Nur die wenigsten Insider wissen, dass James Harman seit nunmehr 35 Jahren als Sänger, Harmonikavirtuose und Bandleader das Bluesgeschehen bereichert. Der überwiegende Teil der Bluesinteressierten nahm den stämmigen Allrounder erst seit 1991 wahr. Angesichts der Tatsache, dass er in jenem Jahr mit „Do Not Disturb“ sein bis dahin erfolgreichstes Album veröffentlichte, ist diese Unkenntnis verzeihlich. Bis zum Durchbruch fischte Harman auch eher im Verborgenen und profilierte sich vor allem in der Liveszene mit bis zu 300 Auftritten im Jahr. Der Wechsel zu Black Top Records verbesserte seine Situation schlagartig und etablierte Harman mit bislang vier ausgezeichneten und außergewöhnlichen Alben als einen der erfolgreichsten Künstler der Bluesspezialisten von Black Top Records.

James Harman wurde 1946 in Anniston, Alabama, geboren und wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. 1961 zog die Familie nach Panama City, Florida, an „die Redneck-Riviera“ (James Harman). Er formierte mehrere Bands, mit denen er zwischen 1964 und 1969 neun Singles für fünf verschiedene Labels aufnahm. Unter dem Einfluß konventioneller Bluesvorlagen und angesagter Rocktendenzen entwickelte Harman einen ureigenen, temperamentvollen Bluesstil, der die Clubs zum Kochen brachte.

1970 ließ er sich im südlichen Kalifornien nieder, weil „dort eine heiße Bluesaction lief“ (James Harman). Es gab eine Fülle von Läden, wie das Ash Grove oder Lighthouse, die jeden Abend Live-Blues anboten und damit Talenten wie Rod Piazza, der damals mit Bacon Fat spielte, Kim Wilson, der sich Golita Sam nannte, und eben Harman den Weg ebneten. Der trat inzwischen als James ‘Icepick’ Harman mit der Icehouse Blues Band auf und begleitete wochenlang u.a. Eddie ‘Cleanhead’ Vinson, Big Joe und John Lee Hooker.

Doch als die Blueseuphorie wieder einmal verflogen war, verliefen die 70er Jahre wenig erfreulich. Zusätzlich warfen schwere Erkrankungen Harman immer wieder zurück. 1977 hatte er sich soweit erholt, daß er die erste Auflage der James Harman Band realisieren konnte. Sie wurde zu einer Art Talentschmiede und brachte u. a. Phil Alvin und Bill Bateman, die 1978 die Blasters gründeten, und den Gitarristen Kid Ramos hervor. 1983 konnte Harman mit „Thank You Baby“ endlich ein Studioalbum fertigstellen. Zwei Jahre später unterzeichnete er bei Bob Riviera und dessen Label Riviera Records einen Vertrag. 1985 wurde die LP „Strictly Live“ mitgeschnitten, die aber erst 1990 herauskam, und 1988 erschien die Studioproduktion „Extra Napkins“. Bereits 1987 brachte Rhino Records die Platte „Those Dangerous Gentlemen“ in die Läden, mit der Harman einem eingängigen Radiopop folgte. Er bezeichnete sie später als bedauerlichen Ausrutscher.

Die 90er Jahre brachten James Harman schließlich das längst verdiente Glück, dank Black Top und der CDs „Do Not Disturb“ (1991), „Two Sides To Every Story“ (1993), „Cards On The Table“ (1994) und „Black & White“ (1995). Einige der besten Songs dieser Ära faßte 1997 der Sampler „Icepick’s Story“ zusammen: „Tall Skinny Mama“ stand für einen unwiderstehlichen Chicago Stomp-Stil, während „Temporary Blues“ mit Gastgitarrist Anson Funderburgh die aktuelle Bluesszene kommentierte . Beim „Phonebill Blues“ setzen Bläser die Akzente, dagegen wandelte „Second Yoyage Of Noah’s Ark auf psychedelischen Spuren, und zu „Walk The Streets (Cold And Lonely) wurde Harman von finnischer Folkmusik inspiriert, als er Skandinavien bereiste. Mit diesen Beispielen demonstrierte Harman seine Möglichkeiten und wies er sich als modernen Blueskönner mit klassischen Qualitäten aus. Sie gewährten ihm einen optimalen Einstieg in seinen Bluesstil.

Bearbeitet von Gypsy_51 am 17. Aug. 2010, 23:53

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