Biografie

Gianna Nannini (* 14. Juni 1954 in Siena) ist eine italienische Liedermacherin und Rocksängerin, die auch im deutschsprachigen Raum große Popularität erreicht hat.

Gianna Nannini wurde am 14. Juni 1954 in der Toskana als Tochter einer wohlhabenden und traditionsreichen Konditorfamilie geboren. Ihr Bruder Alessandro Nannini war Fahrer in der Formel 1, bis er bei einem Hubschrauberunfall am Arm verletzt wurde. Mittlerweile leitet er die Backstube seiner Eltern. Nach dem Abitur in Bologna verließ sie mit 18 Jahren das Elternhaus und studierte zunächst Klavier in Turin und im Anschluss daran Komposition in Mailand. Sie beendete 1994 ihr Studium im Fach Literaturwissenschaft und Philosophie mit einer Arbeit über das Thema „Il Corpo nella voce“ (Der Körper in der Stimme). Sie hat eine besondere Vorliebe für die Philosophie Martin Heideggers, außerdem engagiert sie sich für Greenpeace und für an Brustkrebs erkrankte Frauen.

Zu ihrem Vater Danilo hatte Gianna stets ein gespaltenes Verhältnis, da die rebellische Tochter nicht seinen Vorstellungen entsprach und dann auch im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal ausriss.


Janis Joplin (1943-1970) wurde früh zu Gianna Nanninis Vorbild. Anhand der Schallplatten lässt sie sich stark von Joplin beeinflussen. Nanninis erste beiden Alben waren keine großen Erfolge. Ihrem autobiografischen und introvertierten Debütalbum Gianna Nannini (1976) folgte bald das poetische Album Una Radura (1977). Rock`n`Roll lernte sie dann auf einer längeren USA-Reise schätzen, die sie immerhin aus ihren Albenverkäufen finanzieren konnte.

Im Jahr 1979 kam mit California die erste erfolgreiche Langspielplatte heraus, deren feministischer Inhalt und provozierendes Cover in Italien einen Skandal auslösten. Mit dem Titel America, der im streng katholischen Italien für viel Furore sorgte, weil Gianna auf dem Album-Cover California die Fackel der Freiheitsstatue gegen einen Vibrator austauschte, schaffte sie 1979 den Durchbruch, trotz des angeblich so skandalösen Textes. Während die Platte in der Bundesrepublik bereits ein Erfolg wurde, galt die Sängerin in ihrer Heimat zunächst als radikale Feministin.

Zuvor kooperierte sie jedoch mit der legendären Rockband P.M.F. 1981 schrieb sie die Filmmusik für den Film Sconcerto Rock und sang darin das Titellied Ora. Auf ihrem Album G. N. (1981) experimentierte sie mit elektronischer Musik und landete mit dem Titel Occhi Aperti einen Hit.

Ihr neuer Manager Peter Zumsteg vehilft ihr zum endgültigen Durchbruch. Mit Latin Lover (1982) beginnt zudem eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Conny Plank, der schon Ultravox, Eurythmics und Kraftwerk produzierte. Es wurde bis dato ihr größter Erfolg. Die Single Latin Lover wurde in der Bundesrepublik zu einer ihrer bedeutendsten Hits. Gemeinsam entstehen weitere zwei Alben, ehe Plank übberaschend stirbt. „Im Soul liegt das Geheimnis deiner Musik“, hat Plank immer wieder zu Nannini gesagt (Autobiographie „Ich“).

Die LP Puzzle (1984) bedeutete auch den Durchbruch in Italien, wo kurz darauf die Singleauskopplung Fotoromanza für drei Monate als Nummer eins und Sommerhit von 1984 gefeiert wurde, was ihr in Italien eine goldene Schallplatte einbrachte. Puzzle gerät in Italien zur bis dahin am meisten verkauften Platte einer weiblichen Interpretin. Beim Musikfestival „Festivalbar“ trug sie mit dem Abschlusskonzert in der Arena von Verona den Sieg davon.

1987 produzierte sie mit dem deutschen Produzenten Armand Volker die Single I Maschi, mit welcher sie Italien auf dem 18. World Popular Song Festival in Tokio vertrat. Dieses Lied wurde ihr bis dahin größter Erfolg.

In den Jahren 1987/88 traf die Rocksängerin auf einer mehrmonatigen Tour durch ganz Europa auf ausverkaufte Hallen in Italien, Frankreich, Deutschland und Skandinavien. Ihr Album Malafemmina (1988) behauptete sich in der Hitparade der Bundesrepublik, durch die sie im November tourte.

1990 produzierte sie zusammen mit Edoardo Bennato zur Fußballweltmeisterschaft in Italien den Hit Un’Estate Italiana, den sie bei der Eröffnugsfeier im „Giuseppe Meazza Stadion“ in Mailand aufführten. Dabei sahen ca. 1 Milliarde Menschen am TV zu. Außerdem erschien im Jahre 1992 die spanische Version von Maschi e altri und im August 1996 ihr Best of Album Bomboloni, mit bekannten Erfolgen und drei neuen Stücken.

Dann wendete sie sich einer Literaturverfilmung von Michael Endes Geschichte Momo zu, dessen Soundtrack sie schrieb (2000). Bei diesem Zeichentrickfilm experimentierte sie erstmals mit Elementen elektronischer Musik.

Mit dem Album Aria (2002) gehen die Produzenten ganz neue Wege. Es ist geprägt von elektronischer Musik und Soundeffekten. Noise-Computer und Vocoder bilden die Grundlage der 13 Lieder. Das Album wird ein Erfolg in Italien. Dieses Konzept war allerdings gegen Nanninis Willen entstanden und das Album entstand ohne ihre Zustimmung. Die „wunderschönen Lieder“ im Rockstil, die in zwei Jahren entstanden waren, wurden nach Nanninis Auffassung „mit viel Elektronik … bis zur Unkenntlichkeit zerstört“ (Autobiographie „Ich“).

Für ihr Album Perle (2004) geht Nannini selbst neue Wege. Nach der tiefen Enttäuschung über Aria übernimmt sie selbst die Verantwortung und das alleinige „Kommando“ für ihr Album. Sie setzt jetzt musikalisch schwerpunktmäßig auf ihr Piano und die Musiker des Solis String Quartets aus Neapel. Damit hat sie 14 ihrer Lieblingssongs - darunter auch viele Hits - neu umgesetzt. Auch Cello und Pianoforte können dabei nicht ihr unbändiges Temperament zähmen. Die Verwendung klassischer Instrumente war kommerziell riskant für eine Rocksängerin. Das Album wurde ein großer Erfolg in Italien.

Mit ihrem neuen Album Grazie (2006) kehrte Nannini zur Rockmusik zurück, wobei sie aber Klavier und Streichinstrumente mit einbaute. Mit diesem Album feierte sie ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und hatte so großen Erfolg, dass die CD bereits kurz nach der Veröffentlichung mit Platin ausgezeichnet wurde. Mittlerweile erreichte das Album mit über 400.000 verkauften Einheiten den Status der italienischen Diamant-Platte (entspricht 5xPlatin), es war die erfolgreichste CD des Jahres 2006, die 11 Wochen an der Spitze der Charts stand.

Im Jahr 2007 erschien ein internationaler Werbespot für den neuen Fiat Bravo, in dem eine akustische Version ihres Titels Meravigliosa Creatura (aus dem Album Perle) verwendet wurde. Der Erfolg des Liedes und des Spots brachte Perle drei Jahre nach der Erstveröffentlichung einen Wiedereinstieg in die italienischen Top-50 der Verkaufscharts ein.

Im April 2007 erschien Ihr Album Pia come la canto io, an dem sie elf Jahre gearbeitet hat, und das - wie schon „Grazie“ - von Wil Malone produziert worden ist. Darauf finden wir eine Sammlung von Liedern, die sie für eine Popoper geschrieben hat, die 2008 uraufgeführt werden soll.

Die Band, mit der „La Gianna“ durch Europa tourt, umfasst einerseits eine Rockband mit zwei Gitarristen, andererseits das „Solis String Quartet“ aus Neapel, welches aus 4 klassischen Streichern besteht. Ihre Texte und Lieder wenden sich voll Bitterkeit und Wut gegen tradierte Wert- und Moralvorstellungen, drücken aber auch viel Lebensmut und Kraft aus. Bei Konzerten mag sie es, wenn die Leute genauso aus sich herausgehen, wie sie auf der Bühne auch. „Bühne und Publikum müssen eins sein! […] Es braucht schon einiges an Durchhaltevermögen, jeden Abend da herauszugehen und sein Bestes zu geben. Manchmal bin ich nach einem Konzert halb tot. Da übertreibe ich es eben!“

Bearbeitet von Kuwjet am 11. Aug. 2013, 23:30

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