Linton Kwesi Johnson (* 24. August 1952 in Chapelton/Jamaika) ist ein britischer Dichter und Reggae-Musiker.


1963 wurde er von seiner bereits vorher nach London gezogenen Mutter dorthin nachgeholt. Schon als Schüler schloss er sich 1970 dem englischen Black Panthers Movement an. Dort organisierte er u.a. eine Dichter-Werkstatt und beteiligte sich an der Reggae-Band „Rasta Love“.

Nach Abschluss der Schule war er kurzzeitig als Verwaltungskraft bei der Kirche sowie der Verwaltung des Greater London Council beschäftigt. 1973 begann er ein Soziologiestudium am Londoner Goldsmiths College. Im selben Jahr veröffentlichte er seine ersten Texte in einer Zeitung der Gruppe „Race Today Collective“ (damals noch aktiv als „Towards Racial Justice“), die auch 1974 seinen ersten eigenen Gedichtband, „Voices of the Living and the Dead“, veröffentlichte.

Schon 1975 folgte seine zweite Textsammlung „Dread, Beat and Blood“. Seine Dub-Poetry erfuhr erste Anerkennung, 1977 erhielt er das Cecil-Day-Lewis-Stipendium. Das Plattenlabel Virgin veröffentlichte 1978 seine erste Schallplatte, ebenfalls „Dread, Beat and Blood“ betitelt. 1979 und 1980 folgten weitere Alben, „Forces of Victory“ und „Bass Culture“, die, zusammen mit der gleichzeitig veröffentlichten Textsammlung „Inglan is a Bitch“ seinen Ruf als lyrisch bedeutendste Stimme des englischen Reggae festigten.

Zugleich aber nahm die musikalische Arbeit seines Erachtens unverhältnismäßig viel Raum auf Kosten seiner sozialen und politischen Arbeit ein und trotz seines großen Erfolges und dem Angebot eines großen Plattenvertrages pausierte er eine Weile. Erst 1984 erschien „Making History“, von vielen Stimmen als sein bestes Album gelobt. Seitdem veröffentlichte er nur zwei weitere Musikalben: 1991 „Tings an’ Times“ und 1999 „More Time“. 1996 erschien allerdings ein Album von Texten, die er unbegleitet vortrug. Ebenso geht er seit 1985 nicht mehr auf größere Tournee.

1981 gründete Johnson sein eigenes Label, LKJ Records und produzierte dort den bedeutenden jamaikanischen Dub-Poet Michael Smith, der unmittelbar nach den Plattenaufnahmen bei seiner Rückkehr nach Jamaika gesteinigt wurde. Auch seine eigenen Platten erschienen seither meist auf seinem eigenen Label.


Anders als die Mehrzahl der Reggae-Musiker ist „LKJ“, wie er nach seinen Initialen auch genannt wird, nicht religiös. In seinen Texten formuliert er eine explizit linksradikale Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft Englands. Im Zentrum stehen dabei seine Erfahrungen mit Rassismus, Arbeitslosigkeit und Gewalt.

Typisch für seine Texte ist eine stark ausgeprägte Rhythmik und Metrik sowie der Gebrauch einer eigenen Sprache, die die Texte vordergründig oft unzugänglich scheinen lässt. LKJ sagte dazu:
Meine Art zu schreiben und vorzutragen ist wie ein Resultat aus der Spannung zwischen Jamaican Creole und Jamaican English und zwischen diesen und English English.

Formal wie inhaltlich bilde sich in ihnen die Erfahrung ab,
in einer kolonialen Gesellschaft aufgewachsen zu sein und dann hier herüber zu kommen, um zu leben.


Zitate:

„Was heißt es, schwarz zu sein in Großbritannien? Es heißt, dass du eigentlich einen unglaublich aufwendigen Kampf um Dinge führen mußt, die für den größten Teil der Gesellschaft selbstverständlich sind: Wohnungssuche, Bildung, gewerkschaftliche Rechte usw. Es bedeutet, daß du, obwohl du in England geboren bist, für immer als Immigrant giltst. Es bedeutet, daß du in dieser Gesellschaft ganz unten bist und immerzu versuchst, mit den kolonialen Regeln zu brechen.“ (zitiert nach George Lipsitz, Dangerous Crossroads, hanibal 1999, S. 166 f.)

Bearbeitet von variationen am 10. Jul. 2009, 1:46

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