Biografie

Juliette Gréco (* 7. Februar 1927 in Montpellier, Languedoc-Roussillon) ist eine französische Chansonsängerin und Schauspielerin.

Sie wird als Grande Dame des Chanson bezeichnet und gilt als Muse der französischen Existentialisten. Ihre Mutter war während des Zweiten Weltkriegs in der französischen Résistance aktiv. Über ihre Mutter und Familie berichtete die Künstlerin: Meine Mutter war niemals eine richtige Mutter zu mir. Sie war ihr ganzes Leben lang Soldat. An ihrer Brust hingen unzählige Auszeichnungen und Medaillen der französischen Widerstandskämpfer… sie war eine Frau, die man achten mußte, aber nicht lieben konnte. Ich habe niemals eine richtige Familie gehabt (zit. n. Rückseite der LP Juliette Grèco in Deutschland).

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie 1937 im Alter von zehn Jahren auf einem schulinternen Talentwettbewerb. Juliette Gréco wurde 1943 mit ihrer Mutter sowie ihrer älteren Schwester von der Gestapo verhaftet und zunächst in das Konzentrationslager Ravensbrück, dann in das Gefängnis Frèsnes gebracht, wo man sie nach drei Wochen entließ. Auch ihre Mutter und Schwester überlebten den Krieg. Grécos Verhältnis zu Deutschland blieb distanziert. Erst 1959 trat sie in der Bundesrepublik auf.

Nach dem Krieg blieb sie in Paris und hielt sich mit kleineren Gesangseinlagen über Wasser und zählte bald zur Bohème der Hauptstadt. In dieser Zeit kam sie mit kommunistischem Gedankengut in Berührung. 1946 eröffnete sie im Pariser Künstlerviertel Saint-Germain des Prés die Kellerdiskothek „Tabou“, die zu einem legendären Treffpunkt der Existenzialisten wurde. Boris Vian spielte hier Trompete, zu ihren Stammgästen zählten Jean-Paul Sartre, Orson Welles und Marlene Dietrich. Im Kellerlokal wurde sie von Jean-Paul Sartre entdeckt und gefördert: Eines Nachts, nach einer Theater-Vorstellung, stieg sie im ‘Tabou’ auf einen Tisch und sang den Künstlern und Literaten Chansons vor. Tags darauf bestellte sie der Philosoph Jean-Paul Sartre in seine Wohnung und gestand ihr, er sei davon überzeugt, daß sie bald eine der großen Chanson-Sängerinnen sein werde. Juliette Gréco durfte sich zwei Sartre-Gedichte aussuchen, die der Dichter dann vom Komponisten Joseph Kosma vertonen ließ. Wenig später, im Juni 1949, sang sie die Sartre-Chansons und vier weitere vom Förderer ausgesuchte Texte in dem der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft gehörenden Existentialisten-Keller ‘La rose rouge’ (zit. n. Rückseite der LP Juliette Grèco in Deutschland).

Ihre Chansons wie Si tu t’images oder L’Éternel féminin wurden Ende der Vierzigerjahre zu Hits. Schriftsteller wie Jean-Paul Sartre, Francoise Sagan, Jaques Prévert, Francois Mauriac oder Albert Camus schrieben für sie Texte. Gleichzeitig wurde sie als Schauspielerin bekannt. Sie nahm verschiedene Rollen am Theater wahr und betätigte sich in einer Poesie-Sendung im Radio. Mit der Revue April in Paris ging sie 1952 auf Tournee in die Vereinigten Staaten und nach Brasilien. Ihre Anhänger feierten sie als „Königin der Existenzialisten“ oder als „Muse von Saint-Germain-des-Prés“.

Trotz ihrer Erfolge erreichte die Gréco zu keiner Zeit eine Popularität wie beispielsweise Édith Piaf. Dafür galten ihre Lieder als zu politisch und intellektuell. So verlief ihre Karriere in einem ständigen Auf und Ab, immer wieder gelang ihr aber ein Comeback. In Deutschland trat sie zuletzt, zusammen mit ihrem Ehemann, am 13. November 2007 in Berlin (Admiralspalast) und am 16. November 2007 in München (Prinzregententheater) auf. Ihr letztes Album Le Temps d’une Chanson kam Ende 2006 auf den Markt.

Auch privat verlief das Leben der Gréco nicht immer in ruhigen Bahnen. Eine erste Ehe (1953 bis 1956) mit dem Schauspieler Philippe Lemaire, aus der Tochter Laurence Marie hervorging, scheiterte. Von 1966 bis 1977 war sie mit dem französischen Schauspieler Michel Piccoli verheiratet, 1989 trat sie mit dem Komponisten und Pianisten Gérard Jouannest vor den Traualtar. Die Künstlerin bekannte freimütig in einem Interview für die Wochenzeitung Die Zeit (8. November 2007/Nr. 46), dass sie auch sexuelle Kontakte zu Frauen hatte. Diesbezüglich sagte sie: Ich wollte schließlich nicht als Idiotin sterben… Warum sollte man nicht die gleiche sinnliche und intellektuelle Liebe für eine Frau empfinden können wie für einen Mann? Seit der Antike, seit dem Bestehen der Welt liebten die Frauen Frauen. Also, wo ist das Problem?

Von 1959 bis 1969 widmete sie sich dem französischen Chanson, entdeckte und förderte neue Talente wie Serge Gainsbourg und Leo Ferré. 1982 erschien mit Jujube ihre Autobiografie. Gréco erlitt im Mai 2001 bei einem Auftritt in Montpellier einen leichten Herzinfarkt. Sie lebt heute mit Jouannest auf einem Bauernhof in der Nähe von Paris und hat seit 2004 wieder Auftritte im In- und Ausland.

Bearbeitet von variationen am 28. Apr. 2008, 23:23

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