
Freunde, Römer, Musikfans!
Dergestalt absagengeplagt geht der Bandcontest weiter in seine vierte Vorrunde, dass man sich entschied, drei dieser kurzfristigen Absager noch eine letzte Chance zu geben. Das bedeutet, dass das Trio in einer fünften Vorrunde am 11.11. den letzten Kandidaten für das zweite Halbfinale ausspielen darf - das Nachsehen haben dabei (vermutlich) Lykewake , welche den direkten Vergleich gegen New Blast Chaos als besten Gruppendritten verloren haben und somit ausscheiden.
Das ohnehin schon bunt besetzte erste Halbfinale am Freitag den 13. November wurde gestern komplettiert - gesucht wurden zwei Bands aus vieren, und die angepriesenen Stilrichtungen gingen ebenfalls wieder weit auseinander.
Erste Band:
Smokedown
Als Herkunft Rhein/Main/Südhessen anzugeben ist natürlich vielsagend - Smokedown bezeichnen sich laut ihrer Myspace-Seite zudem als The South Hessen Rebels und lassen damit schon vorher andeuten, in welche Richtung ihre Musik geht. southern metal und stoner rock, den sie vom Ansager DJ Doom selbstbewusst als METAL! dem Publikum verkaufen, stehen bei ihnen auf dem Programm. Und das nicht mal so schlecht.

Smokedown
Leicht fühlte man sich dazu verleitet, Phil Anselmos Down als Paten anzugeben. In der ungefähren Stimmlage bewegte sich auch Sänger Thorsten, dem aber irgendwie die Stimme für den halbstündigen Auftritt nicht langen mag. Wenngleich mir die Performance gefiel, bemängelten meine nicht ganz neutralen Mitbesucher die Eintönigkeit bei den Songs. Alles wie bei Down also.
Zweite Band:
Thornbridge
"Geht nicht" gibts nicht bei diesem Contest, der sein fünfjähriges Jubiläum feiert. Bei so vielen verschiedenen Musikrichtungen in diesem Jahr (dem breitesten Spektrum bisher) darf natürlich auch eine power metal Band nicht fehlen. Jawohl, Power Metal! Mit Eiern, aber so richtig ... pardon, Melodic Power Metal, laut DJ Dooms Ansage. Melodic als Beisatz verschlimmbesserte schon so manches Genre.
Thornbridge kommen aus dem Main-Kinzig-Kreis und Aschaffenburg, laut offizieller Webpräsenz (mein neues Lieblingswort seit diesen Journals), und bleiben mir persönlich vor allem wegen des Begriffs Jubiläum in Erinnerung: so bezeichnete Sänger Mo Naneder ihren ersten gemeinsamen Auftritt, man hätte sich erst kürzlich zusamengefunden. Vermutlich beim World Of Warcraft - Zocken.

Thornbridge
Da Power Metal bedeutet, dass man geschickt sämtliche altbekannten Klischees bedienen und dabei trotzdem wie etwas Neues verkaufen muss, bewegen sich Thornbridge im übersichtlichen Rahmen. Texte wie Neverwinter Nights animieren zum Schmunzeln, das epische Fanfaren-Intro gabs vom Band dazu, und obendrein huldigt die Kapelle ihren musikalischen Vorbildern Helloween - auch das ein Novum dieses Jahr: die erste Band, welche in der Vorrunde eine Coverversion zockt. Sah man von den sehr durchwachsenen Drums ab war das schon ein recht ordentlicher Auftritt - eingeölte und in schwärzestes Leder gehüllte Joey diMaios belieben uns auch noch erspart.
Dritte Band:
Perditions Departure
"Untergangs/Verdammnis' Abreise/Aufbruch" - ungefähr so lässt sich dieser nach ein paar Bier leider nicht mehr unfallfrei aussprechbare Bandname der Egelsbacher übersetzen. Die jugendliche Truppe (Myspace gibts hier) zockt laut eigener Aussage Metalcore in der frühen Form, also damals, als es noch keine zwölftausend Bands gab, welche das Gleiche immer und immer wieder spielten oder sich jedes Dorforchester berufen fühlte, sich in die Stapfen der Großen shouten zu müssen.

Perditions Departure - merkt euch diesen Namen für Scrabble
Pure Böswilligkeit ließ mich beim Sänger zunächst an Eric Cartman erinnern, der sich jedoch ordentlich einen abbrüllt und uns verbal durch eine Handvoll nicht sehr abwechslungsreiche Songs führt. Die langsamen Parts wurden mal weniger, mal mehr gut ausgeschmückt - wie im zweiten Song (Name ist mir nicht mehr bekannt - das Alter, sorry), der besten Darstellung an diesem Abend. Danach gabs jedoch nur Stückwerk. Song drei und vier unterschieden sich zum Beispiel minimal. Immerhin blieb dem Brüllwürfel erspart, eine schnulzige Emoballade zu trällern.
Letzte Band:
Out Of The Depth
Es fiel mir wirklich schwer, mich noch möglichst freundlichst durch die vier Journale zu schreiben - letztes Jahr wurde an gleicher Stelle die Gehässigkeit und Häme kritisiert, mit welchen ich die Kinder bedacht habe. Und wahrscheinlich wird das auch heute wieder der Fall sein. Dachte ich noch, dass Crystal Finch aus der ersten Vorrunde den Bodensatz darstellten, so gaben sie die rote Laterne dieser Veranstaltung gestern an Out Of The Depth ab.

Aus der Tiefe des Raums
death metal und post rock - das heften sich die Wiesbadener auf die Fahne, und ein schmuckes Banner haben sie ebenfalls mitgebracht. Hat ja auch bei ANNY. und Sardaukar geholfen. Nur ... die Musik. Die ersten zwei Songs undefinierbarer Musikbrei, so richtig schön auf die Bühne geklatscht. Dazu enervierend oft Soundchecks zwischen den Darbietungen. Da sich die Zuschauerränge eh gelichtet hatten (Thornbridge schleppte den größten Anhang mit) hätten Out Of The Depth direkt mit dem ersten Song punkten müssen. Aber nach ein paar scheppen Tönen war das auch passé. Die Post-Rock Einlage war zwar bemüht und nicht ganz so schlecht wie der Death-Versuch, aber das interessierten nur noch die wenigsten.
Das Urteil:
Meine Punkte verteile ich mit zweien an Smokedown (für mich die Besten dieses Abends) und einem an Thornbridge, geschuldet der Tatsache, dass die anderen beiden Kapellen nicht wirklich gut bzw. abwechslungsreich waren.
Nicht dass Thornbridge darauf angewiesen wären: bei 71 gewerteten Stimmzetteln heimsen sie mit 71 Punkten ein Drittel aller möglichen Punkte ein und und stehen somit im Halbfinale. Smokedown setzen die Erfolgsserie der Bands, welche als Erste ran mussten, fort und belegen mit 65 Punkten Platz zwei, was ebenfalls fürs Semifinale reicht. Für Perditions Depature (39 Punkte) und Out Of The Depth (28 Punkte) dagegen ist hier Endstation.
Falls es nicht wieder zu lustigem Platzwechselspielchen kommt, ist das erste Halbfinale am 13.11. damit komplett:
Bläuen Szöök
Bionic Ghost Kids
Underkill
Thornbridge
Smokedown
Das zweite Halbfinale steigt am 20.11., mit bislang folgenden Bands:
Sardaukar
Mortal Existence
Out Of Damage
New Blast Chaos
Und wie gesagt, drei mir noch nicht namentlich bekannte Bands ermitteln am 11.11. an gleicher Stelle den fünften und letzten Teilnehmer - auch wenn dieser nichts daran ändern wird, dass im ersten Semifinale die deutlich abwechslungsreicheren und im zweiten die wesentlich härteren Genres zusammengefasst worden sind.

















