Biografie

Wie vom Gesang der Sirenen angezogen schwebt der Hörer durch die dichte Wolkendecke. Hinein in die Szenerie aus grün bedeckten Bäumen, Kornfeldern, einem einsamen Windrad und Holzhäuschen. Irgendwo in Iowa wahrscheinlich. Auf jeden Fall tief im Mittleren Westen der USA. Anders jedoch als in der griechischen Mythologie um den irrfahrenden Helden Odysseus becircen hier nicht weibliche Fabelwesen, sondern ein dänischer Exil-Amerikaner aus Fleisch und Blut. Peter Broderick heißt der am 20. Januar 1987 geborene junge Mann, stammt ursprünglich aus Portland und zog aus, um in Kopenhagen seine selbsterklärte Lieblingsband Efterklang live zu unterstützen. Dass dabei nach wenigen Monaten bereits das zweite Soloalbum von atemberaubender Fragilität stehen würde, das stets wohlig auseinanderzubrechen droht, hätte Broderick wohl selbst nicht für möglich gehalten.

Broderick kuschelnd mit der Akustischen, einen Fußbreit entfernt von den Loop-Pedalen, und spielt den Instrumental-Opener „Maps“. Um die bedächtig gezupfte Gitarre baut er einen sanften Chor aus mehrfach gedoppelter Stimme, der den Weg für die kommenden rund 40 Minuten bereitet. Broderick versprüht dabei einen ähnlich deprimierenden Charme wie Elliott Smith in seinen ruhigsten Momenten. Allerdings vermeidet er es, seine Emotionen wie teure Klunker für alle und jeden offen ins Schaufenster zu legen. Broderick arbeitet subtiler und versammelt auf „Home“ zehn tieftraurige Stücke aus einem fabulösen Guss, die zentnerschwer auf seinen Schultern zu lasten scheinen. Nach jedem Song vermag man einen Seufzer der Erleichterung zu hören. Endlich geschafft. Raus mit dem Seelenmüll!

Um den Hörer in die Untiefen seines Gefühlslebens zu ziehen, benötigt Peter Broderick jedoch selten viele Worte. Mitunter verzichtet er, wie in „Esbern snares gade 11, 2tv“ und „There and here“, sogar ganz darauf. Das Wenige, was Broderick dann doch noch von sich gibt, verschmilzt mit dem ruhigen Gesamtbild des Albums. Ins Gedächtnis brennen sich einzelne Fetzen, die sich durch den Sound nach vorne schleichen: „And when I’m home / I’m not at home“, „Seven shooting stars in one night / The water and sand in our eyesight“ oder auch „And with his fingers he would push / And with his fingers he would pull / To come back up“. Noch einer von denen also, die mal kräftig in den Arm genommen werden müssten.

„Home“ ist derart leise und intim geraten, dass die mit Bedacht gestreuten Momente, in denen Broderick seine Stimme übereinander bis in den Himmel loopt wie aggressive Einbrüche in das sanfte Klangbild wirken. „Below it“ und „Maps“ heißen diese Songs. Nach der letzten Eruption in „Maps“ entschwindet der Hörer mit „Games again“ sanften Fluges der malerisch friedlichen Szenerie aus Bäumen, dem Kornfeld, dem Windrad und den einsamen Häuschen. Aus den Augenwinkeln kann man Peter Broderick noch sehen, aus den Seelenwinkeln spüren. Wie er seine Gitarre an die Wand gelehnt hat und in die Weite starrt. Vielleicht mit einem ganz kleinen Lächeln auf den Lippen.

Zusammen mit Nils Frahm bildet er „Oliveray“ (Oliver&Ray, die jeweils zweiten Vornamen der Beiden) - eine musikalische Kollaboration dieser großartigen Musiker, die aus Hörerperspektive ganz wunderbar zusammenpassen und vielleicht sogar zusammen gehören.

Bearbeitet von waldgretel am 21. Sep. 2012, 17:47

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