Biografie

Wilken Schade, Matthias Lorenz und Marc Beekmann sind, gottlob, nicht einfach die tausendste Elektronikcombo, die angenehme Sofamusik im Kruder & Dorfmeister-Stil fabriziert. Die drei gelernten Tischler, die sich vor gut 15 Jahren an der Hamburger Berufsschule kennen lernten, zimmern sich eine ganz eigene Einrichtung zurecht: Zwischen modisches Downbeat-Mobiliar stellen sie ganz unkonventionell ein buntes Sammelsurium ausgefallener musikalischer Antiquitäten. Entspannende, vom Dub-Reggae inspirierte, tiefe Bassrhythmen werden mit Versatzstücken vor allem aus Cha-Cha und anderen lateinamerikanischen Tanzstilen alter Zeiten zusammengebracht. So lässt einen diese Don Air-Lounge nicht durch ein Übermaß an Coolness unterkühlt frösteln. Im Gegenteil: Sie belebt durch aufgeweckte Quirligkeit, die ansteckt.

Bestes Beispiel ist „Desert Dancer“: Zwischen gesampeltes Platternknistern schiebt sich eine schräge Country-Gitarre, verquerer Näselgesang, Latin-Perkussion und gemütliche Dub-Rhythmik. Nicht minder witzig: der „Stompers Dub“ und „Kiss Me“, das Tanzmusik-Aficionados schwer an den Latinstandard „Besame Mucho“ erinnern wird. Der freie Umgang mit traditionellen Rohmaterialien, die Flut sekundenkurzer Zitate - damit klingen Don Air wie das musikalische Pendant zu Filmregisseuren wie Jim Jarmusch und Quentin Tarantino. Dazu passen Fisimatenten wie das Versteckspiel der drei 32-jährigen hinter dem mysteriösen Phantasie-Frontmann Donatos Airtos. „Den hat es wirklich gegeben“, sagt Marc Beekmann. „Das war ein völlig schräger Typ, den wir auf dem Bau getroffen haben.“

Wie Beekmann, der noch in Hamburg lebt, arbeiten nämlich auch seine beiden Kollegen, die inzwischen im Londoner Stadtteil Brixton ansässig sind, hauptberuflich noch immer als Tischler. Das Trio trifft sich nur ein paar Mal im Jahr; die Musik entsteht, indem sich das Trio Tapes zwischen London und Hamburg hin- und herschickt. Die Initiative zu Don Air ging dabei von Wilken Schade aus, der nicht nur passionierter Reggae-Fan, sondern auch leidenschaftlicher Sammler alter und seltener Singles ist, nach denen er auf Flohmärkten fahndet. Als Abschlussarbeit für die Londoner Kunsthochschule, an der er studierte, legte er 1998 eine Vinyl-Single mit drei Stücken vor, in denen er skurrile Fundstücke aus seiner Plattensammlung sampelte und mit von seinen alten Tischler-Freunden eingespielten Instrumenten zusammenmontierte. Jene in 300 Exemplaren gepresste erste Don Air-Platte fand schließlich ihren Weg zu den wohlbekannten Stereo MC’s („Connected“): Eines Tages riefen die britischen TripHop-Pioniere bei den emigrierten Hamburgern an und sorgten dafür, dass Don Air nun auf dem Stereo MC’s-Label Response herumholzen können. Auch auf Albumlänge gelingt es den musizierenden Zimmersleuten dabei, dass in den zwölf Songs ihrer Debüt-CD „Carpenter’s Delight“ kein Wurm drin steckt.

Bearbeitet von Dubsurdistan am 15. Jun. 2008, 13:29

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