine zu spielen. "Is there a storm coming?" Er kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ich hatte mich auf I Am Kloot heute eigentlich sogar gefreut, aber der Akustikauftritt stellt mich auch sehr zufrieden. Die Mitreisende und ich genießen das abgekühlte Wetter sichtlich und haben bei The Rococop Kraus so viel Spaß wie bisher noch nie an diesem Wochenende.

    Auch Tomte wissen heute mal wieder zu gefallen. Bereits der Anfang sorgt für Komik, als Thees' Gitarrengurt sich von der Gitarre löst und dieser Danny Simons diktatorisch und wortlos zu verstehen gibt, das sofort in Ordnung zu bringen. Der Rest des Auftritts gestaltet sich jedoch im Gegensatz zu den beiden Tagen zuvor keinesfalls wortkarg, erzählt wird heute genug. Wie das mit guten Geschichten aber immer so ist, bleibt davon nicht allzu viel im Gedächtnis hängen. Kettcar danach sind auch ganz gut. Reimer zerstört bei der Nullsummenspiel-Einleitung sein heißgeliebtes Eigenbauinstrument und wirft es anschließend ins Publikum.

    Nach dem nunmehr letzten Auftritt des Wochenendes will ich mir die ein oder andere Niels Frevert-CD kaufen, bin aber zu spät, da dieser bereits direkt nach seinem Gastauftritt bei Kettcar abgereist ist und seine CDs mitgenommen hat. Als Trost kaufe ich mir ein lila Ghost of Tom Joad-T-Shirt und ein paar Poster. Nach Verabschiedung von den Gastreisenden, die von hier aus einen anderen Weg einschlagen, machen wir uns auf den Weg zurück zu meinen Eltern, wo wir die Nacht noch schlafen, um am nächsten Tag wohlbehütet zu Hause anzukommen.
  • Ryan Stratton & Felix Gebhard - Hannover, Cafe Glocksee.

    8. Jul. 2009, 0:57

    08.07.09 Ryan Stratton & Felix Gebhard - Hannover, Cafe Glocksee

    Wir waren gerade sehr spontan doch noch in Neverland der Glocksee , um mit Ryan Stratton und dem vor der Tür wartenden Bus voller Kinder Michael Jacksons Felix Gebhards Beerdigung im goldenen Sarg Tourauto zu äh... feiern. Es war wegen des freien Eintritts ziemlich voll - über 100 Leute könnten das schon gewesen sein -, aber auch sehr laut, weil viele wohl auch schon für die spätere Party da waren. Felix und Ryan haben immer wieder unterschwellig versucht, die Leute zum Schweigen zu bringen, aber nichtmal für einen "Moment of Silence for Michael Jackson" ließen sich alle begeistern. Ryan ging ziemlich zeitig dazu über, zwischen den Songs irgendetwas Unverständliches ins Mikrofon zu nuscheln, weil offensichtlich war, daß sowieso maximal ein Dutzend der Anwesenden zugehört hat. War schade, tat aber zumindest bei Ryan der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil. Neben der Brabbelei hatte er auch sonst viel zu erzählen und wenn mal nicht, hat er immer wieder die Nationalhymne seines Landes auf der Gitarre angestimmt. Trotz des vielen Geredes während der Songs wurde danach immer fleißig geklatscht - ich halte das ja immer für niederste Heuchelei -, sodaß es nach der üblichen Zugabe noch einen auf dieser Tour noch nicht gespielten Stratton-Song zu hören gab (Looks Like Your Girlfriend Is Bored) und Ryan Felix zum Schluss quasi nötigte, Habitat
    zu spielen. Letzterer verabschiedete sich dann mit den passenden Worten: "Vielen Dank fürs Zukommen und Vorbeihören."
  • Kapelle Ostermann, Ryan Stratton & Felix Gebhard, Olli Schulz - Vellmar, Sommer im…

    8. Jul. 2009, 0:53

    01.07.09 Kapelle Ostermann, Ryan Stratton & Felix Gebhard, Olli Schulz - Vellmar, Sommer im Park

    Das Konzert fand in einem groooßen Zirkuszelt statt. Olli Schulz meinte, da würden so 3.000 Leute rein passen, ich würde auf die Hälfte tippen. Karten vorbestellt hatten 78 Besucher, viel mehr waren es letztlich auch nicht, das Zelt war also so oder so viel zu groß.
    Ziemlich verloren kam dann auch die Kapelle Ostermann rüber, weil die meisten Zuschauer sich auf der Tribüne nieder gelassen hatten, die ca. 15 Meter von der Bühne entfernt stand und im Dunkeln lag. Versuche, die Leute während des Auftritts mit Gratis-CDs näher an die Bühne zu locken, scheiterten. Die Band nahm's mit Humor: "Haha, nicht mal für umsonst!!" Zum Auflockern der Stimmung war dieses Duo echt okay, erinnerte mich streckenweise ein bißchen an Badesalz. Musikalisch erwartungsgemäß nix dolles, aber höchst unterhaltsam.

    Danach spielte Ryan Stratton mit musikalischer Unterstützung von Felix Gebhard eine gute halbe Stunde seine Songs, Felix durfte am Ende auch noch einen spielen, bei dem er dann von Ryan unterstützt wurde. Auch hier nur sehr verstreut stehende Menschen vor der Bühne, obwohl Ryan mit Schokolade warb: "Oh, look at all this chocolate! You Germans love chocolate, I know that! Come on and get some! Maybe I'll sprinkle some paprika on it. Hm, tasty chocolate!" Genützt hat es nix. Später hat er die Schokolade dann nach hinten ins Publikum geworfen, was dazu führte, daß einige schnell aufsprangen, Schokolade sammelten und sich dann wieder hinsetzten. Ja, ich zählte auch dazu. Es wollte aber wohl allgemein keiner Schokolade haben, denn in der folgenden Umbaupause hat sich außer uns keiner um die am Bühnenrand liegende Schoko-Schale geschert. War mir ganz recht, so hatte ich immer was zu naschen.

    Olli Schulz betrat zunächst alleine die Bühne und forderte die noch Sitzenden auf, aufzustehen, da er sonst nicht anfangen werde zu spielen. Nach ein paar Minuten hatten sich dem alle gebeugt und nach einer ziemlich langen Story ging es los mit Vorführeffekt, gefolgt von Schlafen (!!) und Schon lange was defekt (!). Komme was wolle, dies war nach vielen sehr ähnlichen Schulz-Konzerten endlich mal wieder was anderes. Nachdem die Band dazu kam, verlief das Konzert allerdings recht überaschungsfrei bis auf die Tatsache, daß bei Was macht man bloß mit diesem Jungen? keine mit ihm tanzen wollte, was ihn anscheinend tiefst beleidigt hat und er danach von einer sehr guten in eine sehr wortkarge Laune wechselte. Nix überraschendes, wie gesagt. Gegen Ende taute Olli Schulz nochmal einen Moment lang auf, als er seinen Hund auf die Bühne holte und durch's Publikum laufen ließ und überlegte, alle anwesenden Gäste zum letzten Lied auf die Bühne zu holen, was er aber letztlich doch nicht tat. Insgesamt ein sehr schöner, wenn auch miserabel besuchter Abend.