Biografie

Violeta del Carmen Parra Sandoval (* 14. Oktober 1917; † 5. Februar 1967) war eine bemerkenswerte chilenische Folklore-Musikerin und bildende Künstlerin. Sie wurde in San Carlos, einer kleinen Stadt in der Provinz Chillán tief im Süden Chiles geboren.

Ihr Vater war Musiklehrer, von ihrer Mutter hörte sie traditionelle Volkslieder, die sie auf der Gitarre begleitete. Während ihrer Kindheit lebte Violeta mit acht Geschwistern auf dem Land in Armut. Tiefe Furchen und Narben in ihrem Gesicht zeugten von einer Pockenerkrankung während ihrer Kindheit. Im Alter von neun Jahren erlernte Parra Gitarre und Gesang und bereits mit zwölf komponierte sie ihre ersten eigenen Lieder. Sie erfuhr eine Lehrerausbildung in einer staatlichen Schule in Santiago. In dieser Zeit komponierte sie Boleros, Corridos und Tonadas und trat in Bars, kleinen Tanzsälen der Stadtviertel, beim Circus und in Freizeiteinrichtungen auf.

1952 heiratete sie Luis Cereceda. Mit ihren gemeinsamen Kindern Isabel und Ángel realisierte sie große Teile ihrer musikalischen Arbeit.

Angeregt durch ihren Bruder Nicanor Parra, begann Parra ab 1952 Folkloremusik aus den ländlichen Zonen aufzunehmen und zusammenzustellen. Diese Sammlung entdeckte die Poesie und das Volkslied aus den ziemlich verschiedenen Regionen Chiles. Diese Arbeit förderte den enormen verborgenen Reichtum der Traditionen zu Tage, die zur chilenischen Kultur verschmolzen waren. Von hier begann sie ihren Kampf gegen die stereotype ausländische Musik und transformierte bzw. gewann die authentische Volkskultur wieder zurück. Sie komponierte Lieder, Décimas und Instrumentalmusik, wurde zur Malerin, Bildhauerin, Stickerin, Töpferin.

Parra schuf die Basis für La Nueva Canción Chilena, die Neue Gesangsbewegung Chiles, die die chilenische Folkloremusik erneuerte. Diese Bewegung breitete sich in den 1960er und 1970er Jahren in Chile aus. Da sie folkloristische Musikelemente mit religiösen Formen und Inhalten der Protestbewegung und Sozialkritik der 1960er Jahre vereinte, wurde sie eine mächtige kulturelle Strömung und erfasste das ganze Land und wurde auch nach dem Militärputsch 1973 für Viele Synonym für das unter der Diktatur leidende und kämpfende Chile, das seine Rückkehr zur Demokratie erreichte.

1954 reiste Parra nach Polen, besuchte die Sowjetunion und Europa und verbrachte zwei Jahre in Frankreich. Dort nahm sie ihre ersten Langspielplatten mit Folkloreliedern und Selbstkomponiertem auf. Sie nahm vielseitige Kontakte zu europäischen Künstlern und Intellektuellen auf, bevor sie nach Chile zurückkehrte, um ihre kreative Arbeit wieder aufzunehmen. 1958 durchstreifte sie die Töpferei und begann Sackleinen zu besticken. Auf Einladung der Universität reiste sie in den Norden, wo sie Dichterlesungen, Folklore-, Schreib- und Malkurse organisierte. Nach ihrer Rückkehr stellte sie ihre Ölobjekte in der Kunstschlosserei von Santiago unter freiem Himmel aus.

Auf Einladung des Jugendfestivals in Finnland unternahm Parra mit ihren Kindern eine Tournée, die sie durch die UdSSR, Deutschland, Italien und Frankreich führte, wo sie drei Jahre in Paris von Beiträgen für Radio und Fernsehen, Auftritten im Latino-Viertel und Dichterlesungen bei der UNESCO für das Theater der Vereinten Nationen lebte. Sie realisierte eine Serie von Konzerten in Genf und Ausstellungen ihrer eigenen Plastiken. 1964 stellte sie im Pavillon Marsan als erste lateinamerikanische Künstlerin individuell Objekte aus Sackleinen und Ölgemälde aus.

1965 reiste sie in die Schweiz, wo sie einen Dokumentarfilm in der kompletten Breite ihres Schaffens vorlegte. Nach ihrer Rückkehr nach Chile nahm sie mit an der Peña de Los Parras ihrer Kinder Isabel und Ángel in der Calle Carmen 340 in Santiago teil, wo sie kurz darauf La Carpa de la Reina (= Zelt der Königin bzw. Zirkuszelt im Bezirk La Reina) als Kunstzentrum einweihte.

Peña bedeutet Fels, aber auch Stammtisch und steht in ganz Chile für kulturell-politische Gemeindefeiern, bei denen Gesangswettbewerbe aller Generationen solo und als Chor, mit und ohne instrumentale Begleitung häufig im Mittelpunkt stehen. Heute gibt es viele Peñas in Chile, Lateinamerika, Nordamerika, Europa und Australien, die sich aufgrund der Chilenen, die nach Augusto Pinochets Putsch ins Ausland flohen, ausgebreitet haben.

1966 reiste sie nach Bolivien, bot Konzerte in den südlichen Regionen Chiles an und nahm weitere Platten zusammen mit ihren Kindern auf. Sie kehrte nach Santiago zurück, um ihre Arbeit in La Carpa fortzusetzen. Abends trat sie dort auf, sang und begleitete sich dabei auf der Gitarre und servierte ihren Gästen selbstgekochte Gerichte. Dort lernte Víctor Jara, ein chilenischer Schauspieler und Theaterregisseur, sie und ihr Werk kennen, den sie schnell in ihren Bann zog. Ángel Parra drückte ihm eine Gitarre in die Hand und ließ ihn Volkslieder seiner Heimat und eigene Kompositionen vortragen.

Als Mitglied der Sozialistischen Partei Chiles war sie in der politischen Linken aktiv.

Kurz vor ihrem Tod schuf sie das Lied, „Gracias a la vida“ (= Dank an das Leben), das durch Víctor Jara, Inti Illimani, Joan Baez, Mercedes Sosa und Holly Near noch bekannter wurde. Im deutschsprachigen Raum erfreut sich das Lied bei Eingeweihten durch eine Nachdichtung („Liebes Leben, Danke!“) des Musikers Gerhard Schöne anhaltender Beliebtheit. Parra selbst beging ein halbes Jahr vor ihrem 50. Geburtstag, am 5. Februar 1967 Selbstmord angeblich wegen des Scheiterns einer leidenschaftlichen, unglücklichen Liebesbeziehung und finanzieller Probleme.

Wie so viele Künstler fand Violeta Parra bis zu ihrem Tod in ihrem Heimatland wenig Beachtung, obwohl eine ihrer Ausstellungen sogar im Louvre in Paris zu sehen war. Viele ihre Plastiken und Ölgemälde, die sie zwischen 1954 und 1965 in Santiago, Buenos Aires, Paris und Genf geschaffen hatte, sind heute Teil der Stiftung Violeta Parra, die von Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens Chiles geschaffen wurde, um ihr Erbe freizukaufen und zu schützen

Bearbeitet von [gelöschter Benutzer] am 16. Jul. 2007, 21:15

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