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Ramones ist der Titel des Debütalbums der gleichnamigen US-Punk-Band Ramones. Es erschien erstmals am 23. April 1976 auf dem Label Sire Records.

Mit seinen schnellen, minimalistischen Musikstücken gilt es als wegweisend für die Entwicklung der Musikrichtung Punkrock. Mit ihrem Debütalbum etablierten die Ramones ihren Ruf als eine prototypische „Drei-Akkorde-Garagenband“ mit in hohem Tempo gespielten, ironischen, einfach gebauten Songs. Als das Album veröffentlicht wurde, reagierte die Mehrheit der Kritiker mit Ablehnung oder Unverständnis. Erst seit den späten 1990er-Jahren wurde dessen musikalische Bedeutung anerkannt. 2001 wurde das Album von der Plattenfirma Rhino Records nachbearbeitet (remastered) sowie zusätzlich mit frühen Demo-Aufnahmen der Band versehen und auf CD wiederveröffentlicht. Seitdem wurde das Album Ramones mehrfach mit hohen Platzierungen in Bestenlisten der Musikpresse ausgezeichnet.

Rezeption und Kritiken

Aufgrund seiner Neuartigkeit hinsichtlich Musikstil und Aussage – minimalistische, sehr kurze Stücke, in hohem Tempo gespielt, kombiniert mit humorvollen Texten – wurde das Debütalbum der Ramones von Presse und Radio-Disc-Jockeys und Musikkonsumenten mit sehr gemischten Reaktionen aufgenommen, von denen viele negativ ausfielen: „[Das Album] ,The [sic] Ramones‘ klingt heute lächerlich simpel, damals war die Platte brutal und entzweite die Gemüter.“

Eine der positivsten Rezensionen stammt vom US-Musikjournalisten Robert Christgau, der dem Album in seiner Kritik im Magazin The Village Voice die Bestnote „A“ verlieh und dazu schrieb, das Album „pustet alles andere aus dem Radio. Einfach perfekt, ein kleiner Klassiker. Ebenfalls positiv fiel das Urteil des US-Musikmagazins Rolling Stone aus. In der 1976er Juli-Ausgabe der Zeitschrift lobte Rezensent Paul Nelson die Ramones als „authentische amerikanische Primitive, deren Werk gehört werden muss, um verstanden zu werden.“ Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass „diese Typen mehr Alben verkaufen [werden] als Elton John Pennies hat“.

Im britischen Magazin New Musical Express (NME) schrieb Kritiker Nick Kent in seiner positiven Rezension, das Album Ramones sei „eine Lektion darin, wie man erfolgreich Hard Rock aufnimmt“, um zu ergänzen: „Die Ramones sagen nicht viel. Aber sie rocken mit Vehemenz . Sein NME-Kollege Max Bell kam zu einem völlig anderen Urteil: „Die Ramones sind eher ein Witz als eine Rockband. Ihre Ausstrahlung ist vollkommen negativ, basierend auf ihrer Unfähigkeit und Gleichgültigkeit. In der britischen Musikzeitschrift Melody Maker bezeichnete Musikjournalist Allan Jones die Musik der Ramones als „grimmig zurückgeblieben“ und „mit bornierter Betonung auf gewaltsam ausgedrücktem Nihilismus“. Ein Kritiker beschrieb das Album mit den Worten „Der Klang von 10.000 Toilettenspülungen“. Dem britischen Autor Jon Savage zufolge „beschleunigte das erste Album der Ramones eine ganze Generation englischer Musiker. Der Konkurrenzdruck, Punkbands zu gründen, nahm zu.

Die gemischten Reaktionen auf das Album Ramones veranlassten das New Yorker Magazin Trouser Press zu dem Jahre später veröffentlichten Fazit: „Wie alle kulturellen Wasserscheiden wurde Ramones [anfangs] von wenigen Hellsichtigen verehrt und von der ahnungslosen Mehrheit als schlechter Witz abgetan. Jetzt ist es [das Album] unzweifelhaft ein Klassiker.“[44] Schlagzeuger und Koproduzent Tommy Ramone beurteilte das Album im Jahr 2011, 35 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung, als vollkommen einzigartig im Klang.“ und bezeichnete es als „auf seltsame Art und Weise ein Lo-Fi-Kunstwerk.

Das Album Ramones erhielt erst Jahre nach seiner Erstveröffentlichung gesteigerte Aufmerksamkeit und Anerkennung. Im Erscheinungsjahr 1976 hatte das Album mit etwa 6000 verkauften Einheiten lediglich Platz 111 in den US-Billboard-Charts erreicht. Erst im Jahr 1992 zählte das US-Musikmagazin Rolling Stone die Gestaltung der Hülle von Ramones zu den „100 Besten Plattenhüllen“ (100 Greatest Album Covers) in der Rockmusik.

Album und Titelliste

Alle Kompositionen von den Ramones, wenn nicht anders angegeben.
Erstauflage 1976

Blitzkrieg Bop – 2:14
Beat on the Brat – 2:31
Judy Is a Punk – 1:32
I Wanna Be Your Boyfriend – 2:24
Chain Saw – 1:56
Now I Wanna Sniff Some Glue – 1:35
I Don’t Wanna Go Down to the Basement – 2:38
Loudmouth – 2:14
Havana Affair – 1:56
Listen to My Heart – 1:58
53rd & 3rd – 2:21
Let’s Dance (Jim Lee) – 1:51
I Don’t Wanna Walk Around With You – 1:42
Today Your Love, Tomorrow the World – 2:12

Zusätzliche Titel auf der Wiederveröffentlichung 2001

I Wanna Be Your Boyfriend* – 1:43
Judy Is a Punk* – 1:37
I Don’t Care† – 1:55
I Can’t Be†, ∞ – 1:57
Now I Wanna Sniff Some Glue† – 1:42
I Don’t Wanna Be Learned/I Don’t Wanna Be Tamed†, ∞ – 1:03
You Should Never Have Opened That Door† – 1:54
Blitzkrieg Bop× – 2:12

*) Demo-Aufnahme, produziert von Marty Thau, aufgenommen am 19. September 1975 in den 914 Studios, New York City
†) Demo-Aufnahme, produziert von T. Erdélyi, aufgenommen in den Performance Studios, New York City. Toningenieur: Jack Malken
∞) Zuerst veröffentlicht auf dem Sampler Ramones – All The Stuff (And More) Volume One, Sire Records/Warner Bros. Records 1990
×) Single-Version, Juli 1976

Bearbeitet von [gelöschter Benutzer] am 13. Okt. 2012, 11:59

Quellen

Einzelnachweise

↑ a b Melnick: On the Road with the Ramones, S. 282: Tour Dates
↑ Rombes: Ramones, S. 9, S. 32 ff.
↑ Jon Savage: England’s Dreaming – Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock, S. 119. Gekürzte deutschsprachige Ausgabe, Edition Tiamat im Verlag Klaus Bittermann, Berlin 2001. ISBN 3-89320-045-2.
↑ a b c Porter: Ramones – The Complete Twisted History, S. 37.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 36: Auszüge aus einem Interview mit Tommy Ramone
↑ a b c Melnick: On the Road with the Ramones, S. 62 f.
↑ “Tommy Ramone was relentless […] He promoted his band with a fervour that was astonishing.“ Zitiert und übersetzt nach True: The Story of the Ramones, S. 44.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 45.
↑ a b True: The Story of the Ramones, S. 47.
↑ Rock Classics, S. 108: Sire Records & Co. – Die frühen Business-Partner.
↑ a b c True: The Story of the Ramones, S. 51 f.
↑ a b c Mojo-Magazin, Ausgabe November 2005, S. 77 ff.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 50 f.
↑ Wortspiel mit dem Namen der Rockband Led Zeppelin: “We called Warner Bros. and they said that we sounded like bad Zeppelin.” – Johnny Ramone, in: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 51
↑ a b Porter: Ramones – The Complete Twisted History, S. 43.
↑ Rombes: Ramones, S. 67.
↑ Rombes: Ramones, S. 5 f.
↑ a b c d Jon Savage: England’s Dreaming – Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock, S. 143 f.
↑ Mojo Music Magazine, Issue 210, Ausgabe Mai 2011, S. 76.
↑ a b c True: The Story of the Ramones, S. 53.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 54.
↑ “We decided to try separation on the instruments. Craig Leon was looking for that. So we put everyone in different rooms, […] we had no communication except through headphones; […]” – Tommy Ramone in: Mojo Music Magazine, Issue 210, Ausgabe Mai 2011, S. 76.
↑ Johnny Ramone: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 152
↑ “[…] and then we did a 14-hour marathon mix session. I don’t think it was more than five days altogether.” – Tommy Ramone in: Mojo Music Magazine, Issue 210, Ausgabe Mai 2011, S. 76.
↑ Johnny Ramone: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 54
↑ Rombes: Ramones, S. 71 f.
↑ “We did a lot of overdubbing and double-tracked vocals, going for a bizarre emulation of the recording values of ‘A Hard Days Night’. The stereo image was inspired by that as well.” Zitiert nach Rombes: Ramones, S. 73: Interview mit Craig Leon, 2004.
↑ Rombes: Ramones, S. 69.
↑ “Things aren’t going so great, we only got seven tracks down.” – Johnny Ramone, zitiert und übersetzt nach True, S. 53.
↑ Lifestyles Of The Ramones, Interview mit Seymour Stein. DVD-Video, Videolar S/A, Sao Paulo, DVDS-065. Time Code: 00:26:38
↑ Porter: Ramones – The Complete Twisted History, S. 52.
↑ a b c Rombes: Ramones, S. 75.
↑ a b Bessman: Ramones – an American Band, S. 47.
↑ Auszüge aus einer Plattenkritik Robert Christgaus, zitiert und übersetzt nach Bessman, S. 55
↑ Zitiert und übersetzt nach True, S. 58.
↑ Vin Scelsa, zitiert nach Porter, S. 57.
↑ Vin Scelsa, zitiert und übersetzt nach Bessman: Ramones – an American Band, S. 53.
↑ “I’d never heard anything as abrupt or confrontational since Little Richard. […] It was so scary and mad“ – John Peel, gekürzt zitiert nach Porter, S. 56 f.
↑ Daniel Rey, zitiert und übersetzt nach True, S. 58.
↑ Daniel Rey im Interview in Ramones RAW, DVD-Video. Ramones Productions Inc., 2004.
↑ Zitiert und übersetzt nach True, S. 68.
↑ Ausschnittweise zitiert und übersetzt nach True, S. 69
↑ Ausschnittweise zitiert und übersetzt nach True, S. 70.
↑ Übersetzt zitiert nach Porter, S. 58.
↑ “[…] that album was totally unique in its sound. In a strange way, it’s a lo-fi work of art.” – Tommy Ramone in Mojo – The Music Magazine, Issue 210, Mai 2011, S. 77.
↑ a b True: The Story of the Ramones, S. 55.
↑ SPIN Magazine Vol. 17, Nr. 5, Mai 2001: 25 Years of Punk, S. 100. Vibe/Spin Ventures, New York 2001. ISSN 0886-3032

↑ Mojo-Magazin, Ausgabe November 2005, S. 86.
↑ Rombes: Ramones, S. 84.
↑ Richard A. Spears: Dictionary – Contemporary American Slang. Orbis Verlag, München 1992, ISBN 3-572-00581-7.
↑ “We knew we needed a ‘chant’ song, because the Bay City Rollers had ‘Saturday Night’” (Johnny Ramone) und “I wrote Blitzkrieg Bop, but […] it was called ‘Animal Hop’, […] sort of a cheerleading type of song.“ (Tommy Ramone), gekürzt zitiert nach Spin Magazine: 25 Years of Punk, S. 94.
↑ a b True: The Story of the Ramones, S. 59
↑ “He [Dee Dee Ramone] wanted to do the Nazi thing, so that it would never get played on the radio!” – Tommy Ramone, zitiert nach Leigh: I slept with Joey Ramone, S. 121.
↑ Rombes: Ramones, S. 77
↑ a b Leigh: I Slept With Joey Ramone, S. 131 ff.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 68
↑ Porter: Ramones – The Complete Twisted History, S. 49.
↑ “[…] one of the catchiest of all the punk-era songs.” – Zitat Everett True in: The Story of the Ramones, S. 59.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 322.
↑ “It’s funny, I originally wanted to be a bballplayer, and now they play ‘Blitzkrieg Bop’ at a lot of the parks. They play it at Yankee Stadium all the time.” – Johnny Ramone, in: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 152
↑ Leigh: I Slept With Joey Ramone, S. 287 ff.
↑ “The kind of kid you just want to kill. You know, ‘beat on the brat with a baseball bat’ just came out.“ – Joey Ramone, zitiert nach Rombes: Ramones, S. 79.
↑ a b c d e True: The Story of the Ramones, S. 60.
↑ “‘Second verse, same as the first’ is both a line in a song and a line in a song about a line in a song.” – Zitat Nicholas Rombes in: Ramones, S. 83.
↑ The Guitars of Johnny Ramone: The White Stratocaster

(englisch; abgerufen am 5. November 2009)
↑ Rombes: Ramones, S. 83.
↑ Rombes: Ramones, S. 85.
↑ “I hope they don’t really think we sniff glue. I quit when I was eight.” – Dee Dee Ramone, zitiert nach True, S. 71.
↑ Spin Magazine – 25 Years of Punk, S. 96: Abbildung des Zeitungstitelblattes mit der Schlagzeile
↑ True: The Story of the Ramones, S. 71.
↑ Savage: England’s Dreaming, S. 182 f.
↑ Rombes: Ramones, S. 86.
↑ Rombes: Ramones, S. 88.
↑ a b McNeil: Please Kill Me, S. 215.
↑ “The song speaks for itself, everything I write is autobiographical and very real. I can’t write any other way.” – Dee Dee Ramone, zitiert und übersetzt nach Porter, S. 50.
↑ Film-Interview mit Dee Dee Ramone in End of the Century – The Story of the Ramones, DVD-Video. Rhino/Warner Music Vision 2005.
↑ Porter: Ramones – The Complete Twisted History, S. 54.
↑ True: The Story of the Ramones, S. 23.
↑ Dee Dee Ramone: I.C.L.C. Rough Trade Records/World Service 1994, RTD 157.1756.3.
↑ a b McNeil: Please Kill Me, S. 281.
↑ Johnny Ramone: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 53
↑ Bessman: Ramones – an American Band, S. 192 (Band-Diskografie)
↑ Artikel Ramones (Screeching Weasel) in der englischsprachigen Wikipedia
↑ Artikel Greatest & Latest in der englischsprachigen Wikipedia
↑ Artikel Too Tough to Die Live in NYC in der englischsprachigen Wikipedia
↑ Artikel We’re a Happy Family: A Tribute to Ramones in der englischsprachigen Wikipedia
↑ Rezension von Brats On The Beat: Ramones For Kids

auf der Website des deutschsprachigen Musikmagazins Whiskey Soda (abgerufen am 28. November 2009)

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