Sir John Eliot Gardiner (* 20. April 1943 in Fontmell, Dorset, England) ist ein britischer Dirigent und Chorleiter.

Bereits im Alter von 15 Jahren sammelte Gardiner erste Erfahrungen am Dirigentenpult. Als Jungstudent der Cambridge University leitete er die Oxford and Cambridge Singers auf einer Tournee durch den Mittleren Osten, bevor er im Jahr 1964 den Monteverdi Choir gründete. Während seines Studiums lernte er bei Thurston Dart in London und bei Nadia Boulanger in Paris.

Sein Londoner Operndebüt feierte er 1969 mit der Zauberflöte an der English National Opera, an Covent Garden trat er 1973 erstmals mit Glucks Iphigénie en Tauride auf. Bei seinem ersten amerikanischen Auftritt leitete er 1979 das Dallas Symphony Orchestra. Anläßlich seines 25sten Gründungsjubiläums reiste Gardiner auf einer Welttournee mit dem Monteverdi Choir mit Aufführungen von Monteverdis Marienvesper von 1610, die zugleich auch als Film, Video und CD-Produktion aufgezeichnet wurde.

Seine Haupterfolge feierte John Eliot Gardiner durch seine herausragenden Aufführungen und Einspielungen alter Musik. Nach Gründung des Monteverdi Choir gründete er im Jahr 1968 das Monteverdi Orchestra. Fast zehn Jahre später feierten die English Baroque Soloists, gebildet aus Mitgliedern des Monteverdi Orchestra, ihr Debüt beim Festival für Alte Musik in Innsbruck 1977 mit einer Aufführung von Händels Acis and Galatea auf historischen Instrumenten. Im Jahr 1990 gründete Gardiner ein weiteres Orchester mit historischen Instrumenten, um klassische und romantische Musik authentisch aufzuführen, das Orchestre Révolutionnaire et Romantique.

John Eliot Gardiner stand bereits am Pult zahlreicher namhafter Orchester, von 1980 bis 1983 war er Chefdirigent des CBC Vancouver Orchestra, 1983-1988 war er musikalischer Direktor der Opéra National de Lyon, an welcher er ein neues Orchester gründete, welches heute zu einem der besten in Frankreich zählt. Von 1981-1990 war er künstlerischer Direktor des Göttinger Händel-Festivals und von 1991-1994 Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg. Als Gastdirigent leitete er die Philharmonia Cleveland, das Royal Concertgebouw Amsterdam und die Wiener Philharmoniker. 1990 leitete er den Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists bei ihrem Debüt bei den Salzburger Festspielen, wo er seitdem ein regelmäßiger Gast ist.

Herausragende Aufnahmen unter der Leitung von John Eliot Gardiner entstanden vor allem in seiner Zeit bei PolyGram auf den Labels Deutsche Grammophon, Philips und auch Decca. 2004 gründet er sein eigenes Plattenlabel, die ‘Monteverdi Productions’, das ausschließlich Aufnahmen von Gardiners eigenen Ensembles veröffentlichen wird, darunter die Gesamtaufnahme der Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs, die im 250. Jahr nach Bachs Tod aufgeführt wurden.

Besonders hervorzuheben sind sicherlich die Aufnahmen der wichtigsten Vokalwerke Johann Sebastian Bachs (Matthäuspassion, Johannespassion, Messe in h-Moll, Weihnachtsoratorium, Magnificat sowie sämtlicher Kantaten, die allerdings nur zum Teil veröffentlicht wurden) sowie seine Aufnahmen mit Werken von Hector Berlioz, Georg Friedrich Händel und der Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch die Einspielungen der 9 Symphonien von Ludwig van Beethoven mit dem Orchestre révolutionaire et romantique.

Seine Platteneinspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein, darunter den „Künstler des Jahres 1994“ (Gramophone Award), „Dirigent des Jahres 1995“ (Klassic Echo Awards) und „Bester Dirigent 1995 (Cannes Classical Award). Der Deutsche Preis der Schallplattenkritik ernannte ihn 1994 zum „Klassischen Künstler des Jahres“, 1995 war er der erste Dirigent, der den Dietrich Buxtehude-Preis erhielt.

John Eliot Gardiner erhielt 1987 die Ehrendoktorwürde der Universität von Lyon, und wurde 1988 „Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres“ und 1990 „Commander of the British Empire“. 1992 wurde er zum Ehrenmitglied des King’s College London und der Royal Academy of Music ernannt.

Im Jahr 1998 wurde John Eliot Gardiner von Queen Elizabeth II anläßlich der June Birthday Honours zum Ritter geschlagen.

Im Mai 2005 erhielt er während des Bachfestes in Leipzig die „Bachmedaille“ für sein Lebenswerk verliehen.

Am 29.11.2005 wurde Sir John Eliot Gardiner durch den deutschen Botschafter in London, Thomas Matussek , das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse überreicht.


In seiner Freizeit führt Sir John Eliot Gardiner einen Öko-Bauernhof in North Dorset.

Bearbeitet von seelenpfluecker am 5. Dez. 2007, 9:55

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