The King of Limbs ist das achte Studioalbum der englischen Rockband Radiohead. Es wurde am 18. Februar 2011 als MP3- und WAV-Download veröffentlicht. Eine CD- und eine LP-Version folgten am 25. März 2011. Außerdem erschien eine umfangreiche Special-Edition, die aus zwei transparenten 10“-Vinyls, einer CD, einem digitalen Download (MP3 oder WAV) und einem 625-teiligen Artwork besteht. Die Special-Edition erschien am 9. Mai 2011, der Download war bereits seit dem 18. Februar 2011 verfügbar.

Die Veröffentlichung wurde am 14. Februar 2011 angekündigt, vier Tage vor Erscheinen des Albums. Als eigentlicher Veröffentlichungstermin war der 19. Februar 2011 angegeben. Dieser wurde jedoch am 18. Februar 2011 um einen Tag vorverlegt. Am selben Tag wurde auf dem offiziellen Youtube-Kanal der Band das Musikvideo zum Lied „Lotus Flower“ vorgestellt.

Remixe

Auf der offiziellen Radiohead-Webseite „Dead Air Space“ wurden von Juni bis September 2011 Remixe von Titeln aus dem Album u. a. von Caribou, Four Tet und Nathan Fake veröffentlicht, die über den Radiohead-Shop als Download und als 12“-Vinyl vertrieben werden. Das Anfang Oktober erschienene Remix-Album mit dem Titel „TKOL RMX 1234567“ vereint die 19 Titel der sieben Remix-Singles auf zwei CDs.

Album

Mit siebenunddreißig Minuten Spielzeit ist es das kürzeste ihrer acht Studioalben und wurde, wie alle seit „OK Computer“, wieder von Nigel Godrich produziert. Das avantgardistische Eröffnungsstück „Bloom“ gibt die Richtung vor: Zwei Klaviertöne bilden die Basis, über die Phil Selway einen scheppernden Breakbeat legt. Der Bass steigt mit einem ruhigen, aber umso eindringlicheren Lauf ein. Nach einer Minute beginnt Thom Yorke mit den Worten „Open your mouth wide/Universal sighs“, als wollte er seine Hörer auffordern, offen für das zu sein, was ihnen gleich verabreicht wird. Seine Stimme hallt durch den Raum, die letzten Silben einer Zeile sind bis zum Äußersten gedehnt. Schicht für Schicht türmt sich der Song auf und entzieht sich jeder stilistischen Einordnung. Es ist alles dabei: Synkopen, Übersteuerungen, sphärische Synthesizer, pulsierende Beats.

Über weite Strecken wirkt das Album undurchdringlich, opak und rätselhaft - wie die tausend Jahre alte Eiche im südenglischen Savernake Forest, nach der es benannt zu sein scheint. Verschlungenen Ästen gleich, wächst „The King Of Limbs“ immer weiter, verzweigt sich, schlägt Wurzeln in den Gehörgängen. Mit jedem weiteren Durchlauf blitzen bislang unbemerkte Details auf, eröffnen sich neue Zugänge. Trotz aller musikalischen Komplexität wirkt kein Stück überladen, jedes Instrument dient dem atmosphärischen Gesamteindruck. So klingt eine Band, die niemandem etwas beweisen muss. Klassische Songstrukturen sucht man auf „The King Of Limbs“ vergeblich. Refrains? Uninteressant. Strophen? Überflüssig. Erst in der zweiten Hälfte des Albums verlagert sich der Fokus von der elektronischen Musik wieder etwas mehr in Richtung Alternative Rock. Und obwohl das Quintett in Thom Yorke, Jonny Greenwood und Ed O’Brien gleich drei hervorragende Gitarristen hat, spielt das Instrument diesmal nur eine untergeordnete Rolle.

Gänsehautballade aus der Zukunft

„Codex“ - sicher einer der schönsten Songs, die Radiohead je geschrieben haben - beginnt mit Yorkes Stimme, die nach einer Sekunde jäh abgeschnitten wird. Es erklingen simple, überwältigende Klavierakkorde, während der Gesang von Neuem einsetzt und ein kaum wahrnehmbarer Beat dem Stück seinen Herzschlag verleiht. Bläser und Streicher tauchen auf und verhallen wieder, hohe sphärische Klänge breiten sich im Hintergrund aus. Radiohead spielen ihr „The Long and Winding Road“ - eine Gänsehautballade aus der Zukunft.

Besonders eindrucksvoll ist das Schlagzeug, das zusammen mit Colin Greenwoods prägnantem Bass diesmal stärker im Rampenlicht steht. Sei es der staubtrockene Funk von „Separator“ oder der hypnotische Afrobeat in „Morning Mr Magpie“ - Phil Selway hebt seinen motorischen Krautrock-Stil auf eine neue Stufe. Zuweilen wird sogar das kurze tiefe Einatmen von Thom Yorke zu einem Teil des Beats, während dunkle Bluesrockgitarren fieberhaft die Luft zerschneiden. Mit „Feral“ tasten sich Radiohead an Post-Dubstep heran, ohne gewollt hip zu klingen. Der Bass dominiert, es piepst und schnauft wie bei Zomby oder Ramadanman. Der an Kraftwerk erinnernde Gesang besteht lediglich aus Samples und Schnipseln, Yorke klingt wie eine Mensch-Maschine.

Titelliste

Bloom – 5:15
Morning Mr. Magpie – 4:41
Little by Little – 4:27
Feral – 3:13
Lotus Flower – 5:01
Codex – 4:47
Give Up the Ghost – 4:50
Separator – 5:20

Alle Titel sind von Radiohead geschrieben, produziert von Radiohead und Nigel Godrich.

Personalaufwand

Jonny Greenwood
Thom Yorke
Colin Greenwood
Ed O’Brien
Phil Selway
Yazz Ahmed und Noel Langley - Flügelhorn auf „Bloom“ und „Codex“
Noel Langley - Flügelhorn auf „Bloom“ und „Codex“
The London Telefilmonic Orchestra - Streicher auf „Codex“
Nigel Godrich - Produzent
Drew Brown – Engineering
Robert C. Ludwig - Mastering
Bob Ludwig - Mastering
Darrell Thorp - zusätzliche Unterstützung
Stanley Donwood – Artwork

Bearbeitet von Best_of_Album am 30. Dez. 2012, 14:57

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