Biografie

Charles Edward Ives (* 20. Oktober 1874 in Danbury, Connecticut; † 19. Mai 1954 in New York City) war ein US-amerikanischer Komponist.

Biografie

Ives wurde am 20. Oktober 1874 in Danbury, Connecticut, als Sohn eines US-Armee-Kapellmeisters geboren. Bereits in frühem Alter bekam er Musikunterricht von seinem Vater, der ein sehr unkonventioneller Mann gewesen sein muss. Später studierte Ives bei Horatio Parker an der Yale-Universität. Nach seinem Abschluss entschloss er sich jedoch, erneut auf Anraten seines Vaters, für einen konventionellen Beruf, weil er glaubte, musikalische Kompromisse schließen zu müssen, wenn er von der Musik leben wolle. Daher begann er seine Laufbahn bei einer Lebensversicherung, wobei er nebenher bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr als Organist tätig war. Musik komponierte er in seiner Freizeit.

Nach seiner Heirat mit Harmony Twitchell, einer Krankenschwester, im Jahr 1908 zog Ives nach New York City. Die Ehe blieb kinderlos. 1916 adoptierte das Paar die 15 Monate alte Edith Osborne (1914–1956). Sein Auskommen hatte er nun in seiner eigenen Versicherung Ives & Myrick. Er blieb weiterhin ein überaus produktiver Komponist bis zu seinem ersten Herzinfarkt 1918, nach welchem er das Komponieren ziemlich einschränkte. Seine letzte originale Komposition „Sunrise“ für Stimme und Streichquartett über einen eigenen Text komponierte er 1926. Danach folgten noch etliche Revisionen und Überarbeitungen früherer Werke. Durch seine Arbeit in der Versicherung zu einem stattlichen Vermögen gekommen, finanzierte er Konzerte, Publikationen und Aufnahmen von befreundeten Komponisten.

Zeit seines Lebens wurde seine Musik weitgehend ignoriert, und so blieben die meisten seiner Werke viele Jahre unaufgeführt. Seine Tendenz zu experimentieren und zu kompromisslosem Einsatz von Dissonanzen liebten nur wenige. Nach Ives’ Ansicht war eines der schlimmsten Wörter, Musik abzuklassifizieren, die Bezeichnung „nett“, so dass seine eigene Unpopularität ihn wohl nicht überraschte. 1940 traf er Lou Harrison, einen Anhänger seiner Musik, der ihn förderte und seine Popularität etwas steigern konnte. Am bemerkenswertesten war sein Dirigat der Premiere der Symphonie Nr. 3 im Jahr 1946. Im folgenden Jahr gewann er damit den Pulitzer-Preis. Das Preisgeld verschenkte er (zur Hälfte an Harrison) mit der Aussage: „Prizes are for schoolboys - I am no longer a schoolboy.“

Charles Ives starb 1954 in New York. In den folgenden Jahrzehnten wuchs allmählich sein Ansehen, und heute wird er als wichtiger Komponist angesehen.

Seine Musik

Obwohl Ives viele Lieder mit oft auffallend origineller Klavierbegleitung schrieb, ist er heute in erster Linie für seine Instrumentalmusik bekannt. Beeinflusst durch seine Arbeit als Organist schrieb er 1891 Variations on „America“, das er selbst zu Feierlichkeiten zum 4. Juli vortrug. Das Stück macht in der Melodie (die der britischen Nationalhymne entspricht) eine Reihe eher konventioneller aber witziger Variationen. Eine ist im Stil eines Flamencos, eine andere, die er einige Jahre nach der Erstaufführung komponiert hatte, ist wahrscheinlich Ives erster Ansatz von Bitonalität. Eine Version von William Schuman für Orchester wurde 1964 uraufgeführt und zeigt, wie anerkannt Ives nach seinem Tod war. Ives experimentierte auch mit Texturen, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ablaufen, mit Vierteltönen und Raummusik.

Eines der ersten und auffallendsten Beispiele für Ives’ Experimentierfreude ist The Unanswered Question von 1906, ein Werk, das er für eine ungewöhnliche Besetzung schrieb (Trompete, vier Flöten und Streichquartett). Später folgte auch eine Orchesterfassung. Die Streicher spielen während des ganzen Stücks eine sehr langsame, ununterbrochene, choralähnliche Folge reiner Akkorde, der die Blasinstrumente dissonierend gegenübertreten. Siebenmal gibt die Trompete zunächst ein kurzes Motiv vor, das Ives als „die ewige Frage der Existenz“ beschrieb. Sechsmal suchen die Flöten eine Antwort - immer anders und immer schroffer. Am Ende jedoch bleibt die Frage unbeantwortet. Es ist ein für Ives typisches Stück - es stellt verschiedene disparate Elemente übereinander, ohne ihre Verhältnisse genau zu klären, es erscheint angetrieben durch eine Erzählung, der wir uns nie voll bewusst werden, und bleibt zuletzt mysteriös.

Die Einbeziehung von Gebrauchsmusik (Märschen, Tänzen, Ragtimes, kirchlichen Hymnen etc.) ist ein weiteres charakteristisches Merkmal von Ives’ Musik, das in Werken wie Central Park in the Dark (1906) oder Three Places in New England (1908-14) zur Anwendung kommt. Ebenso finden Zitate aus der Musikgeschichte, vor allem aus dem Werk Ludwig van Beethovens Verwendung, wodurch das Verhältnis zur Tradition problematisiert und in der Musik thematisiert wird. Am komplexesten gestaltet sich die spannungsvolle Verbindung heterogener Elemente in der Vierten Symphonie (1910-16) sowie in der Ersten (1901-1909) und besonders der Zweiten Klaviersonate (1909-1915). Letztere ist wie Ives’ gesamtes Denken in besonderer Weise beeinflusst durch die transzendentalistischen Schriftsteller Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau, denen er in der Sonate mit dem programmatischen Titel Concord, Mass., 1840-1860 jeweils einen Satz zueignete. Die anderen Widmungsträger waren Nathaniel Hawthorne und Die Alcotts (d.h. die Familie des Philosophen und Reformpädagogen Amos Bronson Alcott und dessen Tochter Louisa May). Bis heute wird das sperrige (Spieldauer etwa 50 Minuten) und höchst schwierige Werk nur gelegentlich und meist von Spezialisten wie Herbert Henck gespielt. Die zahlreichen Merkwürdigkeiten dieses Werks, so die eingearbeiteten mehr oder weniger deutlichen Zitate des Kopfmotivs aus Beethovens 5. Sinfonie und aus der Hammerklaviersonate, die kurzen Stimmen ad.lib. für Bratsche und Flöte (die tatsächlich meist weggelassen werden), die mitunter äußerst schroffe Gegenüberstellung hochdissonanter Akkordtürmungen und einfachster, ja banaler Melodien sind jedoch nicht nur als Nachweis für Ives’ kauzigen musikalischen Humor zu sehen, sondern vor allem als ein den traditionellen europäischen Kategorien fremdes ästhetisches Konzept, das nicht mehr von der Geschlossenheit des Werks ausgeht - wie auch Ives die Concord-Sonata nie als im strengen Sinne abgeschlossen betrachtet hat.

Bearbeitet von Wulfenlord am 12. Aug. 2007, 8:52

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