Biografie

Van Dyke Parks (* 3. Januar 1943 in Hattiesburg, Mississippi, USA) ist ein erfolgreicher Sessionmusiker, Komponist und Arrangeur sowie auch einer der ungewöhnlichsten Musiker in der amerikanischen Rockszene. Da er viel hinter den Kulissen gewirkt hat, ist er kaum bekannt geworden.

Biografie

Van Dyke Parks wurde in eine wohlhabende Familie hineingeboren. Schon als Kind trat er in Hollywoodfilmen auf, so spielte er 1956 im Film The Swan mit Grace Kelly. Zudem war er in einer Heidi-Verfilmung als Peter vertreten. Daneben lernte der hochbegabte Junge das Klavierspiel.

Parks spielte mit seinem Bruder Carson Parks in der Folk Music Band The Greenwood Country Singer. Er zog nach Los Angeles und arbeitete dort zunächst als Studiomusiker und später als Texter und Komponist für Warner Bros. Parks hatte eine lyrische Ader und verstand es, clevere und vor allem komplexe Textstrukturen zu verfassen. Dies machte ihn in Insiderkreisen sehr bekannt. Parks wirkte als Studiomusiker an einigen Aufnahmen der Byrds mit. Der Produzent der Byrds, Terry Melcher, hatte gute Kontakte zu den Beach Boys und machte Parks 1965 mit deren musikalischen Kopf, Brian Wilson, bekannt.

Im Jahre 1966 verpflichtete Brian Wilson Parks als Texter für sein neues Projekt mit dem Titel Smile (siehe Brian Wilson presents Smile). Das Album wurde allerdings nie fertiggestellt, und zwar unter anderem, weil vor allem der Sänger der Beach Boys, Mike Love, die Texte von Van Dyke kritisierte. Aus dem umfangreichen Werk wurden im Laufe der Zeit nur einzelne Songs auf verschiedenen Platten der Beach Boys veröffentlicht. Hier zeigte sich Van Dyke Parks bereits auf der Höhe seines Könnens als Texter von Songs mit surrealen und assoziativ-bildhaften Songs. Die Texte zu Heroes & Villains oder Surf´s up können als exemplarisch für diesen Stil betrachtet werden. Jahre lang rankten sich Legenden um „Smile“. 2003 hatte Wilson die Idee, das Album endlich fertigzustellen, also kontaktierte er Van Dyke Parks, und sie begannen damit, das Werk zu vollenden. Im Oktober 2004 nahm Wilson das vollendete Album mit seiner Band auf und veröffentlichte es. Das Album wurde ein weltweiter Erfolg und zugleich auch der größte kommerzielle Erfolg für Van Dyke Parks.

1967 nahm Parks sein erstes Solo-Album Song Cycle auf. Mit seinen eigenartigen Arrangements und den höchst komplexen Texten fand das Album jedoch so wenige Käufer, dass Warner Brothers schließlich die Platten verschenkte. Das selbe Schicksal erfuhr übrigens auch das Album von Randy Newman, welches von Van Dyke Parks produziert wurde.

Die Kritiker lobten das Album, das Publikum ignorierte es. Allerdings wurde Van Dyke Parks in der Musik-Szene so bekannt, dass er bald für andere Stars als Sessionmusiker, Arrangeur und Produzent arbeitete.

Auf seiner zweiten Platte Discover America schwelgte Parks in Hollywood-Klängen. Er tritt als sanfter Revolutionär auf, der auf diesem Album Amerika aus dem Blickwinkel eines Ausländers betrachtet. Ganz nach dem Motto: „Wie stellt sich ein Mensch Amerika vor, dessen Land von Amerika aus kolonialisiert wurde?“ Auf den meisten „Credits“ dieses Albums ist Van Dykes Ehefrau Durrie Parks als Komponistin angegeben. Die Werke wurden allerdings nicht von ihr komponiert. Es handelt sich hierbei um Calypso-Kompositionen. Da diese allerdings keine Mitglieder der Amerikanischen Verwertungsgesellschaft waren, wurde einfach Durrie Parks als Komponistin eingesetzt, damit die Komponisten Tantiemen bekamen. Das eingenommene Geld wurde auf ein öffentlich einsehbares Treuhandkonto einbezahlt und an die Komponisten weitergereicht. Sämtliche Songs auf dem Album, wurden allerdings von Van Dyke Parks adaptiert und arrangiert.

Doch auch diese Platte wurde kein Erfolg. Sein nächstes Werk Clang of the Yankee Reaper war vielleicht das zugänglichste aller seiner Platten. Darauf war unter anderem eine Blechbläser-Version des Chorals Ein feste Burg ist unser Gott von Martin Luther (irrtümlich als Kanon von Johann Pachelbel bezeichnet) zu hören. Aber auch das half den Verkaufszahlen nicht auf die Sprünge. Mit seiner eher dünnen, hellen Stimme verfügte Parks sicher nicht über das Potential eines großen Sängers.Deshalb übernahmen auf den folgenden Alben auch oft Gäste wie Danny Hutton oder Kathy Dalton den Gesang.

Zwischenzeitlich übernahm Parks bei der Plattenfirma Warner Brothers die neue Abteilung „Visual Arts“, die Konzepte erarbeiten sollte, Künstler der Firma „ins rechte Licht“ zu setzen. Parks produzierte hier - lange vor MTV - die erste Musikvideos z.B für Ry Cooder oder die Esso Trinidad Steel Band. Jump hieß das nächste orchestrierte Werk, das den im Amerika weitbekannten Geschichtenzyklus „Tales of Uncle Remus“ vertonte. Nach mehreren Jahren folgte Toyko Rose, ein Album, das das japanisch-amerikanische Verhältnis im 20. Jahrhundert zum Thema hatte. Nun folgte eine lange Zeit ohne eigene Veröffentlichungen, denn Parks verdiente sein Geld jetzt mit Studioarbeit und vor allem mit Filmsoundtracks. Dort konnte er seine ausgefallenen musikalischen Ideen am besten umsetzen. Als Produzent und Arrangeur arbeitete Parks unter anderem für U2, Sam Phillips, Ringo Starr, Silverchair, Carly Simon, T-Bone Burnett, Toad the Wet Sprocket, Victoria Williams, Bonnie Raitt, Peter Case, Gordon Lightfoot, Fiona Apple, The Everly Brothers Sheryl Crow, Bruce Springsteen, Joanna Newsom; auch die Beach Boys griffen in den folgenden Jahrzehnten gerne auf seine Dienste zurück. Zu einer erneuten Zusammenarbeit mit Brian Wilson kam es in den neunziger Jahren, und das Ergebnis konnte sich hören lassen: Orange Crate Art variierte den Westcoast-Sound mit den für Van Dyke Parks typischen ausgefeilten und ungewöhnlichen Arrangements und komplexen Lyrics. Am besten kommen seine eigenen Aufnahmen vielleicht auf der Live-Platte Moonlighting zur Geltung, die er am 7. September 1996 im Ash Grove Club in Los Angeles mit einer Band und einer Streichergruppe einspielte. Songs aus seiner gesamten Karriere brillieren hier in neuen Arrangements, ergänzt durch neues Material. Sporadisch trat Van Dyke Parks mit Begleitbands in verschiedenen Besetzungen immer wieder auf, blieb aber bis heute als Musiker, dessen Werk sich nicht ganz leicht erschließt, ein Geheimtipp.

In Deutschland war er zuletzt 2003 beim Festival RuhrTriennale zusammen mit Loudon Wainwright III. zu sehen – auf Einladung des Gitarristen Bill Frisell, der dort die Konzertreihe Century of Song bis 2005 als musical director durchführte.

2007 begann Van Dyke Parks erneut mit Brian Wilson zu arbeiten. Sie arbeiten zusammen an Wilsons neuem Studioalbum That lucky old sun welches im September in London uraufgeführt wurde.

Bearbeitet von Wulfenlord am 5. Mär. 2008, 19:37

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