Mission of Burma ist eine amerikanische Post-Punk-Band aus Boston, Massachusetts, USA. Trotz ihrer kurzen ersten Wirkungsphase von 1979 bis 1983 hatten sie einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Richtungen Alternative und Post-Punk. Im Jahr 2002 kam es nach knapp 20 Jahren zur Reunion.

Die Band besteht aus Gitarrist Roger Miller, Bassist Clint Conley und Drummer Peter Prescott, mit Bob Weston (zu Beginn Martin Swope) als Tape-Manipulator und Soundingenieur. Die drei Musiker teilen sich die Arbeiten des Songwritings und Gesanges, wobei Roger Miller als Kopf der Band gilt. Der Song „That’s When I Reach For My Revolver“, welcher von Roger Miller geschrieben wurde, ist das erfolgreichste und wohl bekannteste Stück der Band.

Wie viele ihrer Post-Punk- und No-Wave-Zeitgenossen bemühten sich Mission of Burma, den ursprünglichen Gedanken des Punkrocks auszubauen und zu verändern, ohne dessen grundlegenden rebellischen Geist zu verlieren. Das besondere an dieser Herangehensweise bei Mission of Burma ist ihre gute musikalische Ausbildung (Miller hat Klavier, Tuba und Komposition auf dem College studiert) und in kleinerem Maße ihre Liebe zu Protopunk-Bands der späten 1960er und frühen ’70er Jahre wie MC5 und den Stooges, welche beide wie Miller und Swope aus Michigan kommen.

In der Zeit nach der Auflösung der Band nahm ihr Ruf annähernd legendäre Dimensionen an. Heutige Musikkritiker heben die Arbeit von Mission of Burma als entscheidenden Wendepunkt in der nordamerikanischen Independent-Musik hervor. Eine Vielzahl von Bands haben Mission of Burma als Inspiration für ihre Arbeit angegeben: Nirvana, Creed, R.E.M. (welche Academy Fight Song auf ihrer Green-Tour spielten), Sonic Youth, Yo La Tengo, Soul Asylum, Pixies, Sugar, Graham Coxon und Moby – die letzten beiden coverten „That’s When I Reach For My Revolver“.

Die Musik

Durch schnelle Dynamikwechsel, für Punk unkonventionelle Taktarten und Akkordfolgen und zusammen mit markanten Tape-Effekten stellten sie die vorherrschenden Ausdrucksweisen des Punks in Frage, ohne die Kraft und Direktheit zu verlieren. Auf einem rein intellektuellen Niveau ist die Herangehensweise von Mission of Burma der von Glenn Branca (einem frühen Zeitgenossen Burmas) und später der von den Branca-Schülern Sonic Youth ähnlich.

Lyrics

Lyrisch bediente sich die Band dadaistischer Techniken („This Is Not A Photograph“, „Nu Disco“, „Go Fun Burn Man“), Punkrock-Wut („Fun World“, „New Nails“, „1970“), der Verfremdung („Mica“, „That’s When I Reach For My Revolver“, „Trem Two“, „Academy Fight Song“), Kunst („Max Ernst“) und Erzählungen („That’s How I Escaped My Certain Fate“).

Liveauftritte

Ihre Live-Auftritte waren bekanntermaßen in einem ziemlich lockeren Rahmen und zumeist um einiges rauher als die Aufnahmen; der Titel ihres Live-Albums („The Horrible Truth About Burma“) bezieht sich auf diese Eigenheiten der Band bei Live-Auftritten. Der Bostoner Kritiker und Scene-Kenner Tristam Lozaw benutzte einen Kinderreim, um Mission of Burma live zu beschreiben: „when they were good, they were very very good, but when they were bad they were horrid … But that was the nature of the beast … Because they took chances, you never knew whether you were going to get one of the most spectacular experiences of your life or if it was going a ball of incomprehensible noise.“ (Azerrad, 106) Wenn die Band ihre improvisatorische Seite auslebte, trug das unberechenbare Chaos von Swopes Tape-Effekten noch etwas zu dem unstimmigen Wirrwar bei, die Hauptkritikpunkte waren (nach Lozaw) der Live-Sound sowie die Dynamik und das Timinig ihrer Stücke. Wenn sie mit einem Auftrittsort konfrontiert waren, an welchem die Anlage oder die Raumakustik den für Mission of Burma typischen Sound nicht klar wiedergeben konnte, ging Swope trotzdem keine Kompromisse ein und entschied sich, diesen trotzdem umzusetzen. Die Setliste der Band (über welche kurz vor dem Auftritt beraten wurde) reichte von gut abgestimmt bis anscheinend zufällig, und (abgesehen von „Secrets“ als Opener und „All World Cowboy Romance“ oder einem Cover als Zugabe) gab es eine Abneigung, eine Reihenfolge, welche sich einmal als erfolgreich herausgestellt hatte, zu wiederholen. Die ohnehin schon fast zufällige Zuschauerwirkung konnte komplett zusammenbrechen, wenn sie sich für eine ungünstige Reihenfolge entschieden hatten. Im Gegensatz dazu konnte die Band, wenn alle Übergänge funktionierten, die dynamischen Unterschiede der Songs als aufregende und unvorhergesehene Wirkung nutzen.

Swopes Tape-Manipulationen und Soundingenieur-Techniken

Prescott beschrieb die Technik von Swope 1997 in einem Interview: „What Martin did … was tape something that was going on live, manipulate it, and send it back in (via the soundboard) as a sort of new instrument. You couldn’t predict exactly how it would sound, and that got to be the really fun thing I think we all liked. We wanted to play this hammer-down drony noise stuff, but we also wanted another sound in there.“ Swopes Arbeit reichte von subtil und nahezu kaum wahrnehmbar, bis markant und sogar misstönend. In Michael Azerrads Our Band Could Be Your Life wird berichtet, dass „eine Menge Leute überhaupt nichts von Swopes Beitrag wussten und verwirrt waren, wie die Musiker auf der Bühne ihren Instrumenten solche verblüffenden Phantomsounds abringen konnten (sinngemäße Übersetzung).“ Obwohl Swopes Arbeit ein so wesentlicher Bestandteil des Sounds war, erschien er kaum auf der Bühne, gelegentlich erschien er, um die zweite Gitarre bei Zugaben zu spielen.

Bandgeschichte

Die Anfänge

Mission of Burma hat seine Wurzeln in einer kurzlebigen Bostoner Rockband mit dem Namen Moving Parts. Die Besetzung bestand aus Roger Miller, der kürzlich aus Ann Arbor (Michigan) hinzugezogen ist, Clint Conley (ursprünglich aus Darien (Connecticut), danach Besuch der University of Rochester in New York), Keyboarder Erik Lindgren und Drummer Boby Bear. Obwohl die Mitglieder alle gut mit einander auskamen, gingen die Vorstellungen von Miller und Conley in eine andere Richtung als die von Lindgren. Als sie sich dann im Dezember 1978 auflösten, begannen Miller und Conley neue Drummer auszuprobieren und entschieden sich für den geborenen Bostoner Prescott, welcher ehemals bei der Artrockband The Molls spielte.

Zu dem Namen Mission of Burma wurden sie von einer Gedenkplatte inspiriert, welche Conley an einer diplomatischen Botschaft entdeckt hatte; er dachte, dass der Name eine „düstere und beunruhige“ Wirkung hat (Michael Azerrad, 97). Mission of Burma hatte ihren ersten Auftritt im April 1979 als Trio, doch später im Monat schrieb Miller einen Song („New Disco“), welcher – dachte er – durch ein Tape-Loop verbessert werden könnte. Miller setzte sich mit dem ebenfalls aus Ann Arbor weggezogenen Martin Swope in Verbindung, mit welcher er früher schon ein paar von John Cage und Karlheinz Stockhausen inspirierte Stücke für Klavier und Tape geschrieben hatte. Swope wurde unverzüglich als Live-Audio-Engineer und gelegentlicher Tape-Effekt-Künstler eingesetzt (und damit als Hilfsmitglied in die Band aufgenommen). Seine letzte Rolle wuchs stetig (sowohl live als auch in der Studio-Arbeit, wie auf „The Horrible Truth About Burma“ dokumentiert), bis er 1981 allen Songs Tape-Effekte beimischte und als festes Mitglied der Band angesehen wurde und damit sowohl auf den Bandfotos als auch in den Credits der Platten auftauchte.

Mission of Burma war in ihrer Heimatstadt und Umgebung bekannt, und machte regelmäßige Touren nach New York und Washington, D.C. Sie legte einige klein angelegt nationale Touren hin, die eigentlich gut angenommen wurden (Jello Biafra war ein Fan), aber weitete ihren Hörerkreis nicht bedeutend aus, vielleicht weil Indie-Rock-Netzwerke – sowohl bezogen auf die Live-Auftritte als auch auf den Plattenvertrieb – damals nicht annähernd so ausgebaut waren, wie es ein paar Jahre später sein sollte.

Die Auflösung

Nach der Veröffentlichung ihres ersten Studioalben „Vs.“ löste sich die Band auf. Der Grund war ein Tinnitus bei Miller infolge der bekanntermaßen lauten Auftritten der Band. „Vs.“ hat seitdem eine Menge Lob geernetet; in einer Plattenkritik heißt es: „very few American bands from the 1980s released an album as ambitious or as powerful as Vs., and it still sounds like a classic.“ „New Nails“ scheint die Voraussetzungen für Sonic Youth zu schaffen, mit schroffen Gitarren und „shouted“ Gesangsparts, beeinflusst von dem Roman VALIS des Autors Philip K. Dick (der als anti-religiös gilt), zum Beispiel: „The Roman Empire never died / It just changed into the Catholic Church“.

Nach Mission of Burma

Miller und Swope richteten danach ihre Aufmerksamkeit auf ihr etwas ruhigeres Nebenprojekt Birdsongs Of The Mesozoic (mit ihrem ehemaligen Mitstreiter Lindgren), welches sie dann in den ’90er Jahren verließen, Miller um sich mehreren Solo-Projekten und Filmen (mit dem Alloy Orchestra begleitete er Stummfilme musikalisch) zu widmen, Swope zog es in die Einsamkeit Hawaiis. Prescott blieb weiterhin aktiv in der Bostoner Musikszene, er gründete Volcano Suns und später Kustomized and The Peer Group. Mit Ausnahme der Produktion einer Platte von Yo La Tengo, zog sich Conley aus der Musik zurück und arbeitete als Produzent für eine Bostoner Fernsehstation, bis er 2001 mit Consonant seine musikalsiche Laufbahn wieder aufnahm.

Im Jahre 2001 erschien Michael Azerrads Sammlung von Essays (Our Band Could Be Your Life) über eine handvoll einflussreicher amerikanischer Bands der Post-Punk-Ära, dabei auch Mission of Burma. Die Publikation des Buches stellte die Band einem großen Publikum vor, welche vorher noch nie von der Band gehört hatten.

Die Reunion

2002 fand sich die Band wieder zusammen und begann mit Bob Weston von Shellac (und ehemals Prescotts Volcano Suns-Bandmitglied) aufzutreten, Weston ersetzte Swope am Mischpult und als Tape-Manipulator. In einem Interview erklärt Miller: „when we approached Bob Weston to fill Martin’s position, we told him he could use current digital technology which accomplishes Martin’s antics in an easier fashion. However, Bob opted for maintaining the original integrity, and uses a tape deck.“

Ein neues Alben mit dem Titel „ONoffON“ wurde 2004 von Bob Weston in Zusammenheit mit Rick Harte und der Band produziert, und am 4. Mai bei Matador Records veröffentlicht. Die Platte landete auf Platz 90 der Village Voice Pazz & Jop Kritikerumfrage. Die Liveplatte „Snapshot“ der wiedergegründeten Mission of Burma wurde ausschließlich für iTunes veröffentlicht.

Im September 2005 begann Mission of Burma die Aufnahmen für ihr drittes Studio-Alben mit dem vorläufigen Titel (unter anderen) „Aluminum Washcloth“. Die Aufgabe des Produzenten übernahm Bob Weston. Am 23. Mai 2006 wurde das Alben dann mit dem Titel „The Obliterati“ ebenfalls bei Matador veröffentlicht.

Bearbeitet von krischanski am 18. Dez. 2009, 13:20

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  • 1979
Aufgelöst (Jahr):
  • 1983
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  • 2002
Gegründet in (Ort):
  • Boston, Massachusetts, USA
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