Biografie

Brian Jones (* 28. Februar 1942 in Cheltenham, Gloucestershire als Lewis Brian Hopkin Jones; † 3. Juli 1969 in Hartfield, Sussex) war ein britischer Musiker. Als Lead-Gitarrist war er einer der Bandgründer der Rolling Stones. Er starb im Alter von 27 Jahren und gehört damit, wie einige andere einflussreiche Musiker, dem Klub 27 an.

Leben und Wirken

Am 28. Februar 1942 kam Lewis Brian Hopkin Jones als zweites Kind seiner aus Wales stammenden Eltern, Louis Blount Jones und Louisa Beatrice Jones (geborene Simmonds), zur Welt. Er hatte zwei Schwestern, die 1941 geborene und im Alter von 2 Jahren verstorbene Pamela sowie die 1946 geborene Barbara. Seine Mutter war sehr musikalisch und gab Klavierunterricht. Auch Brian lernte durch seine Mutter das Klavierspielen. Er konnte bereits frühzeitig Noten lesen, spielte Saxophon und Klarinette, bekam eine Gitarre geschenkt und interessierte sich danach zunächst ausschließlich für dieses neue Instrument. In der Schule bekam Brian nur Bestnoten. Er war der Typ „Sonnyboy“, smart, charmant und wortgewandt; andererseits jedoch galt er auch als launisch und dadurch schwer berechenbar.

1959 begann Brian eine Ausbildung in einer Optikerfirma in London. In Cheltenham brachte zuvor die erst 14-jährige Valerie sein erstes uneheliches Kind zur Welt. Wegen seiner inzwischen entstandenen Bluesleidenschaft verbrachte Brian mehr und mehr Zeit in Schallplattenläden und Musikclubs, so dass er seine Ausbildung abbrach, um mit Freunden durch Skandinavien zu trampen.

1960 war Brian Jones wieder in Cheltenham, begann eine Affäre mit der verheirateten Angeline, die im gleichen Jahr ein Kind von ihm zur Welt brachte. Angeline blieb bei ihrem Mann, Brian verliebte sich in Pat Andrews, und 1961 kam ein weiteres Kind (Julian) zur Welt. Brian Jones hatte dadurch mit 19 Jahren bereits 3 uneheliche Kinder.

Bei einem Chris Barber-Konzert 1961 in Cheltenham trat der Bluesmusiker Sonny Boy Williamson auf. Brian war dadurch mehr denn je vom Blues infiziert und zog nach London. Hier lernte er im Dezember 1961 Alexis Korner kennen. Bei nächtlichem Schallplattenhören in dessen Küche begeisterte Brian die Slidegitarre von Elmore James in Dust my Broom. Derart fasziniert, verfeinerte er seine Technik an der Slidegitarre mit großem Enthusiasmus, so dass er am 24. März 1962 erstmals von Alexis Korner auf die Bühne des Ealing Clubs gebeten wurde, um mit der Band Blues Incorporated einige Songs zu spielen. Er nannte sich zu diesem Zeitpunkt Elmo Lewis.

Über Alexis Korner lernte Brian Jones Mick Jagger und Keith Richards kennen. Daraus entstanden im Juni 1962 die Rolling Stones. In der ersten Zeit war Brian besonders wegen seiner herausragenden Musikalität der anerkannte Leader der Band.

War Brian Jones auf den 1963 bis 1965 aufgenommenen Rolling Stones-Songs meist als Gitarrist (häufig auch an der Slide-Gitarre, wie etwa bei I Wanna Be Your Man und Little Red Rooster) und an der Mundharmonika zu hören, so trat er ab 1966 vermehrt als Multi-Instrumentalist in Erscheinung. Er sorgte insbesondere auf den Alben Aftermath, Between the Buttons und Their Satanic Majesties Request für vielfältige musikalische Nuancen. Brian Jones spielte u.a. Flöte (Ruby Tuesday, Sing This All Together, Gomper), Sitar (Paint It Black, Mothers Little Helper, Gomper), Marimbafon (Under my Thumb, Out of Time), Dulcimer (Hackbrett) (Lady Jane, I am waiting), Cembalo (Take it or leave it, Ride on Baby), Akkordeon (Back Street Girl), Kazoo, Banjo (Cool Calm and Collected), Orgel (Complicated), Piano und diverse Blasinstrumente (Saxophon, Posaune, Klarinette) (Something happened to me yesterday, ‘Dandelion sowie auf dem Album Their Satanic Majesties Request). Außerdem bediente er auf mehreren Songs das Mellotron. Diese subtilen musikinstrumentalen Facetten scheinen in der Musik der Rolling Stones jedoch nur so lange auf, als Brian Jones ihr Mitglied war.

Privat lief es für Brian im gewohnten Rahmen weiter. Seine Freundin Linda Lawrence wurde von ihm schwanger und brachte 1964 einen Sohn zur Welt, der auf ausdrücklichen Wunsch von Brian den Namen Julian (wie auch bereits sein Sohn aus der Beziehung zu Pat Andrews) erhielt.

Jones war bekannt für seinen exzessiven Lebensstil, getreu dem Motto Sex, Drugs and Rock’n’Roll. So auch auf der 2. USA-Torunee der Rolling Stones (24. Oktober bis 15. November 1964). Er wurde von den weiblichen Fans verehrt, von ‘angesagten Szene-Leuten’ um Andy Warhol und Tom Wolfe hofiert und von der Presse wegen seines blendenden Aussehens ‘meistfotografiert’. Er trank jedoch unmäßig, rauchte zu viel Pot und nahm zu viele Uppers and Downers (Tabletten) und wurde wegen allgemeiner Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert. Die Stones mussten einige Gigs ohne Brian absolvieren. Dieses Szenario (mit entsprechenden Undiszipliniertheiten und Unzuverlässigkeiten seitens Brian) wiederholte sich einige Male, so dass sich die übrigen Bandmitgleider mehr und mehr von ihm distanzierten.

Brian litt psychisch darunter, dass Manager Andrew Loog Oldham das Duo Mick Jagger und Keith Richards favorisierte und seine musikalischen Beiträge nicht genügend zu schätzen vermochte. Offensichtlich gelang es Brian Jones allerdings auch nicht, seine kompositorischen Ideen gegenüber der Dominanz des Komponisten-Duos Jagger/Richards entsprechend durchzusetzen. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme - er litt an Asthma. Sein Drogenkonsum tat ein übriges, um Anfälligkeiten, Ausfälle und seine Paranoia zu steigern. Von klein auf war er an Epilepsie erkrankt, die ihn zur ständigen Medikamenteneinnahme zwang. Die Wechselwirkungen dieser Medikamente mit Drogen, Alkohol und anderen Medikamenten zogen gefährliche Erkrankungen nach sich.

Am 14. September 1965 lernte Brian in München auf einer After-Show-Party die als Fotomodell und Schauspielerin tätige Anita Pallenberg kennen. Die überaus attraktive Frau wurde auch von Mick Jagger und Keith Richards begehrt. Doch ist es nicht verwunderlich, dass es gerade dem smarten Brian gelang, Anitas Interesse zu wecken - schließlich konnte er nicht nur in äußerst gepflegtem Englisch, sondern auch auf Deutsch parlieren. Beide gehörten in den folgenden zwei Jahren zu den glamourösesten Paaren der Popmusik. 1966 reisten Brian und Anita erstmals nach Marokko; weitere Reisen in dieses nordafrikanische Land sollten folgen. Als es zwischen Brian und Anita immer öfter zu Eifersuchtsszenen kam, trennte sie sich schließlich im Frühjahr 1967 abrupt von ihm, als sie erneut - zusammen mit Keith Richards - auf dem Weg nach Marokko waren, und wandte sich Keith Richards zu. Die jähe, für ihn völlig überraschende Trennung von seiner Dauerfreundin Anita bedeutete für Brian einen psychischen Schock, der sein seelisches Gleichgewicht zusätzlich schwer belastete. Vor ihrer Trennung spielte Anita Pallenberg in dem Film Mord und Totschlag (von Volker Schlöndorff) mit, zu welchem Brian die Filmmusik schrieb.

Letztmalig auf Konzertreise ging Brian Jones mit den Stones vom 25. März bis 17. April 1967 in Europa. Das Abschlusskonzert fand am 17. April 1967 im Panathinaikos-Stadion in Athen statt. Seine letzten Auftritte mit den Stones hatte er im Mai 1968 beim Pollwinners Concert des New Musical Express, hier spielten die Stones zwei Songs (Jumpin’ Jack Flash und Satisfaction) , und beim Rock’n’Roll Circus der Rolling Stones im Dezember 1968, wo er allerdings schon nicht mehr bei allen Songs Gitarre spielte, sondern teilweise nur noch Percussion.

Im Juni 1967 flog Brian nach San Francisco. Er hatte ein Faible für die aufkommende Hippie- und Flower-Power-Bewegung und besuchte am 15. Juni 1967 das Monterey Pop Festival und kündigte dort den legendären Auftritt von Jimi Hendrix an.

Mit Suki Potier, seiner neuen Freundin, landete Brian am 4. Juli 1968 in Tanger, um die Flötenspieler von Joujouka aufzunehmen.

Im November 1968 kaufte Brian Jones die Cotchford Farm in Hartfield, Sussex. Er hatte sich inzwischen von Suki Potier getrennt und war mit der schwedischen Tänzerin Anna Wohlin zusammen.

Ausstieg aus der Band und Tod

Da die Rolling Stones seit 1967 nicht mehr auf Tournee waren, was wesentlich Brians desolatem Zustand zugeschrieben wurde, und Brians Anteile an den Studio-Aufnahmen stets weniger wurden, beschlossen die Stones, sich von ihrem früheren Leader zu trennen. Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts fuhren am 8. Juni 1969 auf die Cotchford Farm und teilten Brian ihren Entschluss mit. Brian akzeptierte ihn und nahm das Angebot der einmaligen Abfindungszahlung von 100.000 Pfund an (sowie 20.000 Pfund jährlich, solange die Rolling Stones existieren). Am 9. Juni 1969 wurde die Presseerklärung herausgegeben. Gemäß seinem ‘alten’ Mentor Alexis Korner schmiedete Brian Pläne zur Gründung einer eigenen progressiven Bluesband, mit der er seine vielschichtigen musikalischen Ideen endlich verwirklichen wollte. Brian schien sich im ländlichen Sussex gut zu erholen.

Am 2. Juli 1969 war der Bauunternehmer Frank Thorogood mit Freundin Janet Lawson bei Brian und Anna zu Besuch. Brian wollte mit Thorogood Differenzen wegen angeblich noch ausstehender Gelder für Umbauten auf der Cotchford Farm regeln. Man trank Wein und genoss das Dinner. Es war nach einem heißen Tag auch zu späterer Stunde noch sehr warm. Brian, Anna und Frank beschlossen, einige Runden im Swimmingpool zu schwimmen. Anna verließ den Pool nach kurzer Zeit und kehrte zu Janet Lawson ins Haus zurück. Etwa 10-15 Minuten waren Brian und Frank Thorogood allein im Pool. Als auch Thorogood in das Gebäude kam, um Zigaretten zu holen, bemerkte Janet Lawson aus dem Fenster, dass etwas mit Brian nicht stimmte. Anna rannte hinaus und fand Brian auf dem Boden des Swimmingpools liegend.

Er starb vermutlich unter Drogeneinfluss, als offizielle Todesursache wurde aber Tod durch Ertrinken angegeben. Bis heute halten sich allerdings Gerüchte, Jones sei ermordet worden.

Unterstützt wird die Mordtheorie durch den Film Stoned, in welchem Regisseur und Drehbuchautor Stephen Wolley, durch Zeugenaussagen bestärkt, die These vertritt, Jones sei von dem Bauunternehmer Frank Thorogood ermordet worden.

Ein kostenloses Konzert der Rolling Stones am 5. Juli im Londoner Hyde Park, das schon vor Jones’ Tod geplant war, wurde zu einer Gedenkfeier an Brian Jones. Auf der Bühne stand ein großes Bild von ihm, Mick Jagger las aus Adonis von Percy Bysshe Shelley und die Stones ließen Hunderte weißer Schmetterlinge fliegen. Bei diesem Konzert vor 250.000 Fans trat erstmals Jones’ Nachfolger bei den Stones, Mick Taylor, live mit der Band auf.

Brian Jones wurde auf dem Priory Road Cemetery in Prestbury, Gloucestershire, England bestattet.

Posthumes Wirken und Auswirkungen

* Posthum wurde 1971 ein von Brian Jones vorbereiteter Dokumentarfilm über marokkanische Panflötenspieler aus dem Dorf Joujouka veröffentlicht: Brian Jones Presents The Pipes Of Pan Of Joujouka.
* Die englische Band Psychic TV hat 1985 den Song Godstar veröffentlicht, der Brian Jones gewidmet ist und Teil eines nie veröffentlichten Films namens Godstar über Brian Jones sein sollte.
* Der deutsche Schauspieler und Liedermacher Ben Becker veröffentlichte auf seinem Debütalbum einen Song mit dem Titel Brian Jones.
* Die japanische Band Pizzicato Five widmete Brian Jones einen Song bzw. ein Video: Pizzicato Five: „Sweet Soul Revue (Part II)“
* Ein Film über Brian Jones wurde 2005 unter dem Titel Stoned veröffentlicht (Regie: Stephan Woolley).
* Im März 2007 erschien der Song The Spirit of Brian Jones von der Band Beyond the Vail
* Brian Jones ist Mitglied des Klubs 27.

Betrachtet man die musikalische Entwicklung der Rolling Stones, so muss man feststellen, dass viele Songs, die zur Zeit von Brian Jones entstanden, durch ein besonderes Feeling und kreatives Arrangement geprägt waren und dass diese Phase den Stellenwert der Rolling Stones in der Popmusik entscheidend beeinflusst hat.

Bearbeitet von Wulfenlord am 10. Apr. 2008, 10:31

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