Biografie

Ramases (eigentlich Barrington Frost) ist ein englischer Musiker, der dem Psychedelic Rock der 70er Jahre zugeordnet wird.

Barrington Frost wurde in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre in Sheffield geboren. Nach der Schule ging er zum Militär und wurde Ausbilder. Anschließend versuchte er sich in den 1960er Jahren in Schottland als Vertreter für Zentralheizungen.

Mitte der 60er Jahre hatte er angeblich während einer Autofahrt eine Vision. Ihm erschien der ägyptische Pharaoh Ramses II., der ihm zu verstehen gab, dass er eine Reinkarnation dieses Gottkönigs und auserkoren sei, der Menschheit kosmisches Wissen zu vermitteln. Inwiefern diese Legende der Wahrheit entspricht, wird wohl nie zu klären sein. Fest steht, dass um die selbe Zeit auch Bands wie Magma oder Gong ähnliche Legenden um sich verbreitet haben und künftig mit „kosmischer“ Sendung auftraten.

Frost gab sich den Künstlernamen „Ramases“ und begann, gemeinsam mit seiner Ehefrau Dorothy Frost, die sich nach einer ägyptischen Göttin „Selket“ nannte, psychedelische Musik mit esoterisch bzw. kosmisch angehauchten Texte zu schreiben. Mit rasiertem Haar und markantem Bart verlieh Ramases sich auch äußerlich Ähnlichkeit mit seinem Namenspatron. Erste Pressebekanntheit erlangte das Paar durch seinen extravaganten Lebensstil. Ihr nach römischen Stilelementen gestalteter Bungalow in Sheffield war 1967 Gegenstand eines Zeitungsberichts. Außer von ägyptischen Pharaonen war das Paar insbesondere von dem römischen Kaiser Hadrian inspiriert, dessen Porträt als Mosaik das Äußere des gemeinsamen Heims zierte. Die Ägypter wiederum standen Pate für die Entwässerungstechnik des Badezimmers.

1968 gelang es Ramases, einen Plattenvertrag mit CBS abzuschließen, worauf die beiden Titel „Quasar One“ (eine reichlich psychedelische Hymne an einen Quasar) sowie die Folkrock-Nummer „Mind´s Eye“ eingespielt wurden. Auf dem Cover der unter dem Künstlernamen „Ramases & Selket“ erschienenen Debütsingle wurde aus „Quasar One“ auf Grund eines Übertragungsfehlers im Tonstudio allerdings „Crazy One“. Die Single hatte keinen Erfolg. Mit diesem für beide Seiten unbefriedigenden Ergebnis war die Zusammenarbeit mit CBS wieder beendet.

Noch im selben Jahr wurde eine weitere Single bei dem ungleich kleineren Label Major Minor veröffentlicht, diese allerdings unter dem Namen „Ramases & Seleka“. Mit veränderten Tracknamen und als „Ram & Sel“ sollte diese Single mehrere weitere Auflagen erfahren.

Im Jahr 1970 konnte Ramases bei Vertigo Records unter Vertrag gehen, einem auf Progressive Rock spezialisierten Sublabel von Philips.

1971 erschien das Album „Space Hymns“. Aufgenommen wurde es in den Strawberry Studios in Stockport. Als Studiomusiker zur Umsetzung der Kompositionen des Künstlerpaares wurden Eric Stewart (Lead Guitar und Moog-Synthesizer), Lol Creme (Lead Guitar und Moog-Synthesizer), Kevin Godley (Schlagzeug und Flöte), Graham Gouldman (Gitarre und Bass) verpflichtet. Raphael selbst spielt Sitar und singt gemeinsam mit Selket. Stewart & Goldman waren zuvor übrigens bei Wayne Fontana & The Mindbenders, als Quartett mit Godley & Creme sollten sie zwei Jahre später die Band 10cc bilden. Das Cover des Albums wurde von Roger Dean gestaltet. Es ließ sich zu sechsfacher Größe ausklappen und zeigt, wie die Spitze eines Kirchturms abgesprengt wird und sich als Raumschiff in den Himmel erhebt. Das Album war ein mäßiger Erfolg in England und Deutschland. Die Musik wurde mit Hawkwind und Quintessence verglichen. Bemerkenswert sind der Einsatz von Rückwärtsspuren, wirren Flötenmelodien und Becken-Crescendi zu hypnotischen Wiederholungen. Der Titel „You´re the only one, Joe“ wiederholt z.B. mehrstimmig ausschließlich diese Textzeile 35 Mal.

Aus dem Album wurden zwei Singles ausgekoppelt, wobei abermals ein Songtitel falsch übertragen wurde, so dass aus dem Track „Balloon“ die Single „Ballroom“ wurde, die musikalisch den späteren 10cc am nächsten kommt.

Da keine weiteren Veröffentlichungen folgten und es keine Live-Auftritte gab, wurde es in den folgenden Jahren ruhig um den Musiker. Das Musikerpaar zog gemeinsam mit Raphaels Mutter nach Felixstowe in Suffolk.

Erst 1975 erschien mit „Glass Top Coffin“ ein zweites Album. Die Produktion in den Phonogram Studios in London hat Barry Kirsch geleitet, als Begleitmusiker traten in Erscheinung: Jo Romero, Pete Kingsman, Roger Harrison, Bon Bertles (von Nucleus) und Colin Thurston, darüberhinaus waren Mitglieder des Royal Philharmonic und des London Symphony Orchestra an der Aufnahme beteiligt und für Chorgesang hatte man Sue Glover und Sunny Leslie von Brotherhood Of Man angefragt. Es entstand ein Album, das hymnische Gesänge über orchestralen Parts („Golden Landing I & II“) genauso enthält wie knackigen Progressive Rock („Glass Top Coffin“). Das Cover war abermals aufwändig gestaltet, nun als Klappcover mit der ausgestanzten Silhouette eines Menschen, der wie ein Raumfahrer ins All einzutauchen scheint. Aufgrund der Ausführung des Covers kam es zu Differenzen zwischen der Plattenfirma und Raphael, der seine ursprüngliche Intention nur mangelhaft umgesetzt sah und noch in letzter Sekunde vor Drucklegung an den Druckplatten letzte Korrekturen vornahm, die sich natürlich nur noch marginal auf die optische Gestaltung und den weiteren Herstellungsprozess auswirkten.

Der Künstler, der als Autonarr galt und dessen persönliches Umfeld nicht frei von Problemen war, zog sich daraufhin aus der Öffentlichkeit zurück. Die Presse vermeldete noch geringere Erfolge als Airbrush-Maler, so soll eines seiner Bilder größere Verbreitung als Druckgrafik erfahren haben. Auch soll er als Gestalter von Schachfiguren gewirkt und an einem philosophischen Buch gearbeitet haben. Kurze Zeit nach der Veröffentlichung von „Glass Top Coffin“) schied der Künstler durch Selbstmord aus dem Leben.

Seine Platten, die eine selbst für das Vertigo-Label außergewöhnliche Mischung aus Psychedelic Rock, Progressive Rock und Folkrock aufweisen, sind inzwischen begehrte Sammlerstücke. Seine Debütsingle wurde auf verschiedenen Psychedelic-Samplern wiederveröffentlicht, „Space Hymns“ ist als CD erhältlich.

Bearbeitet von DrKalv am 9. Nov. 2014, 22:10

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