Biografie

Modern Talking war ein deutsches Popmusik-Duo, bestehend aus Thomas Anders und Dieter Bohlen.

Am Ende seines Bestehens hatte sich das Duo zur bisher kommerziell erfolgreichsten deutschen Popformation entwickelt. Der Musikstil war vorwiegend durch eingängige Melodien und Rhythmen mit Texten in englischer Sprache geprägt.

Die Karriere von Modern Talking

1984 bis 1987

Anfang der 1980er Jahre trafen sich der Komponist und Musikproduzent Dieter Bohlen und der als Bernd Weidung geborene Sänger Thomas Anders zum ersten Mal. Bohlen produzierte und schrieb für Anders Schlagerplatten, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Einen zweiten Anlauf in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Karriere sollte durch die gemeinsame Gründung eines Duos unternommen werden. Bohlen stellte das Vorhaben der Plattenfirma BMG vor. Diese stimmte zwar zu, investierte aber aufgrund von Zweifeln am möglichen Erfolg nur wenig Geld in das Projekt. Zu sehen war das beispielsweise bei den ersten Videos, die unaufwendig und mit spartanischer Ausstattung produziert wurden. Im ersten Musikvideo agierte die Band schlicht in einem nebeligen Raum voller bunter Lichter. Auch das Plattencover für das erste Album kam ohne große Fotoproduktion aus. Zu sehen waren lediglich zwei aneinander gelehnte Lack- und Turnschuhe.

Auffällig war das Auftreten der Band in den 1980ern. Thomas Anders trug weite, bunte Anzüge, ging sehr häufig zur Sonnenbank, hatte schwarze, lockige, schulterlange Haare und trug rosafarbenen Lipgloss. Dieter Bohlen ging auch oft zur Sonnenbank, hatte eine (für die damalige Zeit typische) VoKuHiLa-Frisur und trug Trainingsanzüge. Dieses Auftreten machte Modern Talking besonders in der Homosexuellenszene beliebt.

Als Debüt-Single veröffentlichte Modern Talking 1984 den Song You’re My Heart, You’re My Soul, der erst einige Zeit brauchte bis er überraschend ein nationaler und auch internationaler Hit wurde. Das erste Album The 1st Album war ähnlich erfolgreich wie auch die Single-Auskopplung You Can Win If You Want sowie Cheri, Cheri Lady, eine Auskopplung aus dem im gleichen Jahr noch folgenden Album Let’s Talk About Love.

1986 folgte das dritte Album Ready For Romance, aus dem die Songs Brother Louie (der übrigens nichts mit dem gleichnamigen Song von Hot Chocolate zu tun hat) und Atlantis Is Calling (SOS For Love) als Single ausgekoppelt wurden. Wie auch die vorherigen Singles erreichten diese beiden Platz Eins der Charts in Deutschland. Die ersten fünf Singles erreichten somit alle Platz Eins der deutschen Charts und waren international erfolgreich. Das hat bis heute (2006) außer Modern Talking nur die Gruppe Sweet geschafft.

1986 erschien das Album In The Middle Of Nowhere. Es enthielt den Song Geronimo’s Cadillac, der Platz 3 der deutschen Charts erreichte. Die zweite Auskopplung Give Me Peace On Earth erreichte die Top 30.

Das 1987 erschienene Romantic Warriors konnte die Top 10 der deutschen Album-Charts erreichen und auch die einzige Single-Auskopplung Jet Airliner erreichte die Top 10 der deutschen Charts. Das noch im gleichen Jahr veröffentlichte Album In The Garden Of Venus erreichte die Top 30 der deutschen Album-Charts dagegen nicht. Auch die Single-Auskopplung In 100 Years erreichte nur Platz 30 der deutschen Charts. Das Label „Dino“ brachte einige Monate nach der Trennung in Lizenz ein „Best Of“-Album heraus, das es bis in die Top 20 der LP-Charts schaffte.

Insgesamt verkaufte Modern Talking in den achtziger Jahren 60 Millionen Tonträger, bevor die Band sich aufgrund interner Streitigkeiten auflöste. Aus Dieter Bohlens Sicht liegt die Schuld der Trennung bei Thomas Anders’ Frau Nora Balling, die sich – Yoko Ono bei den Beatles ähnlich – stark in die Angelegenheiten der Band eingemischt habe. Dieter Bohlen zufolge verbot sie ihrem Mann bestimmte Auftritte und veränderte die Videodrehs und Konzerte nach ihren Vorstellungen.

Thomas Anders versuchte sich nach dem Ende von Modern Talking als Solist mit neuem Material. Dieter Bohlen, der zuvor bereits für Ricky King, Peter Alexander, Roy Black, Nino de Angelo und Mary Roos komponiert hatte, blieb u. a. mit der Band Blue System und als Produzent, unter anderem für Bonnie Tyler und Dionne Warwick, tätig.

1998 bis 2003

Die Plattenfirma BMG wollte seit dem Ende von Modern Talking immer eine „Best of“-Platte veröffentlichen. Dieter Bohlen war jedoch jahrelang dagegen. 1997 kam er auf die Idee, statt eines Best of-Albums ein völlig neues Album zu veröffentlichen und Modern Talking wieder zu beleben. Er nahm Kontakt mit Thomas Anders auf und der willigte ein.

1998 kam das Duo ein zweites Mal zusammen. Modern Talking veröffentlichten sowohl Remixes älterer Songs als auch neue Lieder, mit denen sie sich in den Hitparaden platzieren konnte. Ihr Album Back For Good landete an der Spitze der deutschen Charts und die neue Version von You’re My Heart, You’re My Soul erreichte Platz 2. Bei den ersten sechs Songs arbeiteten sie mit dem Rapper Eric Singleton zusammen, der in den Instrumentalparts dieser Songs rappte.

Nach dem Comeback wurden die Videoclips, Konzerte und Auftritte deutlich anspruchsvoller produziert. So trugen Thomas Anders und Dieter Bohlen in den Videoclips meistens dunkle Maßanzüge.

Im Jahr 1999 veröffentlichten sie das Album Alone, das, im Gegensatz zu Back For Good, ausschließlich neue Songs enthielt. Als Singles wurden You Are Not Alone und Sexy Sexy Lover ausgekoppelt. Beide konnten sich in der Top-20 der Charts platzieren.

Weil 2000 das Jahr des Drachen im chinesischen Kalender war, nannte Dieter Bohlen das neunte Album von Modern Talking 2000 - Year Of The Dragon. Passend dazu hieß die erste Single-Auskopplung China In Her Eyes, die auch die Top-10 der Charts erreichte. Die zweite Auskopplung Don’t Take Away My Heart erreichte dagegen nur die Top-50 der Charts.

2001 erschien dann America, das zehnte Album von Modern Talking. Die erste Single-Auskopplung wurde in der folgenden Formel-1-Saison als Hintergrund-Musik verwendet und trug den passenden Titel Win The Race; sie kam bis auf den fünften Platz der Charts. Die zweite Auskopplung Last Exit To Brooklyn erreichte nur Platz 37.

2002 erschien Victory, das mit der Single Ready For The Victory eine zweite Hintergrund-Musik für die Formel 1 enthielt. Für die zweite Single Juliet ließ sich Dieter Bohlen von der Disco-Musik der 1970er inspririeren.

Anfang 2003 veröffentlichten Modern Talking die Single TV Makes The Superstar vom Album Universe. Textlich bezog sich Dieter Bohlen auf seine Erfahrungen aus der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar, in der er als Jury-Mitglied wirkte.

Im Juni 2003, vor Veröffentlichung eines weiteren Best-Of-Albums, trennten sich Modern Talking erneut. Bereits zum Auftakt der Universe-Tournee verkündete Dieter Bohlen am 7. Juni 2003 während des Rostocker Konzerts vor 25.000 Zuhörern, dass es mit Modern Talking vorbei sei.

Am 23. Juni 2003 erschien dann The Final Album - The Ultimate Best Of. Begleitet wurde diese erneute Trennung von einem Streit, den Dieter Bohlen durch Aussagen über seinen Gesangspartner in seiner zweiten Autobiografie Hinter den Kulissen (erschienen am 4. Oktober 2003) auslöste. Unter anderem wurde Thomas Anders darin vorgeworfen, aus der Bandkasse unerlaubterweise Geld entnommen zu haben. Nach Klage von Thomas Anders und entsprechendem Gerichtsurteil darf Dieter Bohlen seit Mitte 2004 diese Behauptung nicht mehr wiederholen.

In den fünf Jahren ihres Comebacks (1998 bis 2003) verkaufte Modern Talking noch einmal über 60 Millionen Tonträger. Insgesamt wurden damit etwa 120 Millionen Tonträger verkauft, was Modern Talking zu einer der bisher kommerziell erfolgreichsten deutschen Bands machte.

Auf dem Soundtrack von Dieter - Der Film, der am 3. März 2006 veröffentlicht wurde, befindet sich mit Shooting Star ein zuvor unveröffentlichter Modern-Talking-Song. Dieser wurde aus alten Gesangsparts von Thomas Anders zusammengeschnitten und einer neuen Melodie unterlegt. Teile der Strophen stammen aus älteren Modern-Talking-Hits wie zum Beispiel „Don’t Take Away My Heart“. Da Modern Talking zu diesem Zeitpunkt schon lange getrennt waren, besteht der Refrain auch nur aus den charakteristisch hohen Chören, weil Thomas Anders nicht für diese Produktion zur Verfügung stand.

Erfolg und Kritik

Erfolg hatten Modern Talking vor allem in Kontinentaleuropa, in Asien, in Südamerika, in Australien und in einigen afrikanischen Ländern. In Großbritannien waren sie dagegen nur einmal in den Top Ten (Brother Louie, Platz 4 in den BBC-Charts, 1986). In den USA waren Modern Talking nie in den Charts, obwohl sie dort manchmal Touren für europäische Einwanderer machten.

Musikkritiker waren von Modern Talking wenig begeistert und gaben der Band aufgrund ihrer Musik und ihres Auftretens fast ausschließlich schlechte Kritiken. Obwohl man die Eingängigkeit und professionelle Produktion der Songs anerkannte, wurde die mangelnde Originalität gegenüber britischen Vertretern dieser Musikgenres, wie zum Beispiel den Pet Shop Boys oder Erasure bemängelt. Zu Recht wurde kritisiert, dass viele der Titel recht ähnlich klingen würden; eine Tatsache die Bohlen auch offen eingesteht (Zitat aus dem Jahre 1989: „Ich streite gar nicht ab, dass alle Modern-Talking-Hits sehr, sehr ähnlich klingen. Wir haben aus unseren LPs immer diejenigen Titel als Singles ausgekoppelt, die möglichst so klingen wie die Vorgänger.“).

Es existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Cover-Versionen von Modern-Talking-Songs in verschiedenen Sprachen und Musikstilen. Beispielsweise gibt es eine Orchester-Version von James Last zu You’re My Heart, You’re My Soul.

Musik

Dieter Bohlen ließ sich für die Modern-Talking-Songs von Italo Disco inspirieren, insbesondere vom falsettartigen Refrain des Titels Precious Little Diamond der Formation Fox The Fox, in dem er einen starken emotionalisierenden Effekt auf Discothekenbesucher erkannte, was er auf ähnliche Weise versuchen wollte. Er prägte durch seine Charterfolge den Euro-Disco-Sound mit.

Die meisten Titel wie zum Beispiel Brother Louie (siehe Noten) bauen auf einem gleichförmigen Schlagzeug-Pattern und einer Bassfigur auf. Darüber werden Keyboard-Flächen, Klaviereinwürfe sowie rhythmische Synthesizerfiguren gelegt. Im Titel You’re My Heart, You’re My Soul (siehe Noten) wechseln zum Beispiel Akkordblöcke des Klaviers taktweise mit einer schnellen Synthesizerfigur in 16-tel und 8-tel Notenwerten. Um den Songs zusätzlichen „Drive“ zu verleihen, werden gelegentlich, wie im Titel Geronimos Cadillac (siehe Noten), E-Gitarren oder Synthesizer-Riffs eingebaut. Anders als es Dieter Bohlen oftmals vorgeworfen wird, verwendete er für seine Songs stets mehr als die eher für Schlager und Punkrock üblichen „drei Akkorde“: Meist basieren die Songs auf mindestens sechs Akkorden, wobei vor allem in den ersten Hits von Modern Talking vornehmlich Moll-Akkorde im Vordergrund stehen. Ein Großteil der Songs ist im Vier-Viertel-Takt geschrieben, einige Balladen orientieren sich dagegen am Drei-Viertel- bzw. Sechs-Achtel-Takt und in der Formel-1-Hymne Win The Race werden Shuffle-Rhythmen verwendet.

Nach dem Comeback orientierte sich Bohlen, gängiger Pop-Mode entsprechend, am für die 1990er typischen Eurodance-Sound.

Da sich 1986 die Single mit ihrer ersten Ballade (Give Me Peace On Earth) als Flop entpuppte, wurde später keine Ballade mehr als Single ausgekoppelt.

Gesang

Modern Talking fiel durch sehr hohe Falsett-Tonlagen und durch den schlagerhaften Gesang von Thomas Anders auf.

Die Gesangsleistung von Dieter Bohlen ist umstritten. 2001 einigten sich die drei Studiosänger Rolf Köhler, Detlef Wiedeke und Michael Scholz, die vor dem Berliner Landgericht geklagt hatten, mit Modern Talking auf eine Entschädigung von jeweils 100.000 DM. Sie und, wie nach früheren Dementis erst 2004 bekannt wurde, besonders der Schlagersänger Nino de Angelo waren maßgeblich für die charakteristisch hohen Stimmen im Klangensemble von Modern Talking verantwortlich. Das Duo bestand also gesanglich aus einem Sextett. Bis 1987 war noch der Studiosänger Birger Corleis an den Produktionen beteiligt. Für die neueren Alben wurden drei neue Studiosänger für den Gesang engagiert.

Texte

Die Texte von Modern Talking werden üblicherweise als „schmalzig“ und leicht verständlich bezeichnet. Bohlen merkte zur Entstehungsgeschichte des Textes von You’re My Heart, You’re My Soul in seiner Autobiographie an: „Ich gebe zu: ich wusste nicht, dass wir einen Welthit haben würden, deshalb habe ich den Text mal eben in einer halben Minute hingekliert. Popoabwischen dauert länger. Thomas als Sänger war ähnlich fix.“

Es werden oft surrealistische Traumbilder und Klischees erwähnt („Boulevard Of Broken Dreams“ aus Geronimo’s Cadillac). Manchmal enthalten sie kleine Geschichten (wie die über Brother Louie). Die Texte des Duos handeln zum Großteil von Liebe (Cheri Cheri Lady) und vom Gewinnen (Win The Race oder You Can Win If You Want).

Videoclips

Die Videoclips von Modern Talking waren in den 80er Jahren dominiert von Nebeleffekten, bunten Lichtern und Prismen. Die Videoclips, die Modern Talking nach ihrem Comeback produzierten, zeigten Tänzerinnen in computeranimierten Kulissen, und waren deutlich teurer und aufwändiger.

Medien

Modern Talking waren in den Medien oft präsent. Das liegt teils am großen Erfolg, aber auch an der Medienpräsenz der beiden Mitglieder. So erreichte Dieter Bohlen eine sehr große Popularität durch seinen Sitz in der Jury der erfolgreichen Casting-Show Deutschland sucht den Superstar, und Thomas Anders durch seine Tätigkeit als Moderator der Musik-Show Best of Formel Eins.

In den Medien waren Modern Talking immer wieder Angriffen bezüglich ihrer Musik und ihres Auftretens ausgesetzt und das Ziel zahlreicher Parodien. Eine beliebte Requisite zum Parodieren von Thomas Anders war z. B. die NORA-Kette (Geschenk und Liebeszeugnis seiner Ex-Frau Nora Balling), welche schon in der Realität sehr groß und gut sichtbar war und bei Parodien übergroß karikiert wurde. Dieter Bohlen reagierte auf die Kritik folgendermaßen: Diese Leute können nur Witze über jemanden machen, den man auch kennt, und Modern Talking kennt eben jeder.

Anekdote

In mehreren Interviews sagte der Moderator Ingolf Lück, dass man in der damals einzigen Musikvideosendung im deutschen Fernsehen Formel Eins den Titel You’re My Heart, You’re My Soul aus Spaß gesendet hatte, obwohl man ihn „abgrundtief schlecht“ fand. Man habe damit feststellen wollen, wie groß die Medienmacht der Sendung Formel Eins tatsächlich war. In der Tat platzierte sich der Titel kurze Zeit später als Nummer-Eins-Hit in den Charts. So wurde „Formel Eins“ eher unfreiwillig zum Wegbereiter für Modern Talking.

Bearbeitet von Wulfenlord am 2. Jan. 2007, 11:49

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