Biografie
Pioniere des Progressive Metal
Zusammen mit den etwas früher gegründeten Gruppen Queensrÿche und Fates Warning wird Dream Theater eine Rolle als Wegbereiter des Progressive Metal als Synthese aus Heavy Metal und Progressive Rock in den späten 1980ern und frühen 1990ern zugeschrieben. Vom Erfolg bei Kritikern und Zuhörern dieser neuen Inkarnation des Progressive Rock profitierte auch dessen klassische Spielart durch neuerlangte Popularität und junges Publikum. In den 1980er Jahren hatten sich Schwergewichte des Progressive Rock wie Yes, Rush oder Genesis in Richtung Pop-Rock entwickelt und Neo-Prog-Bands wie Marillion und IQ waren bekannt, ihre Musik wurde aber oft als weniger komplex als die ihrer Gegenstücke in den 1970ern angesehen.
Heute ist Dream Theater eine der wichtigsten und die kommerziell erfolgreichste Progressive-Metal-Band. Während sich Queensrÿche nach dem Erfolg des Albums Empire und dessen Hitsingle
Geschichte
1985–1990: Gründung, erste Einspielungen und Besetzungswechsel
Im September 1985 wurde die Band von den Musikstudenten John Petrucci (Gitarre), John Myung (Bass) und Mike Portnoy (Schlagzeug) gegründet. Alle drei besuchten das Berklee College of Music und stammen aus New York. Der Keyboarder Kevin Moore und Sänger Chris Collins vervollständigten das Line-Up, welches unter dem Namen Majesty bekannt wurde. Schon bald musste die Band ihren Namen aus rechtlichen Gründen in Dream Theater umwandeln, da Majesty bereits vergeben war. Der Name Dream Theater war ein Vorschlag des Vaters von Mike Portnoy, der sich von einem kalifornischen Kino inspirieren ließ. Nach einigen Demoaufnahmen und Besetzungsänderungen erschien 1989 das offizielle Debütalbum When Dream And Day Unite, auf dem Charlie Dominici anstelle von Chris Collins singt.
1991–1994: Durchbruch mit Images and Words; späte Kevin-Moore-Ära
Wegen Problemen mit der Plattenfirma, dem daraus folgenden mangelnden Erfolg und künstlerlischer Differenzen verpflichteten sie mit dem Kanadier James LaBrie anderthalb Jahre nach dem Rausschmiss von Charlie Dominici einen neuen Sänger. LaBries Stimme weist ein umfangreiches Tonspektrum auf, zudem verfügt er über eine Ausbildung als Opernsänger. An seiner Gesangsweise wird lediglich die Neigung zum so genannten Pressen kritisiert.
1992 erschien das zweite Album, Images and Words, das – gemessen an den Maßstäben des Progressive Metal – zum Verkaufsschlager wurde. Das Album gilt als das erfolgreichste Progressive-Metal-Album aller Zeiten. Mit dem Titel
Aufgrund musikalischer Differenzen und aus Frustration über das Tourleben verließ der Keyboarder Kevin Moore nach den Aufnahmen zum dritten Album [album artist=dream theater]Awake (1994) die Band. Mit
1995–1998: Unter dem Druck des Labels; Derek-Sherinian-Ära
Mit Moores Nachfolger Derek Sherinian nahmen Dream Theater das 23-minütige Epos
Von Liquid Tension Experiment (Instrumentalprojekt mit Bassist Tony Levin) brachten Portnoy und Petrucci den Keyboarder Jordan Rudess mit, der sich bei seinen Soli durch eine gitarrenähnliche Phrasierung auszeichnet. Um ihm Platz zu machen, musste Sherinian die Band verlassen.
1999 bis heute: Weltweiter Erfolg stellt sich ein, Jordan-Rudess-Ära
Mit Rudess schrieb die Band nun am Nachfolger zu Metropolis Part 1, für den ihnen ihre Plattenfirma absolute künstlerische Freiheit gewährte. Das daraus resultierende fünfte Studioalbum Metropolis Pt. II: Scenes From A Memory ist ein Konzeptalbum, welches inhaltlich sowie musikalisch zusammenhängt und zahlreiche Zitate aus dem ersten Teil beinhaltet. Stücke mit besonders virtuosen Instrumentalpassagen sind
Im Jahr 2000 folgte auf die Metropolis-2000-Welttournee die erste Live-DVD der Band mit einer visuellen Umsetzung des Konzeptalbums sowie einer Dreifach-Live-CD mit dem Titel Live Scenes From New York (2000). Diese erschien in den USA am 11. September 2001. Das ursprüngliche Cover zeigte einen stacheldrahtumwickelten Apfel, oberhalb dessen die Skyline New Yorks abgebildet war. Alles zusammen war umgeben von einer Flamme – eine gruselig anmutende Koinzidenz mit den Anschlägen auf das World Trade Center. Die CD wurde umgehend aus den Ladenregalen genommen und anschließend mit ausgetauschtem Cover zwei Monate später neu veröffentlicht. Das für die Wiederveröffentlichung entwickelte Cover enthält dieselben Bildschnipsel, die auch vorher schon zu sehen waren, lediglich wurde der brennende Apfel durch das goldene Majesty-Symbol ersetzt.
Nach dieser Tournee begannen Dream Theater mit experimentellen Songideen zu arbeiten und veröffentlichten im Jahre 2002 das Doppelalbum Six Degrees of Inner Turbulence. Das darauf enthaltene, gleichnamige 42-minütige Titel-Epos weist mit den Teilen I. Overture und VII. About to Crash (reprise) erneut typische Merkmale eines Konzeptalbums auf. Die Band betont aber, dass es nicht als solches verstanden werden soll. Der Titel Disappear wurde der Titelsong vom 2000 gedrehten Drama Hamlet. Dazu gab es auch einen von Michael Bahr produzierten Videoclip. Auf das Album folgte die World-Tourbulence-Welttournee. Als Zugabe spielte die Band gelegentlich die Alben Master of Puppets (1986) von Metallica oder The Number of the Beast (1982) von Iron Maiden in voller Länge.
Den Nachfolger Train Of Thought (2003) schrieben Dream Theater innerhalb von nur zwei Monaten. Musikalisch als Hommage an ihre Heavy-Metal-Vorbilder gedacht, zeichnet sich das Album durch geradlinige Härte und hohe Geschwindigkeit aus, wobei Dream Theater ihre gewohnt virtuosen Instrumentalpassagen beibehielten. Während der Welttournee zu diesem Album entstand das drei CDs umfassende Livealbum [album artist=dream theater]Live At Budokan, das sich vom vorangegangenen Dreifach-Livealbum durch eine fast komplett unterschiedliche Setlist unterscheidet. Nennenswerte Stücke dieses Albums sind Instrumedley, welches aus mehreren Instrumentalstücken von Dream Theater und Liquid Tension Experiment zusammengesetzt ist, sowie das um eine ausgedehnte Jamsession erweiterte Beyond This Life.
Im Juni 2005 erschien das achte Album Octavarium, auf dem sich der Stil wieder in eine melodischere Richtung bewegte. Darauf finden sich mehrere poprockig anmutende Balladen, die nach Angaben der Band von Bands wie U2 oder Coldplay beeinflusst sind (z.B. zu hören in I Walk Beside You). Weiterhin ist der Track Never Enough unüberhörbar von Muse inspiriert. Das Uptempo-Stück hat nicht nur einen ähnlichen Drumbeat, verzerrte Stimme und ein markantes Keyboard-Arpeggio, sondern auch exakt das gleiche Tempo wie Stockholm Syndrome von Muse.
Der 24-minütige Titeltrack Octavarium hingegen ist eine Hommage an Progressive Rock-Größen wie Genesis, Pink Floyd, Yes etc. Absichtlich werden musikalisch ähnliche Motive und Instrumente (z. B. das schwelgerische Keyboard/Gitarren-Intro (Live mit Continuum Fingerboard) als Anspielung auf Shine on You Crazy Diamond von Pink Floyd) verwendet. Im Text werden sogar bekannte Songtitel als Zitat wiedergegeben (z.B. Lucy in the Sky With Diamonds, Supper’s Ready). Erwähnenswert zu diesem Album ist ebenfalls das Orchester, welches die Band bei den Songs Sacrificed Sons und Octavarium begleitet.
Ab Sommer 2005 starteten Dream Theater wieder eine ausgedehnte Welttournee und tourten u.a. mit Megadeth unter dem Namen Gigantour durch die USA. Auf der anschließenden 20th Anniversary Tour durch Europa coverte die Band traditionell wieder ein Album in voller Länge. Dark Side of the Moon von Pink Floyd wurde das erste Mal im Oktober 2005 mit den Gastmusikern Theresa Thomason als Sängerin und Mike Kidson am Saxophon in Amsterdam vorgetragen. Während der Japan-Tournee im Januar 2006 wurde als Coveralbum jedoch Made In Japan von Deep Purple in Tokio live gespielt. Am 1. April 2006 spielten Dream Theater zum Ausklang ihrer 2005/2006-Welttournee und anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens ein Konzert mit Orchesterbegleitung in der New Yorker Radio City Music Hall, welches am 25. August unter dem Titel Score (zu dt. Partitur) auf CD und DVD veröffentlicht wurde.
Im Sommer 2007 veröffentlichten Dream Theater das bisher letzte Studioalbum Systematic Chaos, welches neben der Standard-Ausführung auch in einer Special Edition veröffentlicht wird, die auf einer Bonus-DVD neben einer 90-minütigen Making-of-Dokumentation auch eine 5.1-Version des Albums enthält.
Nach der Chaos-in-Motion-Welttournee 2007/2008 gab Drummer Portnoy bekannt, dass eine weitere Doppel-DVD in Vorbereitung sei, die am 28. September 2008 erscheinen soll und Live-Material von verschiedenen Konzerten der letzten Tournee enthält. Statt wie bisher bei Dream Theater-Livealben üblich, wird der Audiomitschnitt diesmal nicht seperat zur DVD verkauft, sondern nur in der Special-Edition mit insgesamt 5 Silberscheiben (die zwei DVDs des normalen Albums und drei Audio-CDs) erhältlich sein. Portnoy kündigte außerdem an, dass Dream Theater ab September 2008 mit den Aufnahmen für ihr nunmehr zehntes Studioalbum beginnen werden.
Konzerte
Im Laufe der Bandgeschichte sind die Konzerte allmählich immer größer, länger und vielfältiger geworden. Anfangs waren Dream Theater-Konzerte nicht sonderlich anders als die jeder anderen Progressive Metal-Band, heute zählen sie jedoch zu den abwechslungsreichsten des Genres.
Das auffälligste Beispiel hierfür sind ihre flexiblen, dauernd wechselnden Setlists. Dies bedeutet, dass jedes einzelne Konzert jeder Tour eine eigene Setlist hat, die Mike Portnoy so erstellt, dass jedes Konzert vom Ablauf her fast einzigartig ist. Einfluss auf die Setlist nehmen die Setlisten von vorhergehenden Städten, sodass Konzerte in derselben Gegend mehrmals angesehen werden können, ohne dass man zweimal hintereinander dasselbe Set zu sehen bekommt. Dabei werden auch Setlisten vergangener Jahre in den entsprechenden Städten beachtet, um Fans zu belohnen, die die Band auf ihrer letzten Tour gesehen haben. Damit dies möglich wird, muss die Band in der Lage sein, den Großteil ihres Songkataloges jederzeit spielen zu können. Außerdem führen Dream Theater seit der Einführung dieser Idee den Soundcheck nur noch über Kopfhörer durch – das heißt die Lautsprecheranlage wird komplett ausgeschaltet, damit Fans, die schon vor Konzertbeginn anwesend sind, noch überrascht werden können. Es erfordert auch die Verwendung eines sehr komplexen Lichtsystems, das voreingestellte Bewegungen der Lampen, basierend auf der eingegebenen Setlist, ausführt.
Die Länge der Konzerte ist ein anderes herausstechendes Element von Dream Theater. Ihre Welttourneen werden seit Six Degrees of Inner Turbulence überwiegend Evening-with…-Tourneen genannt, da die Band mindestens drei Stunden mit nur einer Pause und ohne Vorband spielt. Das Konzert der CD/DVD Live Scenes From New York dauerte fast vier Stunden und endete beinahe mit einem Krankenhausaufenthalt Portnoys.
Humor, Improvisation und eine unverkrampfte Atmosphäre spielen ebenfalls eine große Rolle bei einem Dream-Theater-Auftritt. So kommt es beispielsweise vor, dass ein Publikumsmitglied zufällig ausgesucht wird und mit der Band für ein Lied auf die Bühne darf, so zu sehen auf der DVD Live at Budokan während Portnoys Schlagzeugsolo. Es gab auch schon improvisierte Versionen von Happy Birthday, wenn eines der Mitglieder aus Band oder Crew an einem Konzerttag Geburtstag hatten. Im Normalfall wird der Person dann ein Geburtstagskuchen auf den Kopf geworfen.
Als Derek Sherinian noch bei der Band war, gab es einige Auftritte, in denen die Bandmitglieder die Instrumente tauschten und eine Zugabe als die erfundene Band Nightmare Cinema gaben. Dabei wurde für gewöhnlich
Im Vergleich zu Konzerten zu anderen Bands ist die Bühnenshow der Band jedoch eher einfach gehalten. Die Musiker bleiben weitgehend an ihren Plätzen und konzentrieren sich darauf, die komplexen Stücke fehlerfrei über die Bühne zu bringen; dies ist vor allem auf den Live-DVDs zu sehen, ist aber bei nicht aufgezeichneten Konzerten nicht so stark ausgeprägt. Eine Ausnahme ist hier James LaBrie, der z.B. während der Instrumentalparts oft über die Bühne rennt und mit dem Publikum kommuniziert. Auch die Fans bleiben im Vergleich zu den Fans anderer Metalbands ruhiger, Crowd Surfing oder Pogo finden eher selten statt. Viele Fans der Band sind selbst Musiker und konzentrieren sich daher auf das Spiel der Band.
Konzertaufnahmen und Bootlegs
Dream Theater ist eine der Progressive-Metal-Bands mit den meisten Bootlegs. Seit ihren allerersten Auftritten in New York als Majesty haben Fans fast jede einzelne Show aufgenommen und auch einige sehr lange und professionelle Aufnahmen sind in Umlauf gekommen.
Von den Musikern selbst befürwortet allerdings nur Mike Portnoy die Veröffentlichung von Dream-Theater-Bootlegs, da er in seinen jüngeren Tagen selbst ein begeisterter Bootleg-Sammler war und auch ein eigenes persönliches Archiv von Dream-Theater-Material hat, welches die größte Dream Theater Bootleg Sammlung sein dürfte. Einige Aufnahmen vertreibt er durch die von ihm gegründete Firma YtseJam Records (YtseJam ergibt sich, wenn man Majesty rückwärts schreibt), darunter auch zwei der bisherigen Coverauftritte zu Metallicas Master of Puppets, Iron Maidens Number of the Beast und aktuell Pink Floyds Dark Side Of The Moon sowie Made In Japan von Deep Purple. Die übrigen Bandmitglieder zeigen sich in der Regel kulant, wenn es darum geht, Autogrammwünsche auf Bootlegs zu erfüllen, nehmen persönlich allerdings eher eine neutrale bis ablehnende Haltung ein. Sie argumentieren unter anderem damit, dass Bootlegs den Bands die Kontrolle über ihre Konzerte nehmen und sie in die Hände der Öffentlichkeit gäben. Zudem solle sich das Publikum auf die Konzerte konzentrieren und nicht auf ihre Aufnahmegeräte.
Seit 2005 gibt es außerdem einen Dream Theater Bootleg Hub (DC++), in dem ausschließlich legale, verlustfrei komprimierte Bootlegs getauscht werden (zumeist im FLAC-Format).
Weblinks
www.dreamtheater.net (Offizielle Website)
www.mikeportnoy.com (Offizielle Website von Mike Portnoy)
www.johnpetrucci.com (Offizielle Website von John Petrucci)
www.jordanrudess.com (Offizielle Website von Jordan Rudess)
www.themirror.de (Website des Deutschen Fanclubs)
Bearbeitet von jojo-m am 26. Aug. 2008, 10:22
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Wikifakten (?)
- Gegründet in (Jahr):
-
- 1985
- Gegründet in (Ort):
-
- New York, USA
- Bandmitglieder:
-
- John Petrucci (1985 - )
- John Myung (1985 - )
- Mike Portnoy (1985 - )
- Kevin Moore (1986 - 1994)
- Chris Collins (1985 - 1986)
- Charlie Dominici (1987 - 1989)
- James LaBrie (1991 - )
- Derek Sherinian (1994 - 1999)
- Jordan Rudess (1999 - )
- Offizielle Website:
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