Thomas Lauren Friedman (* 20. Juli 1953 in St. Louis Park, Minnesota) ist ein US-amerikanischer Journalist. Er ist Korrespondent und Kommentator der New York Times mit dem Schwerpunkt Auswärtige Angelegenheiten. Friedman veröffentlichte in den letzten Jahren vor allem Textbeiträge zu den Themengebieten Globalisierung und gesellschaftliche Auswirkungen von ITK-Technologien, Umweltschutz und Nahost-Politik.

Theorie zur Globalisierung

Einer weiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Friedman durch seine Bücher zur Globalisierung. Sein Werk „The Lexus and the Olive Tree“ von 1999 gilt nicht zuletzt aufgrund seines wenig akademischen, sehr anschaulichen Schreibstils als eines der – inhaltlich umstrittenen – Standardwerke zur Globalisierung. 2004 erschien „The World is Flat“ (dt. „Die Welt ist flach“) – laut Friedman die logische Fortsetzung von „Lexus“, in der er auf die Bedeutung neuer technologischer Entwicklungen eingeht (s. Vorwort „The World is Flat“).

Im Kern von Friedman’s Globalisierungsanalyse steht die These, dass sich die Rahmenbedingungen für Staat, Wirtschaft und Individuum mit dem Ende des Kalten Krieges und aufgrund bahnbrechender technologischer Entwicklungen im Informations- und Telekommunikationsmarkt grundlegend verändert haben. In Die Welt ist flach argumentiert Friedman, dass die Globalisierung in den vergangenen Jahren in eine neue Phase getreten ist: Nicht mehr Staaten und auch nicht mehr in erster Linie Unternehmen, sondern Individuen, ermächtigt durch Werkzeuge globaler Kooperation wie Highspeed-Internetverbindungen, Workflow-Software oder Suchmaschinen, seien heute die Akteure der Globalisierung. In immer höherem Maße müssten Einzelne auf einem globalen Arbeitsmarkt bestehen, bis hin zum Nachhilfelehrer, der sich der Konkurrenz von Online-Tutoren stellen muss. Friedman behandelt die unterschiedlichsten Phänomene und Themen, von Offshoring bis zu globalen Wertschöpfungsketten, von der Bildungsmisere in westlichen Ländern bis zu Theorien des Freihandels, von Wikipedia bis zur Nutzung des Internets durch al-Qaida, um ein umfassendes Bild der globalisierten Welt zu entwerfen.

Diese Veränderungen würden insbesondere an der Rolle des Staates deutlich werden: Zum einen habe die Bedeutung nationalstaatlicher Grenzen als strukturbestimmende Faktoren in Politik und Wirtschaft stark an Relevanz verloren - globalisierte Wirtschaftsströme unterliefen jegliche Versuche einer geographischen Beschränkung. Dies gelte sowohl für Finanz- als auch für Gütermärkte. Zum anderen sei der Akteur „Staat“ immer weniger in der Lage, Lösungen für komplexe politische Probleme zu finden.

Andere Akteure jenseits des Staates würden gleichzeitig immer wichtiger: neben NGOs, Netzwerken und sonstigen sozialen Gruppen seien auch einzelne Individuen zunehmend wichtig: Neue Informations- und Kommunikationstechnologien und die Freiheiten globaler Märkte erlaubten es einem Individuum, große Machtpotenziale aufzubauen und so zu entscheidenden Akteuren der Weltpolitik zu werden. Beispiele für diese „Superempowered Individuals“ seien unter anderem Usama Bin Ladin, Bill Gates oder Warren Buffett: Beiden stünden kein staatlicher Unterbau oder direkte Machtmittel zu Verfügung, dennoch übten sie eine große Wirkung auf die Weltpolitik aus.

In dieser Analyse stimmt Friedman mit anderen Globalisierungsanalysten wie Robert D. Kaplan überein. Allerdings sind seine Schlussfolgerungen weniger pessimistisch als etwa die von Robert Kaplan in The Coming Anarchy. Friedman betont vor allem die Chancen der Globalisierung und weltweitem Güteraustausch: nur so könne die Armut weltweit bekämpft werden. Die Globalisierung sei insofern eine große Chance für sich entwickelnde Länder, den Lebensstandard zu verbessern und Armut zu bekämpfen.

Um allerdings von der Globalisierung profitieren zu können, sei eine strikte Einhaltung bestimmter „goldener Regeln“ für staatliches Handeln notwendig: Staaten, die sich globalen Finanz- und Güterströmen öffnen, müssten sich strengen wirtschaftspolitischen Regeln unterwerfen (restriktive staatliche Ausgabenpolitik, Deregulierung des Imports und Exports von Waren) und starke, marktfreundliche institutionelle Rahmenbedingungen aufweisen (vor allem einen transparenten Finanzmarkt). In letzterem Punkt argumentiert Friedman ähnlich dem institutionenökonomischen Ansatz eines Hernando de Soto („The Mystery of Capital“) und greift die Kritik Joseph Stiglitz’ am Versagen der institutionellen Rahmenbedingungen während der Asienkrise auf. Friedman hat für dieses Regelset den Begriff des „Golden Straightjacket“ (goldene Zwangsjacke)gewählt, um die Chancen und Beschränkungen staatlichen Handels in einer globalisieren Welt zu verdeutlichen.

Friedman unterstreicht in diesem Kontext ausdrücklich die große Bedeutung staatlichen Handelns – diese These widerspricht der oftmals Friedman unterstellten These, der Staat werde in Zeiten der Globalisierung „unwichtig“. Die Lösung gesellschaftlicher Probleme, so sein grundsätzliches Argument, könne aber nur durch eine proaktive, dem Welthandel aufgeschlossenen Politik liegen – niemals aber in nationalstaatlichem Protektionismus.

Friedman’s Globalisierungstheorie geht über die reine Wirtschaftspolitik hinaus - da die Globalisierung strukturprägend sei für das Zusammenspiel der Staaten, habe sie große Auswirkungen auf die internationale Politik. Friedman greift hier das in der Tradition liberaler Theorien der internationalen Politik stehende Paradigma des „Friedens durch Handel“ auf, die unter anderem von Richard Cobden entwickelt wurde: kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Staaten, die starke Handelsbeziehungen unterhielten und miteinander verflochten seien, seien unwahrscheinlich. Dieses Argument spitzt Friedman zu in seiner McDonalds-Theorie: zwei Staaten, in denen die amerikanische Fastfood-Kette McDonalds Restaurants eröffnet hätte, hätten noch nie Krieg gegeneinander geführt.

Friedman sieht demnach die Konflikte der Zukunft nicht so sehr zwischen einzelnen Staaten entstehend, sondern vielmehr im Innern vieler Gesellschaften: Viele Menschen stünden in einem Spannungsfeld angesichts der rasanten gesellschaftlichen Entwicklung, welches Friedman mit dem Bild des „Lexus and the Olive Tree“ umschreibt: Während der Toyota Lexus für das Bedürfnis stünde, an den Vorteilen der Globalisierung teilzuhaben, stünde der Olivenbaum für das Bedürfnis, traditionelle Identitäten und Verwurzelungen zu erhalten, welche letztendlich durch die Globalisierung bedroht seien. So ist für Friedman der aktuelle Terrorismus oder der Nahost-Konflikt, aber auch fundamentalistische Strömungen in der OECD-Welt, durch diesen Widerspruch geprägt.

Positionen zur internationalen Politik

Neben der Globalisierung hat sich Friedman vor allem mit der politischen Lage im nahen Osten auseinandergesetzt. Als Nahost-Korrespondent der Presseagentur United Press International und der New York Times verbrachte Friedman die 80er Jahre im Libanon und Israel. In seinem Buch From Beirut to Jerusalem beschreibt er seine Erfahrungen, seine Reportagen über die Massaker in Sabra und Shatila wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Friedman tritt in seinen Publikationen immer wieder für eine Verhandlungslösung des palästinensisch-israelischen Konfliktes ein und äußerte mehrfach harte Kritik an der israelischen Siedlungs- und Wasserpolitik.

Umso größere Aufmerksamkeit erregte seine eindeutige Befürwortung einer harten Linie nach den Anschlägen des 11. September 2001 und seine entschiedene Befürwortung des Irakkriegs. In einem Auftritt in einer Fernseh-Talkshow im September 2003 erklärte er, die USA müssten zuerst „ins Herz der [arabischen] Welt gehen und deren Schädel einschlagen“ („go into the heart of [the arab] world and beat their brains out“) und dann „ihre Partner sein“ („partner with them“), um „einen anständigen und anderen Irak aufzubauen“ („build a decent and different Iraq“). Friedmans Kritiker bezeichnen ihn als „the Dean of liberal imperialism“ - Dekan des liberalen Imperialismus’. Erst angesichts des kaum noch zu leugnenden Scheiterns der amerikanischen Irak-Politik begann er, seine Linie zu ändern. In Kolumnen für die New York Times aus dem Mai 2006 zeigte er sich zutiefst unzufrieden mit der Außenpolitik der USA im Irakkrieg und würde lieber einen atomar gerüsteten Iran erleben, als einen neuerlichen Krieg im Nahen Osten mit dem Team der Verantwortlichen der amerikanischen Außenpolitik durchleben zu müssen.

In seinem Buch Longitudes and Attitudes. Exploring the World After September 11. von 2002 zeichnet sich eine für Friedman eher untypische Emotionalisierung seiner Analyse ab, dies mag ein Grund für die aus Sicht vieler Kritiker unausgewogene Analyse des Irakkrieges sein.

Umweltpolitik

In Folge seiner Analyse der Entwicklungen im Nahen Osten hat sich Friedman zu einem Verfechter einer grünen Revolution entwickelt. In zahlreichen Statements und in The World is Flat fordert Friedman ein neues Paradigma für westliche Gesellschaften. Den Zusammenhang zwischen den Friedenschancen und der Abhängigkeit westlicher Gesellschaften vom Öl hat Friedman in einem Artikel für die Zeitschrift Foreign Policy 2006 festgehalten und die formuliert. Im Kern steht die These, dass die Beilegung der Konflikte im Nahen Osten nur gelingen könne, wenn sich die betroffenen Gesellschaften demokratisierten. Dies sei aber nur zu erwarten, wenn die Rentier-Politik der Staaten nicht mehr funktioniere - Voraussetzung dafür wiederum sei, dass sich westliche Industrienationen unabhängig vom Öl machten. Kritiker bezeichnen diese Position als Ressourcendeterminismus.

Auszeichnungen

Friedman erhielt dreimal den Pulitzerpreis:

* 1983 für seine Reportage über den israelischen Einmarsch in Beirut
* 1988 für seine ausgewogene Berichterstattung über Israel
* 2002 für seinen Report über die weltweiten Auswirkungen des Terrorismus

Friedman erhielt im Jahre 2004 eine Auszeichnung des Overseas Press Club für sein Lebenswerk und wurde durch Königin Elizabeth II. in den Order of the British Empire aufgenommen.

Bücher

* From Beirut to Jerusalem. 1989
* The Lexus and the Olive Tree. 1999, überarbeitet 2000
* Longitudes and Attitudes. Exploring the World After September 11. 2002
* The World Is Flat: A Brief History of the Twenty-first Century. 2005 (deutsch: Die Welt ist flach: Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts. 2006)
* Hot, Flat and Crowded. 2008

Bearbeitet von reven404 am 4. Jan. 2009, 11:26

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