Biografie

Kirsty MacColl (* 10. Oktober 1959; † 18. Dezember 2000 vor Cozumel) war eine britische Popsängerin und gehörte zu den so genannten Singer-Songwritern.

Leben und Karriere

MacColl war die Tochter der Tänzerin Jean Newlove und des bekannten Folk-Music-Sängers Ewan MacColl.

Ihre Karriere verlief in vollkommen anderen Bahnen als der Werdegang ihres Vaters. Erstmals bekannt wurde sie als Sängerin der Punk-Pop-Band „Drug Addix“. Die Verantwortlichen der Plattenfirma Stiff Records, bei der die Band unter Vertrag stand, verloren zwar das Interesse an der Formation, waren aber von der Sängerin beeindruckt. So erhielt McColl ihren ersten Solo Plattenvertrag.

1979 wurde ihre Debüt-Solo-Single „They Don’t Know“ veröffentlicht. Obwohl das Stück in Großbritannien zu einem immensen Radiohit (airplay hit) wurde, erreichte die Single wegen eines Streiks der Auslieferer niemals die Plattengeschäfte. Als es McColl mit der Folgesingle „You Caught Me Out“ nicht gelang, sich in den Charts zu platzieren, meinte MacColl, dass es an der notwendigen Unterstützung durch ihre Plattenfirma fehlte. Im Jahre 1981 wechselte sie daher von Stiff Records zu Polydor Records. Mit dem witzigen, aber auch anspruchsvollen Stück „There’s A Guy Works Down The Chip Shop Swears He’s Elvis“ aus dem von der Kritik gefeierten Album Desperate Character gelang ihr dann eine Platzierung unter den Top 20 der britischen Charts.

Als sich wiederum kein dauernder Erfolg einstellen wollte, kündigte Polydor 1983 den bestehenden Plattenvertrag, unmittelbar nachdem sie die für ein zweites Album gedachten Musikstücke aufgenommen hatte. Daraufhin kehrte sie zurück zu Stiff Records. Ihre auf diesem Label veröffentlichten Singles wie zum Beispiel „Terry“ oder „He’s On the Beach“ waren Misserfolge. Lediglich mit einer Cover-Version von Billy Braggs „A New England“ konnte sie 1985 einen Erfolg verbuchen. Die Single erreichte Platz 7 der britischen Charts. Die von ihr aufgenommene Version des Lieds enthielt zwei neue Strophen, die Bragg eigens für sie geschrieben hatte. Da sie sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in der Spätphase einer Schwangerschaft befand, lösten die von ihr gesungenen Zeilen „I loved you then as I love you still; Though I put you on a pedestal, You put me on the pill“ eine gewisse Heiterkeit beim Auditorium aus.

In den USA wurde MacColl als Komponistin des Stücks „They Don’t Know“ bekannt. Tracey Ullmans Version des Stücks erreichte 1983, vielleicht auch wegen eines Gastauftritts von Paul McCartney in dem zugehörigen Musik-Video, Platz 2 der britischen Charts und platzierte sich in den Top Ten der US-Charts. Das Stück erklang während eines Großteils ihrer Laufzeit regelmäßig am Ende einer jeden Folge der „Tracey-Takes-On“-TV-Show beim TV-Sender HBO.)

Als Stiff Records im Jahre 1985 in Konkurs ging, verlor McColl zeitweilig die Möglichkeit, Stücke im eigenen Namen zu veröffentlichen, da sich keine Plattenfirma bereit fand, ihren Vertrag vom Insolvenzverwalter der Firma Stiff aufzukaufen. Aufgrund ihres Talents wurde sie während dieser Zeit jedoch in vielen Produktionen anderer Künstler als Hintergrundsängerin eingesetzt. Insbesondere handelte es sich um Aufnahmen, die von ihrem damaligen Ehemann, Steve Lillywhite, produziert oder bearbeitet wurden. Darunter befanden sich unter anderem Stücke für The Smiths, Van Morrison und die Talking Heads.

Im Dezember 1987 tauchte MacColl wieder in den britischen Charts auf, als die von ihr zusammen mit der Gruppe The Pogues aufgenommene Single „Fairytale Of New York“ auf Platz 2 kletterte. Aufgrund des Erfolgs dieser Duettnummer, die sie zusammen mit Shane MacGowan sang, begleitete sie „The Pogues“ 1988 auf deren Europatournee. Diese Erfahrung soll ihr nach eigenen Angaben dabei geholfen haben, ihre Bühnenangst zumindest zeitweise zu besiegen.

Daraufhin meldete sie sich 1989 mit dem Album Kite als Komponistin und Sängerin von Substanz zurück. Das Album, an dem auch David Gilmour und Johnny Marr mitwirkten, wurde von den Kritikern hoch gelobt. Die Texte der enthaltenen Stücke beschäftigten sich unter anderem mit dem Leben im Großbritannien zur Zeit Margaret Thatchers („Free World“), der Vergänglichkeit des Ruhms („Fifteen Minutes“) und den Launen der Liebe („Don’t Come The Cowboy With Me, Sonny Jim!“)

Obwohl „Kite“ viele neue Kompositionen von großer Qualität enthielt, war das die Coverversion des The-Kinks-Stücks „Days“, mit der MacColl sich unter den Top 20 der britischen Charts platzieren konnte, das erfolgreichste aller Stücke des Albums. Da sich auf dem Album zudem noch eine Coverversion des „The-Smiths“-Stücks „You Just Haven’t Earned It Yet, Baby“ befand, erwarb sich MacColl auch in Anbetracht ihres vormaligen Erfolges mit „A New England“ den wohl unverdienten Ruf einer Coverkönigin.

Während dieser Zeit wurde MacColl auch für die britische Comedy Show French and Saunders engagiert, in der sie sich selbst spielte und diverse Lieder wie zum Beispiel „15 Minutes“ und „I Ride“ vortrug. Zusammen mit Ken Bishop sang sie in der Show den ursprünglich von Frank Sinatra und Nancy Sinatra veröffentlichten Hit „Something Stupid“.

Auch in der Folgezeit setzte sie ihre Kompositionsarbeit fort und veröffentlichte das Album Electric Landlady. Der Titel des Albums sollte als Wortspiel eine Beziehung zu dem Jimi Hendrix-Album „Electric Ladyland“ herstellen. Dieses Album enthielt mit dem Stück „Walking Down Madison“, das sie zusammen mit Johnny Marr geschrieben hatte, ihren größten Hit in den USA. In Großbritannien erreichte das Stück 1991 eine Top 30-Platzierung in den Charts. Trotz dieser Platzierungen war das Album für MacColls damalige Plattenfirma, „Virgin Records“ ein kommerzieller Misserfolg, so dass sie 1992 anlässlich des Verkaufs von Virgin Records an EMI von der Plattenfirma fallen gelassen wurde.

Inspiriert durch die zuvor erfolgte Scheidung von Steve Lillywhite veröffentlichte sie 1994 das Album Titanic Days. Erneut fand sie jedoch keine Gnade bei der Plattenindustrie. Nachdem das Album von der Plattenfirma ZTT Records lediglich im Rahmen eines Einzeldeals herausgegeben worden war, verweigerte diese Firma MacColl später den Abschluss eines Plattenvertrages.

Im folgenden Jahr veröffentlichte sie bei Virgin Records auf dem „best-of“-Album „Galore“ unter anderem das neue Stück „Caroline“ sowie eine Coverversion des Lou-Reed- Stücks „Perfect Day“, das sie im Duett mit Evan Dando aufnahm. Obwohl Galore sich unter den Top 20 der britischen Album-Charts platzieren konnte, schaffte es keines der beiden neuen Stücke, sich unter den Top 40 der Charts zu platzieren. Auch einer Neuauflage des Stücks „Days“ war dieses Schicksal beschieden. Nach dieser Enttäuschung veröffentlichte MacColl für einige Jahre keine Stücke mehr, wobei die bei ihr entstandene Frustration durch eine langwährende Schreibblockade noch verschlimmert wurde.

Mehrere Reisen nach Kuba vermochten die Kreativität McColls wieder zu beleben. Im Jahre 2000 veröffentlichte sie das von lateinamerikanischer- und insbesondere kubanischer traditioneller Musik inspirierte Album Tropical Brainstorm, das häufig als ihre hervorragendste Arbeit bezeichnet wird, da es von einer gelungenen und besonders effektvollen Verschmelzung von lateinischen Klängen mit originellen britischen Texten zeugt. Das Album beinhaltet das Stück „In These Shoes“, das in den USA häufig in Radiosendungen ausgestrahlt wurde. Es wurde von Bette Midler gecovert, in der HBO-Fernsehserie „Sex and the City“ verwendet und von Catherine Tate als Titelmelodie für ihre BBC-TV-Show eingesetzt.

Die von MacColl geschriebenen Texte, deren Bandbreite von humorvoll über bissig bis anrührend traurig reicht, sind nur schwer zu kategorisieren, was in einigen Fällen den kommerziellen Erfolg ihrer Werke beeinträchtigt haben mag. MacColl entwickelte bereits früh in ihrer Karriere eine ausgesprochene Bühnenangst, die sie erstmals im Verlauf einer ihrer ersten Tourneen überkam und die sie niemals wirklich überwinden konnte. Sie war ihren Kindern eine hingebungsvolle Mutter und verzichtete für längere Zeiträume auf Auftritte im Rampenlicht, um sich auf die Erziehung ihrer Kinder konzentrieren zu können.

Tod und posthume Veröffentlichungen

Am 18. Dezember 2000 starb MacColl bei einem Badeunfall in Mexiko nahe Cozumel, wo sie mit ihrer Familie den Urlaub verbrachte. Beim gemeinsamen Schwimmen in einem Tauchern vorbehaltenen Gebiet stieß sie mit einem Motorboot zusammen und erlitt dabei tödliche Verletzungen. Zu der Kollision kam es, als McColl versuchte, ihren Sohn vor einer Kollision mit dem Motorboot zu schützen und ihn aus dessen Weg zu ziehen. Das Boot gehörte dem mexikanischen Millionär Guillermo González Nova, dem Eigentümer der Firma Comercial Mexicana und der nationalen Costco-Franchise-Kette. Dieser befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks zusammen mit mehreren Familienmitgliedern selbst an Bord des Bootes. Der Matrose José Cen Yam gestand, das Boot zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes gesteuert zu haben. Dieses soll nach Angaben des Eigners mit einer Geschwindigkeit von nur einem Knoten unterwegs gewesen sein. Der Matrose wurde der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und zur Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 1034 Pesos verurteilt. Einige Augenzeugen widersprechen jedoch sowohl den Angaben des Matrosen hinsichtlich der Person des Steuermannes zur Zeit des Unglücks als auch den Behauptungen des Eigners zur Geschwindigkeit des Motorbootes.

Die Familie MacColls setzt sich derzeit für eine erneute juristische Überprüfung der Umstände ein, die zu ihrem Tod geführt haben. Hierzu hat sie sich unter anderem mit einer Eingabe an die Inter-American Commission on Human Rights gewandt. Zu dem Unglück hat Olivia Lichtenstein eine bereits auf mehreren Kanälen der BBC ausgestrahlte Dokumentation mit dem Titel „Who Killed Kirsty MacColl?“ gedreht.

Seit ihrem Tod singt Billy Bragg das Stück „A New England“ nur noch mit den zusätzlichen Versen, die er einst für sie geschrieben hat. 2001 wurde zu ihrem Gedenken eine Bank am südlichen Eingang des Londoner Soho Square aufgestellt. Dies geschah in Anlehnung an eine Passage aus einem ihrer eindrucksvollsten Stücke: „An empty bench in Soho Square/ If you’d have come you’d have found me there“.

Im Jahr 2002 wurde zu ihren Ehren ein Erinnerungskonzert in der Londoner Royal Festival Hall veranstaltet, an dem sich viele Künstler beteiligten, die früher einmal mit ihr zusammen gearbeitet hatten oder die von ihrem Wirken beeinflusst worden waren.

Es gibt auch weiterhin Veröffentlichungen, die im Zusammenhang mit MacColl stehen. 2004 erschien die von Karen O’Brien verfasste Biografie Kirsty MacColl: The One and Only. Ihr musikalisches Werk wird in dem 2005 erschienenen dreifachen CD-Set From Croydon To Cuba zusammengefasst, das Stücke aus sämtlichen Schaffensphasen der Künstlerin enthält. Gleichfalls im Jahre 2005 wurde das Album Titanic Days als Deluxe-zweifach-CD-Set neu veröffentlicht. Die Alben Kite und Electric Landlady wurden ebenfalls remastered und mit zusätzlichen Stücken versehen erneut veröffentlicht. Ihr erstes Album Desperate Character ist derzeit nicht erhältlich. Allerdings sind einige der auf diesem Album befindlichen Stücke auf dem CD-Set From Croydon To Cuba zu finden. Am 7. August 2005 erschien das Album The Best of Kirsty MacColl. Das hieraus als Single ausgekoppelte neue Stück „Sun on the Water“ platzierte sich unter den Top 20 der britischen Charts.

Diskografie (Alben)

* Desperate Character (Juli 1981)
* Kite (April 1989)
* Electric Landlady (Juni 1991)
* Titanic Days (Februar 1994)
* Galore (März 1995)
* Tropical Brainstorm (März 2000)

Bearbeitet von mattcalico am 30. Mai. 2013, 12:30

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