Biografie

Kurt Donald Cobain (* 20. Februar 1967 in Aberdeen, Washington; † 5. April 1994 in Seattle) war ein US-amerikanischer Rockmusiker. Besondere Berühmtheit erlangte er als Sänger und Gitarrist der Band Nirvana, für welche er zudem fast alle Lieder schrieb.

Kindheit und Jugend bis 1986

Als Sohn von Wendy Cobain und Donald Cobain und Bruder von Kimberly Cobain verlebte Kurt Cobain seine Kindheit in Aberdeen, 140 Kilometer südwestlich von Seattle. Als Cobain acht Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. Cobain lebte mit seiner Mutter von nun an in Aberdeen, an der Westküste der USA. Die Trennung der Eltern verursachte ihm psychische Beschwerden. Als Kind war er hyperaktiv und musste Medikamente, u. a. Ritalin, nehmen, deren Nebenwirkungen sich durch Schlaflosigkeit äußerten.
Später zog er zu seinem Vater, da er mit dem neuen Lebensgefährten der Mutter nicht auskam. Als später auch sein Vater Donald eine neue Partnerin mit zwei Kindern heiratete, verschlechterte sich das Verhältnis zu Cobains Bezugsperson. Aus dem Lied Serve The Servants (1993, In Utero) geht hervor, dass Cobain seinem Vater gegenüber Hassgefühle entwickelt hat. Das Lied ist jedoch eine Botschaft an den Vater, die Gefühle der Abneigung hätten sich verflüchtigt.

Mit dem Tod erstmals konfrontiert wurde Cobain im Jugendalter, als drei Großonkel von ihm Suizid begingen. Außerdem sah er bereits im Jugendalter die Leiche eines Jungen aus der Nachbarschaft, der sich an einem Baum erhängt hatte. Somit wurde er bereits in jungen Jahren mit dem Prinzip des Selbstmordes „vertraut gemacht“.

Mit Musik kam Cobain schon sehr früh in Berührung. Ein Aufnahmegerät bei seiner Tante wurde oftmals dazu benutzt, Töne, Geräusche und die eigene Stimme aufzunehmen. Als kleines Kind bekam er ein Kinder-Schlagzeug geschenkt. Seine Schwester zerstörte dieses jedoch mit einem Schraubenzieher. Zum 14. Geburtstag bekam Cobain von seinem Onkel Chuck seine erste Gitarre geschenkt. Mit 15 Jahren lernte Cobain 1982 Krist Novoselić kennen, mit dem er gemeinsam Musik machte. In den Folgejahren freundete sich Cobain auch mit Buzz Osborne (Sänger/Gitarrist) und Dale Crover (Schlagzeuger), beide von der Band The Melvins, an. Er und Crover spielten gemeinsam auch bei Fecal Matter, Cobains erstem Musikprojekt. Auch wenn der spätere Musikstil nur noch wenig mit dem der The Melvins zu tun hatte, beeinflusste ihn Love Buzz entscheidend und führte ihn an Indie- und Punkrock heran.

Nach mehreren heftigen Streiterein mit beiden Elternhäusern wechselte Cobain in dieser Zeit und den folgenden Jahren mehrmals den Wohnsitz und wohnte zwischenzeitlich bei seinen Großeltern, einem seiner Onkel, bei den Eltern seines Freundes Jesse Reed - insgesamt 10 verschiedene Familien in 4 Jahren.

Mit 18 Jahren brach Cobain die Schule ab und zog nach Olympia, Washington. Dort lebte er zusammen mit seiner Freundin Tracy Marander. Als Cobain keine Arbeit fand, geriet die Beziehung in eine Krise. Zu diesem Zeitpunkt schrieb er den Song About A Girl, was sich auf Tracy bezog. In der Zeile I can´t see you every night for free spielt er darauf an, dass er öfters ausziehen und in seinem Auto übernachten musste, weil sie mit seiner Antriebslosigkeit nicht mehr zurecht kam. Wenngleich gab er ihr gegenüber niemals zu, dass der Song von ihr handelte.

1986 bis 1994

Ab 1986 trat Cobain mit Novoselić in verschiedenen Bands auf, aus denen 1987 Nirvana entstand. Mit Nirvana veröffentlichte Cobain vier Studioalben und eine B-Seiten-Zusammenstellung sowie zahlreiche Singles und EPs und war als Solokünstler an anderen Veröffentlichungen befreundeter oder nahestehender Bands und Künstler beteiligt. Am 11. April 1989 befand sich Cobain mit seiner Band auf Tour im Satyricon Club in Portland. Dort traf er Courtney Love, die Sängerin der Band Hole. Love und Cobain heirateten am 24. Februar 1992 in Waikīkī auf Hawaii. Am 18. August 1992 wurde ihre Tochter frances bean cobain geboren. Ihr Vorname ist eine Anlehnung an die von Kurt verehrte Band The Vaselines, im speziellen an die Sängerin Frances McKee. So sind auch einige Lieder der Vaselines von Nirvana gecovert worden, zum Beispiel „Jesus Doesn’t Want Me For A Sunbeam“ (Son of a Gun, Molly’s Lips).

1994

Cobain litt schon sehr früh unter Magenproblemen. Ärzte konnten die Ursache dafür nicht genau diagnostizieren, was eine gezielte Behandlung unmöglich machte. Er selbst bezeichnete seine Krankheit daher als „Cobain’s Disease“.

Während der anstrengenden Tourneen verstärkten sich Cobains Magenprobleme. Der kurzzeitige Verzicht auf Alkohol und Zigaretten zeigte dabei keine Verbesserung. Durch die ersten Erfahrungen mit Drogen im musikalischen Umfeld entdeckte er diese als Mittel zur Schmerzlinderung.

Ab 1990 nahm Cobain ab und an Heroin, nach der Veröffentlichung des Albums Nevermind 1991 spritzte er regelmäßig. Alle späteren Versuche Cobains, von der Droge wieder loszukommen, waren erfolglos, trotz der insgesamt sechs Therapieanläufe. Anfang März 1994 wurde die „In Utero“-Tour aufgrund von Cobains Magenproblemen unterbrochen. Cobain und Ehefrau Courtney Love flogen am 2. März nach Rom. Dort wurde Cobain zwei Tage später – im Koma liegend – in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Mediziner konstatierten einen Suizidversuch durch Einnahme von Beruhigungsmitteln. Kurze Zeit später widersprach Kurt Cobain allerdings dieser Aussage, und teilte der Öffentlichkeit mit, dass dies lediglich ein Versehen war, weil er Beruhigungsmittel genommen hatte und dummerweise hinterher zu viel Alkohol trank. Auf Drängen des näheren Umfeldes unterzog Cobain sich einem Drogenentzug im Exodus Recovery Center in Marina del Ray, Los Angeles. Bereits am 1. April floh Cobain jedoch von dort und tauchte unter. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band bereits aufgelöst, was Dave Grohl und Krist Novoselic aber erst Jahre später bestätigten.

Drei Tage später, am 5. April, starb Cobain in seinem Haus in Seattle. Er wurde mit einer dreifachen Überdosis Heroin und einem Schuss mit seiner Schrotflinte in den Kopf aufgefunden. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, der mit folgenden Zeilen, die aus dem Neil Young-Song My My, Hey Hey (Out Of The Blue) entnommen waren, endete:

„It’s better to burn out than fade away“

Obwohl Wendy O’Connor, Kurt Cobains Mutter, bereits am 3. April eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatte, wurde sein Leichnam von einem am Haus arbeitenden Elektriker erst 3 Tage nach dem Suizid, im Raum über seiner Garage, aufgefunden.

Grabstätte

Kurt Cobain wurde am 14. April 1994 eingeäschert. Einen kleinen Teil der Überreste verstreute Courtney Love an den unterschiedlichsten Orten, so begrub sie z.B. einen Teil an einem Baum auf ihrem letzten gemeinsamen Grundstück, der größte Teil jedoch befände sich in einem Bankschließfach, wie Courtney Love in einem Interview mit dem Musiksender MTV behauptete. Auch zehn Jahre nach dem Tod Cobains verweigerten die Behörden von Seattle ihm noch immer eine offizielle Grabstätte mit der Begründung, man wolle keinen Ansturm von Verehrern, wie am Pariser Grab des Doors-Sängers Jim Morrison.
Am 3. Juni 2008 wurde bekannt, dass Cobains Asche im Mai desselben Jahres, aus dem Hause seiner ehemaligen Ehefrau, Courtney Love, gestohlen wurde. Sie hatte die Asche jahrelang in einer Tasche in ihrem Kleiderschrank aufbewahrt.

Mordtheorien

Kurze Zeit nach seinem Tod entstanden Verschwörungstheorien, die durch gezielte Desinformationen und verkürzte Darstellungen einer vermeintlich Cobainschen Realität und Alltagswelt einen Mord oder gar einen Auftragsmord am Rockstar beweisen wollten. Literatur, Dokumentations- und Spielfilme zu der vermeintlichen Verschwörung sind seither veröffentlicht worden. Diese entbehrten jedoch eindeutiger Beweise, so dass die Staatsanwaltschaft keine weiteren Ermittlungen aufnahm. Die Befürworter der Mordtheorien machen ihre Spekulationen hauptsächlich an dem nachgewiesenen hohen Heroingehalt in seinem Blut fest. Durch eine zeitlich vorgelagerte zusätzliche Einnahme von Diazepam, das die Wirkung der Droge Heroin verstärken soll, könne er danach nicht mehr in der Lage gewesen sein, sich zu erschießen. Zudem wurden laut des kriminalistischen Berichts keinerlei lesbaren Fingerabdrücke an dem Gewehr gefunden, obwohl sich dieses bereits seit mehreren Tagen im Besitz des Sängers befand.

Befürworter der Suizidtheorie geben hingegen zu bedenken, dass es außer gerüchtebeladener Meinungen keine wissenschaftliche Analyse über die tatsächliche Fähigkeit Cobains gab, sich unmittelbar nach der Injektion der Drogen mit einem Gewehr zu töten; auch wurde die tatsächliche Dosis nicht offiziell bestätigt.

Der Nachlass

Heute wird das immer noch ansteigende Vermögen des Künstlers auf weit über 100 Millionen Dollar geschätzt. Alle Rechte am Nachlass des Künstlers werden von der Witwe Courtney Love und der Tochter Frances Bean wahrgenommen. 1997 einigte sich Love mit den Bandmitgliedern Grohl und Novoselić auf eine partnerschaftliche gemeinsame Verwaltung des künstlerischen Erbes, das einen Großteil des gesamten Nirvana-Repertoires ausmacht.

Ende 2005 verkaufte Courtney Love ein Viertel der ihr vermachten Rechte für 70 Millionen Pfund Sterling (rund 88 Millionen Euro) an Martha Stewart. Auf einer vom Magazin Forbes veröffentlichten Liste stieg Cobain damit auf Platz eins der „am besten verdienenden Toten“ und überholte somit Elvis Presley.

Kurt Cobain gehört wie andere einflussreiche Musiker dem Klub 27 an.

Veröffentlichungen zu Lebzeiten

Mit Nirvana selbst veröffentlichte Cobain drei Alben (1989 Bleach, 1991 Nevermind, 1993 In Utero) sowie eine Zusammenstellung von Raritäten (1992 Incesticide). Zudem wurden zwei EPs (1989 Blew, 1992 Hormoaning) und 13 Singles veröffentlicht. Die bekanntesten Singles sind Smells Like Teen Spirit, Come As You Are (beide 1991 Nevermind) und Heart Shaped Box (1993 In Utero).
Als Solokünstler veröffentlichte er eine Platte zusammen mit dem Schriftsteller William S. Burroughs, zu dessen vorgetragener Geschichte „Priest They Called Him“ Cobain Gitarre spielte. Darüber hinaus gab es zahlreiche gemeinsame Stücke mit Courtney Love (u. a. 1993 Live Through This).

Als Maler und Zeichner hinterließ Cobain viele selbst angefertigte Comics, Gemälde und Zeichnungen sowie plastische Arbeiten, von denen eine auf der Rückseite des Albums In Utero zu sehen ist. Diese zeigt eine von Cobain in Rosa eingefärbte 3D-Collage. Hier liegen Föten und ausgewachsene Babys in einem Brei aus Blumen, Knochen und Innereien gehäuft. Um das Bild herum sind verschiedene Symbole aufgereiht, welche im Zusammenhang mit griechischer Mythologie stehen.

Posthum publiziertes Material

Nach Kurt Cobains Tod stellt die Aufzeichnung des Nirvana-Auftritts zu MTV Unplugged in New York als ein sehr besonderes Konzert seiner Karriere und der seiner Band einen Nachruf auf den Künstler dar. Es wurde im November 1994 als Live-Album herausgebracht. Dazu wurde die Single About A Girl (Unplugged) (im Original 1989, Bleach) ausgekoppelt sowie weitere Videoclips vom Konzert zu Werbezwecken herausgebracht.

From the Muddy Banks of the Wishkah ist das zweite Live-Album, welches 1996 erschien. Es wurde vom Bassisten Krist Novoselic in Erinnerung an Kurt Cobain zusammengestellt. In Aberdeen, wo der Wishkah River auf die Sandbänke des Pazifischen Ozeans trifft, war die Band 1987 entstanden. An diesem Ort hatte Nirvana begonnen, ihre expressionistischen Eindrücke mit Musik zu verarbeiten.

2002 wurde eine Compilation veröffentlicht, auf der viele Lieder digital neu gemastert wurden. Außerdem enthielt diese Platte ein neues Lied („You Know You’re Right“). Dieses war ein Vorgeschmack auf die bisher umfangreichste Zusammenstellung des Nachlasses des Musikers: With The Lights Out erschien am 19 November 2004 in den USA sowie am 22 November in Deutschland als Box-Set bestehend aus 3 CDs mit vorwiegend unveröffentlichten Demo-Aufnahmen und Rohaufnahmen der Hits der Band und einer DVD mit größtenteils unveröffentlichtem Material.

Courtney Love veröffentlichte unter anderem auch die Journals – Kurt Cobains Tagebücher (2002). Diese enthalten abfotografierte Auszüge aus seinen Notizen, Entwürfen und Tagebüchern.

Gus Van Sant verfilmte die letzten Tage Kurt Cobains in dem Streifen Last Days, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2005 Premiere feierte. Jedoch überlässt Van Sant dem Zuschauer großen Interpretationsspielraum. So ist Blake, der von Michael Pitt gespielt wird, Kurt Cobain nachempfunden. Asia Argento spielt die Freundin des Musikers. Drogenkonsum, der eigentliche Tod sowie Nirvana-Lieder sind in dem Film weder zu sehen noch zu hören.

Nick Broomfield veröffentlichte 1997 den Dokumentarfilm „Kurt and Courtney“, der den Tod aus der Sicht eines vermeintlichen Auftragsmordes zu beleuchten versucht.

2004 erschien zum 10. Todestag Cobains die Comic-Biografie Godspeed der Künstler Barnaby Legg, Jim McCarthy und Flameboy. Dieses Buch stellt Cobain als tragischen Helden dar.

Anfang November 2005 erschien die CD „Sliver“ mit dem Untertitel „The Best Of The Box“. Darauf sind einige ausgewählte Lieder der „With The Lights Out“-Box sowie drei bisher unveröffentlichte Demo-Versionen von bekannten Titeln (Spank Thru, Sappy, Come As You Are) enthalten. Die Version von Spank Thru stammt vom „Fecal Matter-Tape“, das die erste Aufnahme von Kurt Cobains Liedern darstellt, aufgenommen im Dezember 1985 bei Cobains Tante Mari Earl.

Bearbeitet von Wulfenlord am 13. Nov. 2008, 13:09

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