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Unter der Bezeichnung Shoegaze (auch Shoegazing bzw. Shoegazer) werden Spielarten der Rockmusik zusammengefasst, die sich Mitte der 1980er Jahre in Großbritannien entwickelten und sich in den 1990ern international etablieren konnten. Shoegaze gilt dabei als einer der wesentlichen Vorläufer und Einflussfaktoren der späteren Brit Pop- und Art- bzw. Postrock-Welle.

Stil

Shoegaze als sehr schwelgerische Musik ist zumeist durch dichte, aber melodische, extrem polyphone Gitarrenwände gekennzeichnet, die mit Hilfe elektronischer Effektgeräte und Synthesizer erzeugt werden. Kompositionen dieser Art wechseln sich häufig mit ruhigeren Passagen ab, bei denen weniger auf Verzerrungen als auf Hall-, Flanger- und Feedback-Effekte zurückgegriffen wird.

Die Einflüsse sind vielseitig. So bezogen die Bands ihre Inspiration aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen, wie dem Rock der 1960er Jahre (The Doors, The Velvet Underground), Post-Punk (Joy Division), Gothic (Siouxsie and the Banshees, The Cure), Ethereal (Cocteau Twins, Dead Can Dance), Noise Rock (Sonic Youth) und Ambient (Brian Eno). Ein Merkmal, das jedoch alle Bands miteinander teilen, ist ein deutlich psychedelisch geprägtes Grundmuster, auf dem die meisten Kompositionen beruhen. Shoegaze ist demzufolge ein Phänomen, das im Zuge der Neo-Psychedelia der 1980er Jahre entstanden ist.

Allgemein werden zwei Strömungen unter der Genre-Bezeichnung Shoegaze vereint: Zum Einen die dezentere, melancholisch-sphärische, in den USA als Dream Pop bezeichnete Spielart, die vor allem durch Bands wie Cocteau Twins und Slowdive repräsentiert wurde und vorrangig in der Ethereal-Ära der frühen 1980er wurzelt. Auf der anderen Seite steht der stark psychedelische und Noise Rock-orientierte Gitarren-Sound, der auch unter der Bezeichnung Noise Pop geführt wird, repräsentiert durch Gruppen wie Ride, den frühen The Boo Radleys oder My Bloody Valentine. Letztere vollzogen mit ihrem Album Loveless von 1991 die Synthese beider Richtungen, die als einer der Höhepunkte der Shoegaze-Ära gilt.

Exemplarisch finden sich in einem Lied wie Seagull von Ride etliche Stilelemente des Psychedelic Rock wieder: der sehr polyphone Gesang, die an 60s-Beat orientierte Basslinie, die als melancholisch wahrgenommene Ausstrahlung des Stücks sowie seine Länge (vgl. Rain von den Beatles oder Eight Miles High von den Byrds).

Namensherkunft

Die Bezeichnung Shoegaze (dt. „auf die Schuhe starren“) ist eine ironische Begriffsprägung der britischen Musikpresse. Sie bezieht sich auf die musikalischen Protagonisten, die bei ihren Live-Auftritten oft den Eindruck erweckten, sie würden schüchtern oder selbstvergessen auf ihre Schuhe starren. Eine häufig herangezogene Erklärung für dieses Verhalten ist, dass die Gitarristen konzentriert auf die am Boden befindlichen Gitarren-Effektgeräte schauten.

Entwicklung

Zu den Pioniern der Shoegaze-Bewegung zählen Bands wie Spacemen 3 (Sound of Confusion, 1986), Cocteau Twins (Victorialand, 1986), The Jesus and Mary Chain (Psychocandy, 1986), My Bloody Valentine (Isn’t Anything, 1988) sowie Galaxie 500 (Today, 1988). Der britische Radio-DJ John Peel hatte wesentlichen Anteil an der Entdeckung mancher wichtiger Bands und der Etablierung des Genres, wenn auch nicht an der Bezeichnung selbst.

Um etwa 1992 hatte die Shoegaze-Bewegung ihren Höhepunkt erreicht. Nach Beginn der Grunge-Welle wurde sie etwa 1993 für tot erklärt, obgleich es dennoch vereinzelt Bands gab, die den Stil kontinuierlich fortsetzten. Bis heute erscheinen immer weniger Veröffentlichungen, oft auch instrumental gehaltene, die ohne die die frühe Shoegaze-Periode nicht möglich gewesen wären: so beispielsweise von Broken Dog (1996) oder den frühen Mogwai (1997).

In Kanada und in den nördlichen Gebieten der USA hat sich eine neue Shoegaze-Szene etabliert, die dort allerdings überwiegend unter der Bezeichnung Dream Pop geführt wird. Beispielgebend sind Bands, die sich (ähnlich wie Slowdive) teilweise an Ethereal-Wave-Gruppen orientieren und zum Teil Sounds verwenden, die bei Robin Guthrie (ehemaliger Gitarrist bei den Cocteau Twins) zum Einsatz kamen. Einige davon sind Half String, Deardarkhead und auch die deutlich an Slowdive orientierten Closedown und Alison’s Halo. Gleichzeitig kam es verstärkt zu Wechselbeziehungen zwischen Shoegaze, Ethereal und Gothic Rock. Beispiele hierfür sind Gruppen wie Vendemmian (Honesty and Lies), Siddal (Beds of Light), Autumn’s Grey Solace, Lowsunday oder Tearwave.

Seit Ende der 1990er finden sich mit Gruppen wie Southpacific, Film School, Airiel, The Meeting Places, Air Formation und Readymade (nicht zu verwechseln mit der deutschen Band aus Wiesbaden) einige neue Vertreter des Genres. Den aktuell größten Erfolg hat die Chicagoer Band Film School, die klare Bezüge zu den frühen Werken von Chapterhouse aufweist.

Bearbeitet von aeset am 10. Jul. 2009, 15:37

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