Ludwig van Beethoven (~ 17. Dezember 1770 in Bonn; † 26. März 1827 in Wien) war ein deutscher Komponist der Wiener Klassik. Er gilt als der Komponist, der die Musik dieser Stilepoche zu ihrer höchsten Entwicklung geführt und der Romantik den Weg bereitet hat.

Bonn (1770-1792)

Ludwig van Beethovens väterliche Vorfahren stammten aus Mecheln im flämischen Brabant. Mit seinem Großvater (1712 - 1773), der ebenfalls Ludwig hieß, ging erstmals ein Musiker aus der Familie hervor. 1733 wurde er als Basssänger an den Kurfürstlichen Hof nach Bonn berufen, 1761 ernannte ihn der neue Kurfürst Maximilian Friedrich zum kurkölnischen Hofkapellmeister. Sein Sohn Johann (14. November 1740 - 18. Dezember 1792) wurde Tenorsänger an der Hofkapelle und erwarb sich darüber hinaus Ansehen als Musiklehrer. Am 12. November 1767 heiratete er die früh verwitwete Maria Magdalena Leym geb. Keverich (* 19. Dezember 1746). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen nur drei das Säuglingsalter überlebten: Ludwig, Kaspar Karl (getauft 8. April 1774) und Nikolaus Johann (getauft 2. Oktober 1776). Die Geburt eines Bruders gleichen Namens Anfang April 1769 trug später zu Ludwig van Beethovens Verunsicherung über sein tatsächliches Alter bei.

Als drittes Kind wurde Ludwig van Beethoven am 17. Dezember 1770 in der Kirche St.-Remigius-Kirche in Bonn getauft. Geboren wurde er, wahrscheinlich am 16. Dezember, in der Wohnung der Familie im Haus Nr. 515 (heute Haus Nr. 20) in der Bonngasse.

Obwohl Beethoven erst drei Jahre alt war, als sein Großvater am 24. Dezember 1773 starb, verklärte er diesen zur familiären Identifikationsfigur.

Ausbildung und Erziehung

Johann van Beethoven erkannte früh die außerordentliche Begabung seines Sohnes und sorgte für eine solide Musikausbildung, an der auch Kollegen der Hofkapelle mitwirkten: der Hoforganist Gilles van den Eeden, der Sänger Tobias Pfeifer, die Violinisten Franz Georg Rovantini und Franz Ries u.a. Über Johann van Beethovens Unterricht sind gewalttätige Übergriffe auf seinen Sohn überliefert. Ob diese Berichte regelmäßige oder vereinzelte Vorfälle schildern, ist unklar.

1782 trat der Komponist und Kapellmeister Christian Gottlob Neefe die Nachfolge van den Eedens als Hoforganist an. Neefe erteilte Beethoven zeitweise Klavier- und Kompositionsunterricht und vermittelte die Veröffentlichung erster Klavierkompositionen: der Variationen über einen Marsch von Dressler WoO 63 und der so genannten Kurfürstensonaten WoO 47. Ob ihm allerdings die herausragende Rolle als Lehrer Beethovens zukommt, die ihm in der Literatur zugeschrieben wurde, ist zweifelhaft. Im Zusammenhang mit einer Neuorganisation der Hofmusik durch Maximilian Franz, den Nachfolger des verstorbenen Kurfürsten Max Friedrich, kam es 1784 zum Bruch zwischen Beethoven und Neefe.

Im Alter von sieben Jahren trat Beethoven zum ersten Mal öffentlich als Pianist auf. 1782 wurde er Stellvertreter Neefes an der Orgel, zwei Jahre später erhielt er eine feste Anstellung als Organist. Darüber hinaus wirkte er als Cembalist und Bratschist in der Hofkapelle.

Beethovens Schulbildung ging über Grundlegendes wie Lesen, Schreiben und Rechnen kaum hinaus. Zusätzlich erhielt er aber zeitweise Privatunterricht in Latein, Französisch und Italienisch. Geistige Anregung erhielt er darüber hinaus von Freunden aus Bonner Bürgerkreisen, allen voran der Medizinstudent und spätere Arzt Franz Gerhard Wegeler sowie die Familie von Breuning, zu der Beethoven eine geradezu familiäre Beziehung pflegte. Die Freundschaft zu Wegeler und zu Stephan von Breuning dauerte trotz gelegentlicher Krisen lebenslang.

Am Hof des Kurfürsten Maximilian Franz herrschte ein liberales Klima. Aufklärerisches Gedankengut wurde u.a. in den Kreisen des Illuminatenordens, einer aus den Freimaurern hervorgegangenen Geheimgesellschaft, gepflegt. Zahlreiche Hofmusiker waren Mitglied der Bonner Loge, Neefe stand ihr vor. Nach dem Verbot der Illuminaten 1785 sammelten sich ihre Bonner Mitglieder in der 1787 gegründeten Lese- und Erholungsgesellschaft. Durch den an der Bonner Universität lehrenden Eulogius Schneider kam Beethoven auch früh mit den Ideen der Französischen Revolution in Berührung.

Studienreise nach Wien

1784 schrieb Neefe über Beethoven, er werde „gewiß ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschreite wie er angefangen“. Bei Maximilian Franz, Kurfürst seit 1784 und erklärter Liebhaber Mozarts, traf diese Einschätzung auf fruchtbaren Boden. Ende Dezember 1786 brach Beethoven zu einer von Max Franz geförderten Reise nach Wien auf, um Kompositionsschüler Mozarts zu werden. Als Beethoven nach etwa dreimonatigem Aufenthalt die Rückreise antrat, unterbrach er diese mehrfach, um in Regensburg, München und Augsburg Station zu machen. Im Mai 1787 kehrte er nach Bonn zurück. Es ist nicht bekannt, ob es überhaupt zu einer Begegnung mit Mozart kam; für einen Unterricht durch das Vorbild fehlt jeder Beleg, und der Kurfürst zeigte sich von den Ergebnissen der Reise entsprechend enttäuscht. Der Grund für das Scheitern des Plans ist unklar.

Letzte Bonner Jahre und Abschied von Bonn

Zurück in Bonn traf Beethoven auf eine dramatisch veränderte familiäre Situation. Der Gesundheitszustand der an der „Schwindsucht“ erkrankten Mutter hatte sich in kritischer Weise verschlechtert; sie verstarb am 17. Juli 1787. Der Vater verlor zunehmend die Kontrolle über seinen ohnehin hohen Alkoholkonsum, so dass er schließlich nicht mehr in der Lage war, für seine drei Söhne zu sorgen. 1789 wurde er vom Dienst suspendiert, und Ludwig als ältestem Sohn wurde die Verfügungsgewalt über die Hälfte der Pension des Vaters erteilt, wodurch ihm faktisch die Rolle des Familienoberhauptes zufiel.

Durch seinen Eintritt in den Deutschen Orden kam der aus Wien stammende Graf Ferdinand Ernst von Waldstein nach Bonn. Er wurde Beethovens erster adeliger Förderer, regte ihn zu Kompositionen an, so zur Musik zu einem Ritterballett WoO 1 und zu den Variationen über ein Thema von Graf Waldstein WoO 67, und nutzte seinen Einfluss auf den Kurfürsten, um ihn zur Fortsetzung der Förderung Beethovens zu bewegen.

Als im Juli 1792 Joseph Haydn auf dem Rückweg einer Englandreise in Bonn Station machte, wurde ein zweiter Studienaufenthalt Beethovens in Wien vereinbart. Nachdem Mozart bereits verstorben war, sollte er nun – nach einem Stammbucheintrag Waldsteins – „Mozart’s Geist aus Haydens Händen“ erhalten. Noch im November desselben Jahres brach Beethoven nach Wien auf.

Die erste Wiener Dekade (1792-1802)

Eine Folge von Ereignissen bewirkte, dass aus Beethovens Studienreise nach Wien ein dauerhafter und endgültiger Aufenthalt wurde. Kurz nach Beethovens Ankunft, am 18. Dezember 1792, starb sein Vater. 1794 besetzten französische Truppen das Rheinland, und der kurfürstliche Hof musste fliehen. Damit war Beethoven nicht allein der Boden für die Rückkehr nach Bonn entzogen; auch die Gehaltszahlungen des Kurfürsten blieben nun aus. Im Frühjahr 1794 schließlich siedelte sein Bruder Kaspar Karl nach Wien über, im Dezember 1795 folgte auch Bruder Johann.

In Wien fand Beethoven bald die Unterstützung adeliger Musikliebhaber, die ihm halfen, in der neuen Heimat Fuß zu fassen, darunter Fürst Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz und Gottfried Freiherr van Swieten. Eine besondere Rolle spielte Fürst Karl Lichnowsky; in seinem Haus knüpfte Beethoven Kontakte zu Wiener Musikerkreisen und lernte den Geiger Ignaz Schuppanzigh kennen, der als Interpret wesentlich zur Verbreitung seiner Werke beitragen sollte. Lichnowsky stellte Beethoven zeitweise eine Wohnung in seinem Haus zur Verfügung.

Von 1800 an zahlte Lichnowsky an Beethoven ein jährliches Gehalt in Höhe von 600 fl. und schuf damit für die folgenden Jahre die Grundlage für eine unabhängige künstlerische Existenz.

Unterricht bei Haydn und anderen

Wie vereinbart nahm Beethoven bei Haydn Kompositionsunterricht. Das Verhältnis zwischen dem renommierten Lehrer und dem eigenwilligen, selbstbewussten Schüler blieb nicht frei von Meinungsverschiedenheiten und Konflikten, so, als Haydn Bedenken gegen Beethovens Klaviertrio op. 1 Nr. 3 äußerte, da er es für zu schwer verständlich hielt. Auch wenn Beethoven einmal über seinen Lehrer gesagt haben soll, „nie etwas von ihm gelernt“ zu haben, so hat Haydn tatsächlich Beethovens Entwicklung als Komponist nachhaltig geprägt, v.a. auf den Gebieten der Symphonie und der Kammermusik.

Allerdings scheint Beethoven unzufrieden mit Haydn als Lehrer gewesen zu sein. Heimlich nahm er Unterricht bei Johann Baptist Schenk. Ab 1794 studierte er Kontrapunkt bei Johann Georg Albrechtsberger, und von Antonio Salieri ließ er sich in der Gesangskomposition unterweisen.

Pianist und Komponist

Beethovens Erfolge als Komponist hängen anfangs eng mit seiner Karriere als Klaviervirtuose zusammen. In den ersten 10 Jahren in Wien entstanden allein 20 seiner 32 Klaviersonaten, darunter die Grande Sonate pathétique op. 13 in c-Moll und die beiden Sonaten op. 27, deren zweite unter der (nicht von Beethoven stammenden) Bezeichnung „Mondscheinsonate“ bekannt wurde; der Titelzusatz „quasi una fantasia“ deutet an, dass die Improvisation am Klavier eine wichtige Inspirationsquelle für den Komponisten war.

Am 29. März 1795 trat Beethoven mit seinem Klavierkonzert B-Dur op. 19 erstmals als Pianist an die Wiener Öffentlichkeit. Besonderes Aufsehen erregte er auch durch seine herausragende Fähigkeit zum freien Fantasieren. 1798 unternahm der junge Virtuose eine Konzertreise u.a. nach Prag, Dresden und Berlin, die ein großer künstlerischer und finanzieller Erfolg wurde. Die von Lichnowsky initiierte Tournee folgte der Route der Reise, die der Fürst 1789 mit Mozart unternommen hatte.

Die ersten Kompositionen, die Beethoven drucken ließ, waren die drei 1794/95 entstandenen Klaviertrios, die er mit der Opusnummer 1 versah. In den folgenden Jahren setzte sich Beethoven mit zwei weiteren zentralen Gattungen der Klassik auseinander: dem Streichquartett und der Symphonie. Zwischen 1798 und 1800 komponierte er, nach intensivem Studium der Quartette Haydns und Mozarts, eine erste Serie von sechs Quartetten, die er als op. 18 dem Fürsten Lobkowitz widmete. Kurz darauf, 1800 und 1802, präsentierte sich Beethoven als Symphoniker. Die Widmung der 1. Symphonie op. 21 in C-Dur ging an van Swieten, die der 2. op. 36 in D-Dur an den Fürsten Lichnowsky.

Gehörleiden

Beethovens wachsender Erfolg als Pianist und Komponist wurde von einer schwerwiegenden Beeinträchtigung überschattet: Etwa um 1798 zeigten sich erste Symptome jenes Gehörleidens, das schließlich zur Taubheit führen sollte. Nach Beethovens eigenem Bericht aus dem Jahr 1801 verschlimmerte sich das Leiden innerhalb weniger Jahre; es scheint jedoch in den Folgejahren einige Zeit stagniert zu haben.

Die Ursache der Erkrankung ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Zu den möglichen Ursachen zählen eine Atrophie der Gehörnerven oder eine Otosklerose.

Beethovens Gehörleiden stellte nicht nur eine ernste Bedrohung seiner Laufbahn als Musiker dar; sie beeinträchtigte auch seinen gesellschaftlichen Umgang. Die Krankheit stürzte Beethoven in eine schwere persönliche Krise, die ihn zeitweilig sogar an Selbstmord denken ließ. Beethoven offenbarte seinen Seelenzustand im so genannten Heiligenstädter Testament, einem Schriftstück, das er im Oktober 1802 am Ende einer Kur in Heiligenstadt verfasste, nachdem auch diese ohne den erhofften Erfolg geblieben war.

Die mittleren Wiener Jahre (ca. 1802 – ca. 1812)

Die mittleren Wiener Jahre, vom Beethoven-Biographen Maynard Solomon als die „heroische Periode“ bezeichnet, sind, der Beeinträchtigung durch das Gehörleiden zum Trotz, die produktivste Phase in Beethovens Schaffensbiographie. Beethoven hatte zu dieser Zeit einen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt.

Sechs der neun Symphonien komponierte Beethoven allein zwischen Herbst 1802 und 1812, darunter so bekannte Werke wie die 3. Symphonie Eroica, die 5. Symphonie und die 6. Symphonie Pastorale. Darüber hinaus entstanden das 4. und 5. Klavierkonzert sowie die Endfassung des 3. Klavierkonzerts, das Violinkonzert op. 61 und die fünf „mittleren“ Streichquartette op. 59 Nr. 1-3, op. 74 und op. 95.

Auch die erste Fassung seiner einzigen Oper Fidelio komponierte Beethoven in dieser Zeit. Am 20. November 1805 wurde sie unter dem ursprünglichen Titel Leonore zum ersten Mal aufgeführt, in der Folge aber noch zweimal überarbeitet.

Seinen bis dahin größten Erfolg erzielte Beethoven 1813/1814 mit den Aufführungen eines eigens aus Anlass des Wiener Kongresses komponierten Werkes, Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria op. 91, das den entscheidenden Sieg der Engländer über die napoleonischen Truppen schildert und damit beim Publikum den Geist der Zeit traf.

Französische Einflüsse

Die Französische Revolution und die Gestalt Napoléon Bonapartes hatten auf Beethoven einen starken Eindruck gemacht und wirkten sich nachweislich auf sein Schaffen aus.

So hatte Beethoven die 3. Symphonie Eroica ursprünglich mit dem Zusatz „intitulata Bonaparte“ oder „geschrieben auf Bonaparte“ versehen wollen. Eine Anekdote berichtet, Beethoven habe den Titelzusatz wütend entfernt, nachdem Napoléon sich im April 1804 hatte zum Kaiser krönen lassen. Wahrscheinlich hängt die Änderung des ursprünglichen Titels eher mit einer geplanten, aber letztlich nicht durchgeführten Reise nach Paris zusammen.

Auf eine französische Revolutionsoper, Léonore ou L’amour conjugal (Leonore oder Die eheliche Liebe) von Jean Nicolas Bouilly, geht der Stoff zurück, den Beethoven in seiner Oper Fidelio verarbeitete, und in seiner 5. Symphonie in d-Moll op. 67 griff er Elemente der so genannten Revolutionsmusik auf, ein Stil, den französische Komponisten wie André-Ernest-Modeste Grétry, Étienne-Nicolas Méhul und Luigi Cherubini Ende des 18. Jh. geprägt hatten.

Mäzene und Lebensunterhalt

Im Verhältnis zwischen Beethoven und seinem bis dahin wichtigsten Mäzen, dem Fürsten Lichnowsky, kam es im Laufe der Jahre zu einer zunehmenden Entfremdung. Die Spannungen eskalierten im Herbst 1806 bei einem Aufenthalt Beethovens auf Schloss Grätz (tschechisch Hradec) bei Troppau (tschechisch Opava), dem Sitz des Fürsten, in einer ernsten Auseinandersetzung. Etwa zur gleichen Zeit, 1806 oder 1807, stellte Lichnowsky, der in jenen Jahren außerordentlich hohe finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen hatte, die jährlichen Gehaltszahlungen an den Komponisten ein.

Zwar bezog Beethoven neben dem fürstlichen Gehalt nicht unerhebliche Einkünfte aus Verlagsverträgen und Konzerteinnahmen, doch garantierten diese keine dauerhafte finanzielle Absicherung. Daher bewarb sich Beethoven im Dezember 1807 – vergeblich – bei der k.k. Hoftheaterdirektion um eine Anstellung und erwog darüber hinaus, Wien zu verlassen. Eine entsprechende Gelegenheit bot sich, als er Ende 1808 eine Berufung nach Kassel an den Hof Jérôme Bonapartes erhielt.

Durch eine Initiative Ignaz von Gleichensteins und der Gräfin Marie Erdödy, die zu Beethovens engstem Freundeskreis gehörten, gelang es, Beethoven in Wien zu halten. Am 1. März 1809 sicherten Erzherzog Rudolph, Franz Joseph Fürst Lobkowitz und Ferdinand Fürst Kinsky dem Komponisten per Dekret, dem so genannten Rentenvertrag, ein festes jährliches Gehalt zu unter der einzigen Bedingung, dass Beethoven in Wien wohnen bliebe. Die Hoffnung Beethovens auf finanzielle Unabhängigkeit erhielt jedoch nach kurzer Zeit gleich mehrere Rückschläge: die Geldentwertung durch das so genannte Finanzpatent im Frühjahr 1811, der Tod des Fürsten Kinsky im folgenden Jahr, und der drohende Bankrott des Fürsten Lobkowitz 1813. Dadurch war Beethoven gezwungen, die Fortsetzung der Zahlungen gerichtlich einzuklagen.

Begegnung mit Bettina Brentano und Goethe

Beethovens Wertschätzung Johann Wolfgang von Goethes begann sich seit den 1790er Jahren v. a. in seinen Liedkompositionen niederzuschlagen. 1809/1810 kumulierte die kompositorische Beschäftigung mit dem Dichter in den Liederzyklen op. 75 und op. 83 sowie der Schauspielmusik zu Egmont op. 84.

Während ihres Wienaufenthalts im Frühjahr 1810 lernte Beethoven Bettina Brentano, die Schwester des Dichters Clemens Brentano, kennen. Sie gewann sein Vertrauen und nutzte ihre Freundschaft zu Goethe, ein Treffen der beiden Künstlerpersönlichkeiten anzuregen. Durch die literarisch stark überformten Darstellungen ihrer Beziehung zu Beethoven hat Bettina Brentano später das romantische Beethoven-Bild maßgeblich mit geprägt.

Zur lange angebahnten Zusammenkunft zwischen Beethoven und Goethe kam es im Juni 1812, als sich beide im böhmischen Kurbad Teplitz aufhielten. Doch die hohen Erwartungen beider Seiten wurden enttäuscht: Statt zu gemeinsamen Projekten zu inspirieren, endete die Begegnung mit einer nachhaltigen Entfremdung der beiden Künstler.

Beziehungen zu Frauen und die „Unsterbliche Geliebte“

Nach einer Aussage von Ferdinand Ries war Beethoven „sehr häufig verliebt“. Beispielhaft für seine tiefen Gefühle gegenüber einer Frau ist der berühmte Brief an die „Unsterbliche Geliebte“, den Beethoven am 6./7. Juli 1812 in Teplitz während einer Reise in die böhmischen Kurbäder verfasste. Er richtete sich an eine Frau, die seiner Idealvorstellung von einer Lebensgefährtin entsprach, und mit der es während der Reise offenbar zu einer oder mehreren für die Zukunft der Beziehung entscheidenden Begegnungen kam. Der Brief markiert gleichzeitig das Ende von Beethovens Hoffnung auf eine dauerhafte Verbindung mit einer Frau. Die Identität der „Unsterblichen Geliebten“ ist ungeklärt. Während der Beethoven-Forscher Harry Goldschmidt Josephine Deym hinter der rätselhaften Geliebten vermutete, favorisierten andere Forscher Antonie Brentano, darunter Maynard Solomon, Susan Lund, Klaus Martin Kopitz und Yayoi Aoki.

Gräfin Marie Erdödy

Zu Beethovens längsten und treuesten Freundinnen gehörte die Gräfin Anne-Marie Erdődy (1779–1837). Mehrere seiner Werke sind ihr gewidmet. Sie besaß außer ihrer Stadtwohnung ein Haus in Jedlesee, in dem Beethoven 1815 gewohnt haben soll. In der älteren Literatur wird verschiedentlich vermutet, dass es eine kurzzeitige Liebesbeziehung zwischen Beethoven und der Gräfin gab, was jedoch reine Spekulation ist.

Gräfin Josephine Brunsvik und ihre Geschwister

Besonders freundschaftlich wurde Beethoven von der Familie Brunsvik aufgenommen. Die drei Schwestern Therese, Josephine und Charlotte Brunsvik sowie der Bruder Franz Brunsvik begegneten dem Komponisten erstmals 1799. Als die Familie nach 18 Tagen wieder in ihre ungarische Heimat zurückkehrte, widmete er Josephine und Therese Brunsvik die vierhändigen Variationen über das Lied „Ich denke dein“.

Josephine Brunsvik wurde noch 1799 an den Grafen Joseph Deym verheiratet, zog zu ihm nach Wien und bekam vier Kinder. Nachdem Graf Deym 1803 unerwartet gestorben war, intensivierte Beethoven seine Beziehung zu ihr und schrieb ihr in den Jahren 1804 bis 1807 mehrere Liebesbriefe. Der Briefwechsel, soweit er erhalten ist, dokumentiert die seelischen Konflikte des Paares, die aus dem Widerspruch zwischen persönlichen Gefühlen und den Zwängen der Realität – die Gräfin hatte vier Kinder zu versorgen – resultierten. Letztendlich konnte die adlige Josephine sich nicht entschließen, einen Bürgerlichen zu heiraten. Auch ihre Geschwister waren dagegen. So schrieb Therese 1805 voller Besorgnis an Charlotte: „Aber sage mir, Pepi und Beethoven, was soll daraus werden? Sie soll auf ihrer Hut sein! Ich glaube in Bezug auf sie unterstreichst Du in dem Klavierauszug die gewissen Worte: Ihr Herz muß die Kraft haben nein zu sagen, eine traurige Pflicht, wenn nicht die traurigste aller.“

1810 ging Josephine eine zweite Ehe mit dem estnischen Baron Stackelberg ein, die sich für Josephine sehr unglücklich entwickelte. 1812 trennten sich beide wieder, blieben jedoch verheiratet. 1817 notierte Therese, die weiterhin mit Beethoven in Verbindung blieb, in ihrem Tagebuch: „Ob Josephine nicht Strafe leidet wegen Luigi’s Weh? Seine Gattin – was hätte sie nicht aus dem Heros gemacht!“ Eine Tagebuchnotiz Thereses von 1848 lautet: „Sie waren füreinander geboren und lebten beide noch, hätten sie sich vereint.“

Einige Autoren sind der Meinung, dass Josephine die Adressatin des berühmten Briefs an die „Unsterbliche Geliebte“ sei. Dazu müsste sie aber im Juli 1812, als Beethoven den Brief schrieb, Wien verlassen haben und nach Karlsbad gereist sein, wozu es keinen Beleg gibt.

Gräfin Giulietta Guicciardi

Über die Schwestern Brunsvik lernte Beethoven um 1801/02 auch deren Cousine Gräfin Giulietta Guicciardi (1784–1856) kennen und verliebte sich in sie. Er wusste anscheinend nicht, dass sie bereits mit dem Grafen Robert von Gallenberg verlobt war, den sie 1803 auch heiratete. Beethoven widmete ihr 1802 die Mondschein-Sonate.

Elisabeth Röckel

Etwa im Frühjahr 1808 begegnete Beethoven erstmals der jungen Sängerin Elisabeth Röckel, der Schwester des Tenors Joseph August Röckel, der in den Fidelio-Aufführungen von 1806 die Partie des Florestan übernommen hatte. Nach einer zweifelhaften Aussage von Anton Schindler gegenüber Gerhard von Breuning wollte Beethoven sie heiraten. Sie selbst hat das später bestritten, berichtete aber mehrfach, dass Beethoven ihr sehr zugetan war und spricht auch von einer großen „Zuneigung“ seinerseits. Sie wurde in Wien einmal „Elise“ genannt und ist nach der Auffassung des Beethoven-Forschers Klaus Martin Kopitz jene Frau, für die Beethoven am 27. April 1810 sein berühmtes Albumblatt „Für Elise“ komponierte. 1813 heiratete sie Beethovens Freund Johann Nepomuk Hummel. Kurz vor Beethovens Tod besuchte sie ihn noch einmal und schnitt sich zum Andenken eine Locke von seinem Haar. Ob sie das Autograph des Albumblatts „Für Elise“ tatsächlich erhielt, ist jedoch unklar.

Therese Malfatti

Eine weitere Frau in Beethovens Leben war Therese Malfatti. Beethoven lernte sie 1809 durch seinen Freund Ignaz von Gleichenstein kennen, der Thereses Schwester Anna Malfatti heiratete. Im Frühjahr 1810 plante Beethoven eine Heirat mit Therese Malfatti, wozu er sich von seinem Freund Franz Gerhard Wegeler in Bonn eine Abschrift seines Taufscheins besorgen ließ. Therese Malfatti wies Beethovens Antrag zurück, blieb aber auch danach freundschaftlich mit ihm verbunden. Beethoven beabsichtige ernsthaft, sie zu seiner Ehefrau zu machen, doch blieb sein Heiratsantrag ohne Erfolg.

Antonie Brentano

Ende Mai 1810 lernte Beethoven durch Bettina Brentano deren Schwägerin Antonie Brentano kennen, die von 1809 bis 1812 in Wien lebte, um den umfangreichen Nachlass ihres verstorbenen Vaters Johann Melchior Edler von Birkenstock zu verkaufen. Sie schreibt im März 1811 in einem Brief an Bettina, Beethoven sei ihr „einer der liebsten Menschen“ geworden und besuche sie „beinahe täglich“. Zwischen ihr und Beethoven entwickelte sich eine intime freundschaftliche Beziehung, die Antonie als „Wahlverwandtschaft“ bezeichnete. Sie besaß auch das Autograph von Beethovens Lied An die Geliebte WoO 140, auf dem von ihrer Hand vermerkt ist: „den 2n März 1812 mir vom Author erbethen“. 1972 stellte Maynard Solomon anhand mehrerer Indizien die Hypothese auf, Beethovens Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ vom 6./7. Juli 1812 sei an Antonie Brentano gerichtet. Ein weiterer Proponent dieser Hypothese ist András Schiff. Zahlreiche Forscher haben sich dieser Theorie inzwischen angeschlossen, andere stehen ihr aber auch kritisch gegenüber. Ob sich aus der tiefen Freundschaft eine Liebesbeziehung entwickelte, ist mit letzter Sicherheit nicht nachzuweisen.

Krise und letzte Jahre (ca. 1812 – 1827)

Vom Jahr 1812 an begann sich Beethovens Lebenssituation deutlich zum Schlechteren zu verändern. Zu den schicksalhaften Ereignissen um die „Unsterbliche Geliebte“ kamen materielle Sorgen im Zusammenhang mit dem Rentenvertrag und eine Verschlimmerung des Gehörleidens bis hin zur völligen Taubheit. Von etwa 1813 an verwendete Beethoven Hörrohre, um mit seiner Umgebung zu kommunizieren, ab 1818 ist der Gebrauch so genannter Konversationshefte nachzuweisen, in die die Gesprächspartner ihre Äußerungen notieren mussten. Verbunden mit der Taubheit war das Ende der Laufbahn als Pianist.

Am 15. November 1815 starb Beethovens Bruder Kaspar Karl und hinterließ einen neun Jahre alten Sohn. Beethoven verstrickte sich in einen über Jahre andauernden, zermürbenden Rechtsstreit mit seiner Schwägerin Johanna um die Vormundschaft über seinen Neffen Karl, in dessen Verlauf ihm diese wechselweise zu- und wieder abgesprochen wurde. In seiner Funktion als Ersatzvater scheiterte Beethoven mit dem Versuch, den Schützling seinen moralisch überzogenen Erziehungszielen zu unterwerfen.

Neue Kompositionspläne und letzte Werke

Gleichzeitig mit Beethovens persönlicher Krise vollzog sich ein Wandel seines kompositorischen Stils. 1813 bis 1814 war er zunächst mit der Komposition von Wellingtons Sieg sowie einer gründlichen Revision seiner Oper Leonore zu Fidelio beschäftigt. In den Folgejahren wandte sich Beethoven noch einmal intensiv der Klaviersonate zu. Es entstanden die Sonaten op. 90 (1814), op. 101 (1815-1817) und op. 106 („Hammerklavier-Sonate“, 1817-1818). Gleichzeitig schuf Beethoven die beiden Cellosonaten op. 102 (1815), den Liederkreis An die ferne Geliebte op. 98 (1816) sowie die Vertonung von Goethes Meeres Stille und glückliche Fahrt für Chor und Orchester op. 112.

Hatte sich Beethoven einige Jahre fast ausschließlich Werken für kleinere Besetzungen gewidmet, so bot sich 1819 ein Anlass, wieder ein größeres Werk in Angriff zu nehmen. Sein langjähriger Mäzen und Klavierschüler, der Erzherzog Rudolph, sollte am 20. März 1820 als Erzbischof von Olmütz (tschechisch Olomouc) inthronisiert werden. Beethoven wurde mit der Komposition einer großen feierlichen Messe beauftragt. Doch der Kompositionsprozess der Missa solemnis op. 123 begann sich zu verselbständigen, so dass Beethoven das Werk erst Ende 1822 / Anfang 1823 vollendete.

Gleichzeitig mit der Messe arbeitete Beethoven an den 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli op. 120, einem Variationenzyklus für Klavier, der auf einen Aufruf des Musikverlegers und Komponisten Anton Diabelli zurückging. Dieser hatte seinen Walzer an zahlreiche Komponisten geschickt mit der Bitte, je eine Variation zu einer geplanten Sammelausgabe beizusteuern. Während der Arbeit an Missa Solemnis und Diabelli-Variationen setzte Beethoven mit op. 109, 110 und 111 die Serie seiner letzten Klaviersonaten fort.

Nach mehr als zehnjähriger Pause wandte sich Beethoven auch wieder der Gattung Symphonie zu. Die Uraufführung der 9. Symphonie op. 125 am 7. Mai 1824 wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Die Aufführung leitete der Kapellmeister Michael Umlauf, Beethoven stand mit ihm zur Unterstützung am Dirigentenpult.

Schließlich entstand zwischen Frühjahr 1824 und Herbst 1826 mit dem Streichquartett op. 127 eine letzte Gruppe von fünf Streichquartetten. Angestoßen hatte die Quartettproduktion ein Kompositionsauftrag des russischen Musikliebhaber Nikolai Borisowitsch Fürst Galitzin. Zusätzliche Motivation erhielt Beethoven durch die Rückkehr des Geigers Ignaz Schuppanzigh nach Wien, der seit 1816 auf Reisen gewesen war, und dessen Ensemble fast alle seine früheren Streichquartette uraufgeführt hatte. Das Streichquartett in F-Dur op. 135 war das letzte Werk, das Beethoven vollendete.

Freunde und Bekannte

Durch die Taubheit war Beethoven in den letzten Jahren zunehmend auf die Unterstützung durch Freunde und Bekannte angewiesen. Zwar hatte Beethoven Hauspersonal (Köchin und Haushälterin), doch führten heftige Auseinandersetzungen mit den Angestellten mehrfach zu Kündigungen von der einen oder anderen Seite.

Schon früher hatte Beethoven Personen aus dem Freundeskreis zur Erledigung von Besorgungen und anderen Diensten genutzt, so z.B. 1817/18 die Klavierbauerin Nanette Streicher geb. Stein. Die freundschaftliche Verbindung Beethovens zur Klavierbauerfamilie Stein geht schon auf seinen frühen Aufenthalt in Augsburg 1787 zurück. Nanette Streicher kümmerte sich um die Haushaltsführung und vermittelte oft auch zwischen dem Komponisten und seinem Hauspersonal.

1822 tauchte erstmals Anton Schindler in Beethovens Bekanntenkreis auf. Schindler suchte Beethovens Nähe und diente sich ihm als Faktotum an. Seine Mischung aus Servilität und Eigenmächtigkeit war immer wieder Auslöser für dessen Unmut und Verachtung. Nach Beethovens Tod brachte Schindler Dokumente aus dessen Nachlass, so einen Teil der Konversationshefte, in seinen Besitz. Schindler verfasste eine der frühesten Beethoven-Biografien, doch ist die Glaubwürdigkeit vieler seiner Angaben zweifelhaft, da er zur Untermauerung seiner Behauptungen auch vor Fälschungen nicht zurückschreckte.

Im Sommer 1825, nach dem Bruch mit Schindler, übernahm Karl Holz, der 2. Geiger aus dem Schuppanzigh-Quartett, die Funktion des persönlichen Sekretärs und Beraters.

Gerade in den letzten Monaten seines Lebens gewann die Freundschaft mit Beethovens Jugendfreund Stephan von Breuning, der 1801 nach Wien gekommen war, wieder an Bedeutung. Breuning wurde im September 1826 Mitvormund des Neffen Karl und kümmerte sich um Beethoven in den Monaten seiner Todeskrankheit.

Familie

Ludwig van Beethovens Bruder Johann hatte es als Apotheker in Wien zu einigem Wohlstand gebracht. Der nie besonders enge Kontakt der Brüder intensivierte sich, als Beethoven sich von Johann 1822 eine größere Summe lieh. In den folgenden Jahren zog der Komponist den erfolgreichen Geschäftsmann immer wieder als Berater in Geldangelegenheiten heran.

Die Entscheidung des Appellationsgerichts am 8. April 1820, die Beethoven endgültig zum Vormund seines Neffen Karl bestimmte unter der Bedingung, dass ein Mitvormund ihn unterstützte, konnte die fortgesetzten Spannungen zwischen Onkel und Neffe nicht beenden. Am 6. August 1826 unternahm Karl einen Selbstmordversuch, der zum Rücktritt Beethovens von der Vormundschaft führte.

Krankheiten und Tod

Schon seit etwa seinem 30. Lebensjahr litt Beethoven häufig an Krankheiten. Es sind Schilderungen unterschiedlicher Symptome wie Durchfall, Leibschmerzen, Koliken, Fieberzustände oder Entzündungen überliefert. Als Ursachen kommen zum einen akute Erkrankungen in Betracht, zum anderen werden eine oder mehrere chronische Erkrankungen als Hauptursache vermutet. Unter anderem werden eine Bleivergiftung, Brucellose und übermäßiger Alkoholgenuss diskutiert. Ob nur eine oder ganz verschiedene Ursachen für Beethovens gesundheitliche Probleme verantwortlich waren, lässt sich rückblickend nicht mehr zweifelsfrei feststellen.

Mit zunehmendem Alter mehrten sich Häufigkeit und Intensität der Krankheitszustände. Im Sommer 1821 kündigte sich durch eine schwere Gelbsucht eine Leberzirrhose an. Beethoven suchte Linderung der Beschwerden in Bäder- und Landaufenthalten. Sein letzter Landaufenthalt führte ihn im Herbst 1826 auf das Landgut seines Bruders Johann nach Gneixendorf. Auf der Rückreise nach Wien Anfang Dezember, die bei nasskaltem Wetter im offenen Wagen stattfand, zog sich Beethoven eine Lungenentzündung zu. Nach kurzer Genesung von dieser Erkrankung zeigten sich mit Wasseransammlungen in Beinen und Unterleib sowie einer Gelbsucht schwere Symptome der Leberzirrhose, so dass Beethoven das Krankenbett nicht mehr verlassen konnte. Nach mehreren Punktionen und erfolglosen Behandlungsversuchen verschiedener Ärzte starb Beethoven am 26. März 1827.

Die Beisetzung auf dem Währinger Friedhof fand am 29. März unter großer Anteilnahme der Wiener Bevölkerung – 20.000 Personen sollen am Trauerzug teilgenommen haben – statt. Der Schauspieler Heinrich Anschütz sprach die von Franz Grillparzer verfasste Grabrede.

Beethovens Leichnam wurde zweimal exhumiert. 1863 wurde die Gebeine vermessen und der Schädel fotografiert, 1888 wurde der Leichnam – erneut unter großer öffentlicher Anteilnahme – in den Ehrenhain auf dem Wiener Zentralfriedhof umgebettet.

Der Komponist

Beethoven gilt heute als der Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik. Insbesondere in den für die Epoche der Wiener Klassik grundlegenden Formen der Sinfonie, der Klaviersonate und des Streichquartetts hat er Werke geschaffen, deren musikgeschichtlicher Einfluss kaum zu übertreffen ist. So legte Beethoven beispielsweise wichtige Grundsteine für die fortschreitende Einführung der Kategorie des Symphonischen in die Solokonzerte der weiteren Musikgeschichte.

Auch eine immer weiterführende Konzentration von Sinfonien und Solokonzerten, sich von Quantität zu Qualität bewegend, kann Beethoven zugesprochen werden.

In der ersten Periode seines Schaffens schloss er sich noch aufs engste an Haydn und Mozart an, bis er zu seinem ganz eigenen Stil fand. Was ihn nun vor diesen Vorgängern auszeichnet, die ja ihrerseits schon die Sprache der Instrumente zu reicher Entwicklung geführt hatten, ist zunächst die weitere Ausgestaltung der übernommenen Formen zu größeren, den neuen Ideen angemessenen Dimensionen. Unter seinen Händen erweiterte sich das Menuett zum vielsagenden Scherzo, das Finale, vor Beethoven meist nur ein heiter und lebhaft sich verlaufender Ausgang, wurde bei ihm zum Gipfelpunkt der Entwicklung des ganzen Werks und übertrifft an Wucht und Breite nicht selten den ersten Satz. Das andere Neue war die überall erkennbare Einheit eines zusammenfassenden Gedankens. Was er in einzelnen Werken (z. B. in den Klaviersonaten Pathétique und Appassionata, Les Adieux, in der „Eroica“ und in der Pastoral-Sinfonie) schon durch den Titel deutlich machte, lässt sich auf die Mehrzahl seiner Instrumentalwerke anwenden: dass die in den einzelnen Teilen dargestellten Seelenzustände in einer inneren Beziehung zueinander stehen und daher die Werke recht eigentlich als Tondichtungen zu bezeichnen sind.

Seine Skizzenbücher zeigen, mit wie viel unermüdlicher Arbeit und wiederholten Versuchen er seinen Werken die Gestalt zu geben suchte, in der sie ihn schließlich befriedigten. Man staunt, wie O. Jahn schrieb:

„… über seine Art, „nicht bloß einzelne Motive und Melodien, sondern die kleinsten Elemente derselben hin und her zu wenden und zu rücken und aus allen denkbaren Variationen die beste Form hervorzulocken; man begreift nicht, wie aus solchem musikalischen Bröckelwerk ein organisches Ganzes werden könne…. Und machen diese Skizzen nicht selten den Eindruck unsichern Schwankens und Tastens, so wächst nachher wieder die Bewunderung vor der wahrhaft genialen Selbstkritik, die, nachdem sie alles geprüft, schließlich mit souveräner Gewißheit das Beste behält.“
– O. Jahn: Gesammelte Aufsätze, S. 243

Die Bonner Zeit

Die frühen, noch in der Bonner Zeit entstandenen Werke Beethovens umfassen zehn heute bekannte Kompositionen aus dem Zeitraum 1782–1785, die im Bemühen, ihn zu einem Wunderkind zu stilisieren, fast alle veröffentlicht wurden. Außerdem sind etwa dreißig Werke aus den Jahren 1787–1792 bekannt, von denen damals jedoch nur eins veröffentlicht wurde. Viele davon arbeitete Beethoven in spätere Werke ein. Die Stücke des ersten Zeitraums waren noch stark vom Stil Neefes und Johann Sterkels geprägt und orientierten sich am Vorbild Mozarts. Die späteren Bonner Jahre brachten eigenständigere Lieder, Kantaten, Arien und Variationen, die in manchen Fällen bereits den analytisch arbeitenden Komponisten späterer Zeit erahnen ließen. Die Werke im Sonatenstil sind dagegen wenig eindrucksvoll und blieben in großen Teilen Fragment; diese für den späteren Beethoven so wichtige Form hat er sich offenbar erst in der Wiener Zeit angeeignet.

Erste Epoche des individuellen Schaffens

Sie begann mit der Herausgabe der ersten drei Klaviertrios Op. 1 (1795) und endete etwa mit den Jahren 1800–1802.

Die 1. Sinfonie gehört dazu. Im Alter von 29 Jahren nahm Beethoven sie in Angriff und vollendete sie am Anfang des darauf folgenden Jahres. Sie wurde mit großem Erfolg am 2. April 1800 uraufgeführt. Bahnbrechend in dieser Zeit waren die Klavierkompositionen, sowohl in der Form des Konzerts als auch der Sonate und Variation, nicht nur in der Technik, sondern auch im Zuschnitt der Sätze und des Ganzen.

Zweite Schaffensperiode

Sie begann etwa in den Jahren 1800–1802 und dauerte bis 1814. Hierher gehören vor allem Sinfonien und Klaviersonaten.

Eroica und Fidelio

Mit der 3. Sinfonie fand Beethoven zur Form einer eher monumentalen und heroischen Sinfonie. Ursprünglich trug sie den Titel „Sinfonia grande, intitolata Bonaparte“ (benannt nach Napoleon). Nachdem er jedoch erfuhr, dass Napoleon sich am 18. Mai 1804 zum französischen Kaiser gemacht hatte, radierte er in großer Wut den Namen aus dem Titelblatt. Seine neue Überschrift hieß nun „Heroische Sinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern“, heute wird sie meistens mit ihrem italienischen Titel Eroica genannt. Uraufgeführt wurde sie im August 1804 im Wiener Palais des Fürsten Lobkowicz, dem sie nun auch gewidmet war.

1805 wurde Beethovens einzige Oper, Fidelio, uraufgeführt. Sie hatte, wie auch viele andere Werke, etliche Überarbeitungen erlebt und hieß ursprünglich „Leonore“. In der dritten und bleibenden Fassung (mit der E-Dur-Ouvertüre) kam sie 1814 auf die Bühne. Beethoven hat mit ihr keine neuen Wege dramatischer Gestaltung beschritten. Ihre besondere Stellung hat sie nach wie vor durch den reichen und tiefen, menschlich interessanten und berührenden Stoff und die Qualität ihrer Musik.

Sinfonien Nr. 5 c-Moll, Nr. 6 F-Dur und Nr. 7 A-Dur

Seine 5. Sinfonie wurde in der Vergangenheit auch „Schicksalssinfonie“ genannt; sie entstand in einer schweren Lebensphase des Komponisten (über die vier berühmten Anfangstöne soll Beethoven gesagt haben: „So pocht das Schicksal an die Pforte“, allerdings wurde dies inzwischen als spätere legendarische Zuschreibung belegt). Am 22. Dezember 1808 wurde sie zusammen mit der 6. Sinfonie (der sogenannten Pastorale), dem vierten Klavierkonzert und Teilen der C-Dur Messe uraufgeführt.

Die Pastorale ist nicht im eigentlichen Sinne Programmmusik, wie sie fälschlich oft bezeichnet wird, sondern nach Beethovens eigener Aussage „mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“. Damit befindet sich die Sinfonie immer noch auf dem Boden der Klassik. Franz Liszt, der die ersten symphonischen Dichtungen schrieb, bezog sich bei der Entwicklung dieses neuen Genres vielmehr auf die Ouvertüren Beethovens, wie etwa Coriolan oder König Stephan. Allerdings stellte die naturbezogene Thematik der Pastorale ein Grundelement der folgenden Epoche der Romantik dar, der Epoche symphonischer Dichtungen schlechthin. Ebenso legte die Kunst der Romantik den Akzent auf das Innerste des Menschen, also sein Empfinden und seine Gesinnung. Unter dem Gesichtspunkt, den wahrscheinlich auch Beethoven für seine Pastorale eingenommen hatte, könnte diese sehr wohl als Romantikvorläuferin betrachtet werden. Dafür spricht die Formerweiterung auf fünf Sätze ebenso wie der Einbezug von Instrumenten (z. B. Piccoloflöte), die im klassischen Sinfonieorchester nicht heimisch sind. Dies sind deutlich auf die Romantik hinweisende Neuerungen, welche in der triumphalen 9. Sinfonie noch wesentlich deutlicher werden. Außerdem sind auch einige der in der Pastorale verwendeten „programmusikalischen“ Topoi („Sturm“ etc.) in der Romantik gerne aufgegriffen worden.

In der 7. Sinfonie A-Dur op. 92 verarbeitet Beethoven die Eindrücke aus den preußischen Befreiungskriegen. Sie entfachte bei der Uraufführung im Dezember 1813 eine riesige Euphorie und Begeisterung unter den Zuhörern. Diese Sinfonie zeichnet sich durch einen gewissen Patriotismus aus und deutet nicht so deutlich auf die kommende Epoche der Romantik hin wie die Vorgänger-Sinfonien. Dennoch sind harmonische und polyphone Neuerungen in dem Werk deutlich zu spüren. Zentraler Satz des Werkes ist unüblicherweise der zweite Satz, das Allegretto. Es ist von einem feierlich schreitendem Rhythmus geprägt, der dem Motto der Sinfonie zuzuschreiben ist.

Letzte Schaffensperiode

In den Jahren 1814–1818 erlahmte Beethovens Produktion vorübergehend. In diesem kurzen Zeitraum traten nur ganz vereinzelt größere Kompositionen, z. B. die Sonate in A (1815), der „Liederkreis“ u. a., hervor. Krankheit und bitteres häusliches Leid hemmten seine Phantasie. Nach Überwindung dieser Zeit der Entmutigung war er in mancher Beziehung verändert. Sein Empfinden war bei völliger Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt noch mehr verinnerlicht, infolgedessen der Ausdruck häufig noch ergreifender und unmittelbarer als früher, dagegen die Einheit von Inhalt und Form mitunter nicht so vollendet wie sonst, sondern von einem subjektiven Moment beeinflusst.

Die Hauptwerke dieser dritten Epoche sind die „Missa solemnis“ (1818–23), die Beethoven selbst für sein vollendetstes Werk hielt, und die neunte Sinfonie in d-Moll (1823–24). Außerdem gehören zu dieser Zeit: die Ouvertüre „Zur Weihe des Hauses“, Op. 124 (1822), die Klaviersonaten Op. 106 in B-Dur (1818), Op. 109 in E-Dur, Op. 110 in As-Dur (1821) und Op. 111 in c-Moll (1822), die Diabelli-Variationen, mehrere kleinere Stücke für Klavier und Gesang und schließlich die letzten großen Streichquartette Op. 127 in Es-Dur (1824), Op. 130 in B-Dur und Op. 132 in a-Moll (1825), Op. 131 in cis-Moll und Op. 135 in F-Dur (1826). Die späten Streichquartette gehen auf Beethovens Beschäftigung mit den Kompositionstechniken Johann Sebastian Bachs zurück, speziell seine Fugentechniken. Trotzdem weisen diese Stücke nicht in die Vergangenheit, sondern weit in die Zukunft. Speziell sein Op. 133 („Große Fuge“) war für seine Zeit außerordentlich modern und wurde im gesamten 19. Jahrhundert kaum verstanden.

Viele Entwürfe, darunter der zu einer zehnten Symphonie in c-Moll und zu einem Streichquintett in C-Dur befanden sich im Nachlass des Komponisten.

9. Sinfonie

1824 vollendete Beethoven die 9. Sinfonie. Der letzte Satz mit dem Chorfinale zu Friedrich Schillers Ode „An die Freude“ hat dieses Werk sehr populär gemacht. Die Musik drückt das Ringen eines Menschenherzens aus, das sich aus Mühen und Leiden nach dem Tag reiner Freude sehnt, der ihm doch in voller Klarheit und Reinheit nicht beschieden ist. Die ersten drei Sätze mit ihrer grandiosen Architektur, Instrumentierung und Themenverarbeitung wurden richtungsweisend für die Sinfoniker der Romantik bis hin zu Gustav Mahler. Die Uraufführung der 9. Sinfonie erfolgte zusammen mit Teilen der „Missa Solemnis“ am 7. Mai 1824. Beethoven wollte, da er die Aufführung nicht mehr selbst leiten konnte, den Dirigenten durch Angabe der Tempi unterstützen. Das Orchester war allerdings angewiesen worden, dies nicht zu beachten.

Sinfonie Nr. 10

Beethoven hat noch kurz vor seinem Tod an seiner 10. Sinfonie gearbeitet, diese aber nicht vollendet. Vom ersten Satz existieren jedoch viele Skizzen und Notizen. Barry Cooper hat diese Skizzen zu einem ersten Satz ausgearbeitet. Auch zu einem dritten Satz, einem mit „Presto“ betitelten kraftvollen Scherzo, existieren Skizzen aus dem Jahre 1825.

Schüler

Carl Czerny
Ferdinand Ries
Rudolf von Österreich-Toskana

Filme

1937: Beethovens große Liebe – Regie: Abel Gance
1949: Eroica – Regie: Walter Kolm-Veltée (mit Ewald Balser in der Hauptrolle)
1962: Schicksals-Sinfonie – Regie: Georg Tressler (mit Karlheinz Böhm in der Hauptrolle)
1970: Ludwig van – Regie: Mauricio Kagel
1976: Beethoven – Tage aus einem Leben – Regie: Horst Seemann (mit Solaris-Hauptdarsteller Donatas Banionis als Beethoven)
1985: Beethoven die ganze Wahrheit – Regie: Paul Morrissey (mit Wolfgang Reichmann als Beethoven)
1990: Freunde, diese Töne – Regie: Klaus Lindemann (mit Mathias Herrmann in der Hauptrolle)
1994: Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte – Regie: Bernard Rose (mit Gary Oldman in der Hauptrolle)
2003: Eroica – The day that changed music forever – Regie: Simon Cellan Jones (mit Ian Hart in der Hauptrolle)
2006: Klang der Stille – Regie: Agnieszka Holland (mit Ed Harris in der Hauptrolle)

Bearbeitet von Wulfenlord am 11. Apr. 2011, 18:40

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