Biografie

Raul Paz hat gerade erst die altersmäßige Dreissiger-Marke überschritten und schon mehr erlebt als mancher Mensch um die Sechzig. In seiner Heimat Kuba studierte er klassische Musik und Geige und finanzierte sich das Leben durch Schauspielerei in Fernsehserien. Die Chance Kuba zu verlassen, bot sich, als er zum Internationalen Theaterfestival in Montevideo eingeladen wurde, seitdem ist er nur zu Besuchen in seine Heimat zurückgekehrt. Hat sich nach Etappen in Brasilien, Argentinien, Miami und Madrid in Paris niedergelassen. Raul Paz ist vielseitig, er schreibt Songs für andere wie Viktor Laszlo, Bühnenmusik für Tanz und Theater, Fernsehfilm-Soundtracks und vieles mehr.

In Paris gründete er zusammen mit zwei Kollegen die Orishas und verließ diese kurz später schon wieder, auf der Suche nach einer eigenen Musik. In den USA, wo er von seinem ersten Album über 100.000 Stück verkaufen konnte, fühlte er sich auf Dauer nicht wohl. Dort aber - wo er beim legendärsten Label für Latino-Musik unter Vertrag war - lernte er Tito Puente kennen und trat mit ihm auf und mit Celia Cruz. Sie riet ihm, auf keinen Fall ihren Fehler zu wiederholen und sich von der Politik und den USA vereinnahmen zu lassen.

Am Abend seines ersten großen Konzertes in Miami erreicht ihn eine Postkarte, die die Grande Dame der kubanischen Musik selbst gebastelt hatte. Darauf kubanische Strände, Glückwünsche und viele andere geklebte Kleinigkeiten. Wenn Raul Paz davon erzählt, sieht man ihm heute die Rührung noch an. Viel weniger von Gefühlen durchzogen ist die Beziehung zu seinem Großonkel Changito, der Perkussion-Legende aus Kuba. Obwohl jeder Artikel und jeder Bericht über den jungen Singer/Songwriter aus Pinar del Rio damit anfängt, kann er darüber nur lachen, weil er diesen Mann erst durch Zufall in Paris kennen gelernt hat. „Ich habe nicht den leisesten Einfluß von Changito abbekommen, musikalisch gesehen. Ich freue mich, dass wir verwandt sind, mehr nicht.“

„Mulata“, Raul Paz dritte CD, ist ein schöner Zwitter. Auf Kuba mit ehemaligen Musiklehrern und Freunden akustisch eingespielt, wurde es anfangs in Paris bearbeitet und gelangte dann in die Hände der Crew um Mousse T. In Hannover erst, unterstützt von den beiden Produzenten Danya Vodovoz und Ferry Ultra, der eine Russe, der andere Iraner, fand das Ganze zu seiner endgültigen Form.

Die Songs sind geprägt von dem, was Paz „Cubanité oder Cubanisme“ nennt, die traditionellen Elemente, die Tres-Klänge oder die Bläsersätze des Havanna Ensemble gehen jedoch Hand in Hand mit Reggae, Funk, Pop oder Hip Hop-Stilmitteln. Daß sein Name eine so schöne aber auch schwerwiegende Bedeutung hat, darauf wurde Paz erst durch einen Freund aus Deutschland aufmerksam. „Es war direkt nach dem 11.September“, erzählt er, „wir haben am Telefon über die Katastrophe geredet und er fragte mich: Bist du dir denn darüber bewusst, was du für einen Namen hast? Und das hat mein Leben wirklich verändert. Ich fühle im Moment, wo sich die Menschen mehr denn je gegenseitig umbringen, eine Verpflichtung der Welt ein bisschen Frieden zu bringen.“ Ob das klappt sei dahin gestellt. Gute Laune und Tanztauglichkeit aber, die sind garantiert.

Bearbeitet von edwom am 20. Okt. 2009, 14:04

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wdr funkhaus europa

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