Biografie


Mumm-Ra
Mumm-Ra ist eine Band mit bescheidenen Ambitionen. Alles, was sie vom Leben wollen, ist anders zu sein als jede andere Gruppe auf diesem Planeten, das Konzept, das gewöhnliche Sterbliche als „Musik“ kennen, auszudehnen und zu verzerren und Melodien zu schreiben, die den übernatürlichen Zauber der Maid mit der Harfe in Coleridges Gedicht ‘Kublai Khan’ wie The Horrors mit Cholera klingen lassen. Oh, und natürlich wie die Wilden abzurocken.

„Wir wollten etwas ausgesprochen Vielseitiges schaffen“, erklärt Sänger James ‘Noo’ New. „Durch sämtliche Manifestationen von Mumm-Ra hindurch waren wir immer stolz darauf, Sachen zu machen, die anders klingen, ausgefallene Ideen zu haben. Es ist nicht einfach, diese unterschiedlichen Seiten auszubalancieren und dabei gleichzeitig brillante Songs zu schreiben.“

Dabei sieht es so verblüffend einfach aus! Wie keine andere Band auf diesem Planten? Wie viele andere Bands können schon kurz vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums auf eine siebenjährige Geschichte inklusive versuchter Selbstmorde bei Gigs, Stromschläge, bewaffneter Überfälle, Bombardements mit Teebeuteln und zwanzigminütiger Sitar-Soli verweisen? Konzentrieren wir uns auf die Fakten …

Mumm-Ra (namentlich Noo, Bassist Niall, Drummer Gareth und die Gitarristen Oli und Tate) schlossen sich im Alter von fünfzehn Jahren in Bexhill-On-Sea zusammen, einer Stadt, die mit dem Konzept ‘Rock’n’Roll’ früher höchstens im Rahmen diverser inkontinenter Teetanz-Veranstaltungen in Berührung gekommen war. Für ihre Schulkameraden waren sie ‘Die Idioten, die ganz bestimmt nie cool werden, geschweige denn eine heiße Rockband gründen’. Als leidgeprüfte lokale Außenseiter hätten sie dieser Behauptung selbst aus vollem Herzen zugestimmt: In die zweifelhafte Unterwelt des Rock einzutauchen war das Letzte, woran sie dachten, während sie ihre unbeschwerten Teenagertage damit zubrachten, zu wandern, Tee zu trinken, Monopoly, Scrabble und Minigolf zu spielen und Beleidigungen seitens der cooleren Typen der Stadt aus dem Weg zu gehen (ihre Zeitgenossen nannten sie The Hair Bear Bunch nach der beliebten Comicserie, oder ganz einfach ‘schwul’).

Die Band, so betonen ihre Mitglieder, „passierte einfach“, weil sie Langeweile hatten und zu ihren Gitarren griffen - mehr als eine Art ‘Club’ denn als Band taten sie sich zusammen, bevor auch nur einer von ihnen ein Instrument beherrschte; zunächst hatten sie auch gar kein Schlagzeug, deshalb spielte Gareth Tamburin. Sechs Monate lang suchten sie nach einem geeigneten Namen, bevor sie sich für den des bösen Buben in Thundercats entschieden: nicht nur der coolste Bandname seit Carter The Unstoppable Sex Machine, sondern gleichzeitig einer, den kein Venue im ganzen Land richtig buchstabieren konnte.

„Wir sind bereits in einigen Hallen aufgetreten, und keine hat unseren Namen richtig hinbekommen“, seufzt Oli. „Im Barfly hießen wir neulich Mumrr-a.“

Es wurde immer sonderbarer: Da Bexhill keine internationalen Auftrittsmöglichkeiten zu bieten hat, sahen sich Mumm-Ra gezwungen, ihre chaotischen frühen Shows in Rathäusern, Scheunen und Ruderclubs zu bestreiten. Diese Gigs gingen bald über das Bizarre hinaus: Bei einem ‘Mini-Festival’ brachte die Band einen kochenden Wasserkessel mit auf die Bühne, was ein besonders verstörtes Mädchen im Publikum zu der Vermutung veranlasste, die Musiker würden halluzinogene Drogen brauen, und die Polizei zu rufen, bevor sie dazu überging, ihren Kopf gegen die Wand zu schlagen und vor Augen der Band ihre Handgelenke aufzuschlitzen.

Bei einem anderen Zwischenfall, ausgelöst durch fehlerhafte Verkabelung in einem Veranstaltungsort, der nur als ‘Rorys Scheune’ in die Annalen eingegangen ist, sahen Mumm-Ra sich auf der Bühne wiederholt elektrischen Schlägen ausgesetzt - sehr zur Begeisterung des Publikums, das in Anlehnung an ‘Shining’ nur aus zwei eineiigen Zwillingen bestand. Jeder Gig endete mit einer ausgedehnten experimentellen Jamming-Session mit dem Titel ‘Cobbler Cobbler’, zu der das Publikum meistens auf die Bühne gestürmt kam - bis zu dem Punkt, wo gegen Ende der Show ausschließlich von Mitgliedern des Publikums musiziert wurde. Und wehe dem, der diese Combo verlassen will: Ein Sitar-Spieler, der vor ein paar Jahren seinen Abschied nahm, ward nie wieder gehört oder gesehen, und ein ehemaliger Keyboarder sitzt zur Zeit ein wegen eines vereitelten Versuchs, eine Tankstelle unter Verwendung einer Spielzeugpistole auszurauben.

„Der Typ sagte nur ‘Die Scheibe ist kugelsicher’“, meint Niall trocken. „Er wäre nie erwischt worden, hatte aber dummerweise auf dem Heimweg einen Unfall.“

Dann, nach vier Jahren Chaos, erlebten Mumm-Ra 2005, wie sich plötzlich ein dichter Nebel von Kompetenz über sie senkte. Die Songs, die sie schrieben, waren keine planlosen Versuche mehr, sondern kühne - was sage ich? - überwältigende Popkreationen mit an die Flaming Lips erinnernden Wogen psychedelischer Majestät - zum Beispiel Stücke wie ‘Song B’, ‘Out Of The Question’ und ‘What Would Steve Do?’ (das, wie wir noch hören werden, ursprünglich anders hieß), gemischt mit starkem Alt-Rock und gletscherartigen Weltraumatmosphären. Nicht nur waren Mumm-Ra zufällig und gegen jedes Naturgesetz der Rockmusik ‘gut geworden’, obendrein hatten ihre jahrelangen Psych-Pop-Versuche sie auch noch zu einer ganz besonderen Band gemacht.

Das College hatten sie so gut wie hinter sich, es blieb nur noch eins: einen Manager zu finden (den bereits erwähnten Steve), ein paar Demos an diverse Plattenlabels zu verschicken, sich in einem Proberaum in einer Scheune zu verschanzen und es „ein Jahr lang zu versuchen“. Tatsächlich brauchten sie nur ein paar Wochen: die Reaktionen waren so überwältigend, dass schnell zwei Showcase-Gigs im Tunbridge Wells Forum und der Dorfhalle von Crowhurst organisiert wurden, bevor die A&R-Posse in die Pubs des ländlichen East Sussex einfiel, mit Schecks in der einen und Straßenkarten in der anderen Hand, verzweifelt um Wegbeschreibungen bittend (‘beim nächsten Schaf links, dann nach dem blinden Mann rechts’, etc).

Nachdem sie bei Columbia unterschrieben hatten, zogen Mumm-Ra im letzten Jahr nach Granada in Spanien, wo sie ihr Debütalbum mit dem legendären Produzenten Youth aufnahmen - und seine ziemlich finsteren Methoden erlebten, Mumm-Ras dunkle Seite herauszukitzeln.

„Während der Aufnahmen baute er eines Abends einen riesigen Projektor im Studio auf und ließ The Wicker Man im Hintergrund laufen“, berichtet Noo. „Während wir spielten, wurde also jemand verbrannt.“

Dabei brauchte Mumm-Ras innere Finsternis gar nicht großartig herausgelockt zu werden, denn die Musiker erlebten während der Aufnahmen wiederholt Tragödien: Ihr Manager starb (daher der Titel ihrer ersten Single ‘What Would Steve Do?’ - „obwohl der Song gar nicht von ihm handelt. Wir haben ihn so genannt, weil wir wussten, dass es ihm gefallen hätte“), ebenso Noos Vater - Schicksalsschläge, die das Album mit einer unterschwelligen, ernsten Arcade Fire-Eleganz durchdrangen (man höre nur ‘Light Up This Room’, ‘These Things Move In Threes’ und ‘Down, Down, Down’). Eine Eleganz, die ein ohnehin schon großartiges Popalbum paradoxerweise in die Bereiche des Überragenden erhebt.

Ein Album, das das Konzept, das gewöhnliche Sterbliche als „Musik“ kennen, ausdehnt und verzerrt? Langsam aber sicher erreichen sie diesen Punkt: Auf jeden Fall gibt es eine Menge einleitendes Schubsen und Ziehen auf ‘These Things Move In Threes’. Neben üppig wuchernden Popgeschossen wie ‘She’s Got You High’, ‘Out Of The Question’ und ‘Starlight’ finden sich munterer Country-Rock wie ‘Song B’, epische Post-Rock Schmachtfetzen wie ‘Now Or Never’ und der an Sigur Ros erinnernde orchestrale Bombast von ‘Down, Down, Down’ und ‘Sick Deal’. Ein Popalbum mit einem Hulk im Herzen! Was immer seine Wirkung, ‘These Things Move In Threes’ zählt auf jeden Fall zu den einzigartigsten, besten und erstaunlichsten Debüts des Jahres 2007.

„Ich mache mir Sorgen, dass es zu groß geworden sein könnte“, sagt Noo. „Ein wenig bombastisch ist es ja ausgefallen, aber ich glaube nicht, dass wir zu weit gegangen sind. Man kann es entweder als eine große Platte von einer großen Band betrachten, oder als eingebildete kleine 21-jährige, die meinen sie wären Pink Floyd oder so.“

Zurück aus Granada, haben Mumm-Ra ihre Bühnenkünste auf Touren mit Kollegen wie den Kooks und den Kaiser Chiefs verfeinert, zwischendurch in den Abbey Road-Studios weiter an ihrem Album geschliffen, Single-Auskoppelungen ausgesucht - ‘What Would Steve Do?’, die ‘Black Hurts Day And The Night Rolls On’-EP und ‘Out Of The Question’ klettern weiter beständig in den Charts. Alles Vorbereitungen, um sich von ‘These Things Move In Threes’ in die Rock-Stratosphäre katapultieren zu lassen.

„Ich bin jetzt bereit für den großen Sprung“, verkündet Noo vorsichtig. „Alles ist fertig, mit dem Album sind wir zufrieden, es ist genau so geworden, wie wir es uns erhofft hatten, und wir sind reif für die große Achterbahnfahrt.“

Nach fast acht Jahren Bandgeschichte, Konzerten auf der ganzen Welt, Supportshows für die Killers, die Kooks, die Kaiser Chiefs und einem grandiosen Album lösen sich Mumm-Ra jedoch 2008 auf. Die Gründe dafür bleiben im Halbdunkeln. Auf ihrer MySpace Seite kündigen sie lediglich an das einige Bandmitglieder in naher Zukunft andere Projekte verfolgen werden. Bis dahin…

Mumm-Ra fur immer.

Bearbeitet von [gelöschter Benutzer] am 5. Mai. 2009, 13:33

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