Das jamaikanische Vokal-Trio Toots & the Maytals ist seit über 40 Jahren im Reggae-Geschäft und hält den Rekord mit 31 Nr.1-Singles in Jamaika.

Die Karriere der Gruppe, die sich nach ihrem Heimatdorf May Pen benennt, beginnt noch in der Ska-Ära. Eine Audition am Studio One, die vom Produzenten Clement „Sir Coxone“ Dodd und von Prince Buster überwacht wird, verläuft zufriedenstellend, und sie nehmen ihre erste Single Hallelujah auf. Bald stellen sich mit Six and Seven Books Of Moses (1963) und Broadway Jungle (1964) die ersten Hits ein. Die religiösen und sozialkritischen Texte von Songwriter Toots Hibbert heben sich, ähnlich wie die seiner Kollegen Desmond Dekker und Justin Hinds, positiv vom hauptsächlich aus Love-Songs bestehenden Durchschnitt ab.

1966 gewinnt die Band das erste „Jamaican Song Festival“ mit dem Stück Bam-Bam, einem wahrhaft würdigen Gewinner. Eine langgezogene, im Falsett gesungene Melodielinie kontrastiert hier mit hartem Sprechgesang. Im Text macht Toots klar, dass seine Grundhaltung friedlich ist, dass aber Unruhestifter bei ihm mit Ärger zu rechnen haben. Unterlegt ist das Ganze mit einem lockeren Calypso-Groove und dem sich ständig wiederholenden „Bam-Bam“ des Background-Gesangs.

Kurze Zeit nach Veröffentlichung des Songs wird Toots zu 18 Monate Gefängnis wegen Marihuana-Besitzes verurteilt (er muss jedoch nur 6 Monate absitzen). Toots behauptet bis heute, hintergangen worden zu sein, vermutlich von einem rivalisierenden Promoter. Als Toots das Gefängnis verlassen darf, hat ein neuer musikalischer Stil, der Rocksteady, den Ska abgelöst.

Die Gruppe schließt sich dem Produzenten Leslie Kong an, mit dem sie ihre vielleicht produktivste Phase haben sollte. 1968 verarbeitet Toots seine Gefängniserlebnisse in dem Song 54-46 That’s My Number (ein Jahr später als 54-46 Was My Number neu aufgelegt). Im selben Jahr verleihen sie dem Musikstil, der den Rocksteady ablösen soll, mit der Single Do The Reggay seinen Namen - noch wird eine andere Schreibweise verwendet, aber es ist die Geburt des Reggae. Im Jahr 1969 gewinnen sie das „Jamaican Song Festival“ zum zweiten Mal. Ihr Titel Sweet And Dandy ist ein anrührender Song über ein nervöses Hochzeitspaar.

1970 veröffentlichen sie Monkey Man, das sieben Jahre später, von der britischen Band The Specials gecovert, die sogenannte „zweite Welle des Ska“ einläuten sollte. Im selben Jahr spielen sie Pressure Drop ein, eine wahre Schrei-Orgie von Toots Hibbert, die beispielhaft für den originellen druckvoll-rauen Sound der Band steht. 1971 stirbt Leslie Kong und die Gruppe schließt sich Chris Blackwell, dem Produzenten Bob Marleys an.

1972 gewinnen sie das Song-Festival zum dritten Mal mit Pomp & Pride. Außerdem erscheint der Reggae-Film „The Harder They Come“, in dem Jimmy Cliff die Hauptrolle, einen „Rude boy“, spielt. Die Maytals tragen zwei Songs (Sweet and Dandy und Pressure Drop) zum Soundtrack bei und sie sind bei den Aufnahmen im Studio zu sehen.

1973 bringen sie „Funky Kingston“ heraus, ihre erste Langspielplatte, die nicht aus vorher aufgenommenen Single-Material besteht. Beim Titelsong gelingt tatsächlich die Synthese aus Funk und Reggae wie vielleicht kein zweites Mal: Toots ist hier nur mit einem James Brown in Bestform zu vergleichen. Daneben enthält das Album eine Cover-Version von Take me home country roads, die um Klassen besser ist als das Original von John Denver - aus „West-Virginia“ wird hier ganz zwanglos „West-Jamaica“. Nach dem Album „In The Dark“ (1974) folgt „Reggae Got Soul“ (1976), bei dem der berühmte Steve Winwood (u. a. Spencer Davis Group, Blind Faith und Traffic) an der Orgel aushilft. Die für einen Grammy nominierte Platte „Toots - live“ (1980) bringt ihnen einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde ein, da sie bereits am Tag nach der Aufnahme in den Plattenläden zu haben ist. Ebenfalls für einen Grammy nominiert wird „Toots in Memphis“ (1988), wo Toots, begleitet von Sly Dunbar am Schlagzeug und von Robbie Shakespeare am E-Bass, sich an Motown-Klassikern wie Otis Reddings Hard to Handle oder Eddie Floyds und Steve Croppers Knock On Wood versucht. „Skafather“ (1998), bestehend aus Neu-Auflagen alter Hits, bringt eine dritte Grammy-Nominierung.

2005 gewinnen sie endlich den Grammy mit „True Love“ (2004). Beteiligt sind hier eine ganze Reihe berühmter Gaststars: darunter die Gitarristen Keith Richards (The Rolling Stones), Eric Clapton und Jeff Beck, die Third-Wave-Ska-Gruppe No Doubt, der Ragga-Musiker Shaggy, der ehemalige Bob-Marley-Mitstreiter Bunny Wailer, Marcia Griffiths, ebenfalls früher in Marleys Band, und ein weiterer Reggae-Alt-Star, Ken Boothe sowie Country-Musiker

Bearbeitet von [gelöschter Benutzer] am 10. Dez. 2007, 21:44

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